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Jens Weißbach: Das war der Winter 2009 - 2010

Jens Weißbach, Betreiber der Wetterstation in Amtsberg, hat uns freundlicherweise einen Artikel bereitgestellt, in welchem er einen Rückblick auf den Winter der Saison 2009 - 2010 hält. Die von ihm genannten Wetterdaten beziehen sich auf die Wetterstation in Amtsberg an der B174, südlich von Chemnitz.

Mitte Oktober 2009 sendete uns der Winter schon erstmalig ein Lebenszeichen in Form von heftigen Schneefällen, welche zu Schneebruch an den noch belaubten Bäumen führte.

Der November war dagegen das Gegenteil: Schnee?? Fehlanzeige! Frost?? Eine Seltenheit! Es war der wärmste November seit 1963. Auch noch bis weit in den Dezember hinein überwog dieses milde Herbstwetter ohne winterliche Wettereigenschaften.

Erst zum 11./12. Dezember hin schwenkte die Großwetterlage auf Winter um und es wurde immer kälter. Schnee blieb bei der nun eingeflossenen trockenen Festlandsluft leider Mangelware, nur ein paar klägliche Zentimeter fielen und gaben der Landschaft einen winterlichen Anschein.

Kurz vor Weihnachten lag die kälteste Luftmasse über uns und es wurde am 20.12.09 mit -19,8°C die kälteste Temperatur des gesamten Winters hier (Amtsberg) gemessen. Danach wurde es milder, das typische Weihnachtstauwetter folgte und der Winter pausierte erst einmal. Die kalte Luft lag aber weiterhin vor unserer Haustür in Norddeutschland, es hätte nur eines atmosphärischen Hauchs gedarft und sie wäre hereingeplatzt. Tat sie aber nicht. Während es in der Leipziger Gegend am Silvester frostig war, stieg die Temperatur hier auf +5°C.

Noch in der Neujahrsnacht wurde auch das Erzgebirge mit der kälteren Luft geflutet und es stellte sich eine längere Dauerfrostperiode ein. Fast 17 Tage blieb es nun unter dem Gefrierpunkt (vom 1.1.10 um 1:07 Uhr bis zum 17.01.10 um 15:39 Uhr). Daher ist es kaum verwunderlich, dass der Januar 2010 insgesamt 25 Eistage (also Maximum der Temperatur unter 0,0°C) aufwies. Schnee war nicht so der große Brüller, zwar wurde die "Daisy" als Jahrhundertkatastrophenschneesturm angekündigt, doch außer etwa 10 cm Neuschnee und die üblichen erzgebirgischen Schneeverwehungen geschah hier wenig aufregendes.

Die Schneetiefs "Keziban" und "Jennifer" folgten auch noch gegen Monatsende und brachten wiederum einige Zentimeterchen Neuschnee. Insgesamt ist das Erzgebirge weitaus heftigere Schneefälle und Schneestürme gewöhnt, wie zum Beispiel am 11.3.2005 mit seinen Schneeverwehungen oder der 12.3.2006 als innerhalb einiger Stunden gleich mal um die 30 cm fielen.

Insgesamt verlief der Januar sehr frostig und mit einem Monatsmittel von -5,2°C war er der kälteste Januar seit 1987. Durch die oftmals vorhandene Wolkendecke könnte sich die Luftmasse bodennah nachts nicht sehr auskühlen, so dass extrem tiefe Minima nicht auftraten und leider die emotionale Grenze von -20°C nicht unterschritten wurde.

Sogenannte Strahlungsnächte gab es kaum, sonst wäre der Januar noch um einiges kälter ausgefallen. Dieser Mangel an klaren Nächten (und auch Tagen) führte auch zu einer Sonnenscheinarmut und in der Tat war der Januar mit nur 37,2 Stunden Sonnenschein sehr duster.

Der letzte meteorologische Wintermonat begann wieder mit einer stürmischen Braut. Das Schneetief "Miriam" verwehte manche Straße hier im Erzgebirge so, dass diese mittels schwerer Technik freigefräst werden musste. Mit "Miriam" wurde es wieder frostig und eine längere Kälteperiode wurde eingeleitet. Rekordminima wurden zwar im Februar nicht gemessen, nur einmal sank das Thermometer in den zweistelligen Minusbereich, aber trotzdem zehrte die zweite längere Kältewelle manchen Schneehasser und Mildwinteranbeter gewaltig an den Nerven.

Es schneite ja auch zur Monatsmitte ganz ordentlich. Am 12.2. wurde mit 36 cm hier die höchste Schneehöhe des Winters gemessen - was übrigens nicht so viel ist. Erzgebirgsweit gesehen lag eher unterdurchschnittlich viel Schnee. Die klassischen Schneelagen, wozu die Nordwestlage gehört, fehlten diesmal. Ost-, bis Südost war diesmal vorherrschend.

So kam es, dass teilweise in MeckPomm mehr Schnee lag, als in den unteren und mittleren Lagen unseres Erzgebirges. Ab dem 18. Februar wurde es zunehmend milder, der Schnee taute zumindest tagsüber und zum Monatsende hin überwog leider wieder die graubraungrünliche Farbe auf den Wiesen.

Am Monatsletzten bretterte die stürmische "Xynthia" herbei und blies aus allen Rohren. Größere Schäden blieben aus und ein Vergleich mit dem legendären "Kyrill" von vor 3 Jahren war fehl am Platze. Vorbei die Zeit, als das unschuldige Weiß die Landschaft überzog, vorbei Zeit der stillen Nächte und Tage. Die erste Vögel schreien umher und das erste zarte Grün der Frühblüher streckt sich noch etwas schüchtern dem Himmel entgegen. Die Zeit ist reif für den Frühling und irgendwann wird er auch kommen, spätestens Ende März - in der nächsten Woche dreht der Winter noch einmal so richtig auf und will nochmal zeigen, was er gelernt hat.

Kampflos wird er sich dieses Jahr dem Frühling nicht ergeben. Von daher genießen wir die Winterabschlussparty - die Zeit der kreischenden Kreissägen und dröhnenden Rasenmäher kommt noch früh genug.

Anbei nun etwas Statistik - was sein muss, muss sein.

Monatsmittel: Dezember -0,8°C (-0,6K); Januar -5,2°C (-3,6K); Februar -1,3°C (-0,5K)  = Wintermittel: -2,4°C (-1,6K)

Tiefste Temperatur: Dezember -19,8°C (20.12.); Januar -19,3°C (27.1.); Februar -11,9°C (16.2.)

Höchste Temperatur: Dezember +10,7°C (7.12.); Januar +1,8°C (18.1.); Februar +13,2°C (28.2.)

Kältesumme (Summe der negativen Tagesmittel):   Dezember: 72,9 K;   Januar: 163,6 K,   Februar: 74,6 K  =  311,1 K.

Somit wird dem Winter 2009/10 der Titel: "Strenger Winter" verliehen. Zu den 311,1 K wird noch einiges im März dazukommen, was in die Gesamtstatistik dann mit einfließen wird.

Frosttage (Minimum unter 0°C) - in Klammern das langjährige Mittel des Kenntages: 76 (61)

Tage mit strengen Frost (unter -10°C): 15 (13)

Eistage (Maximum unter 0°C): 46 (22)

Kalte Tage (Maximum unter +10°C): 87 (81)

Niederschlag: Dezember 77,7 mm (117%); Januar 62,0 mm (114%); Februar 29,4 mm (58,2%) = 169,1mm (96,4%)

Tage mit Schneedecke: Dezember 20; Januar 31, Februar 28  = 79 Tage, Maximum 36 cm am 12.2.

1 Gewitter am 28.1.

Der Winter dauerte bis jetzt ca. 10 Wochen. Wir brauchen gar nicht so weit zurückzublicken um längere Winter zu finden, wie der 2005/06er Winter, der Mitte November begann und Mitte März endete. Dieser damals dauerte mindestens 5 Wochen länger. Das der Winter subjektiv so lang erschien, lag an dem Mangel an Sonnenschein. Trübe Tage überwogen und blauer Himmel mit Sonnenschein war Mangelware.

Das ist auch der Grund, weshalb bei diesem Winter keine extrem tiefen Temperaturen auftraten - die nächtliche Ausstrahlung fehlte oftmals.

Bis demnächst wieder :-) Ihr Jens Weißbach

(C) by wetter-amtsberg.de  01.03.10

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 05.03.2010
Aktuell: 01.04.2010
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