Flop ? Das Projekt "Ski- und Wanderbus" wurde eingestellt
Skibus - Haltestelle am Skilift Holzhau
Eigentlich wollte holzhau.de nur in Erfahrung bringen, welche Route der "Ski- und Wanderbus" im Sommer fahren würde. Die Frage ist durchaus gerechtfertigt, denn die Straße zwischen Holzhau und Altenberg wird bis Ende August gesperrt bleiben und die ausgeschilderte Umleitung über Frauenstein würde die Fahrtzeit um 40-50 Minuten pro Tour verlängern.
Mirko Zimmermann, welcher als Hotelier im Naturhotel "Lindenhof" tätig ist und die Tourismusinformation im Holzhauer Ortszentrum betreibt, teilte uns nun aber mit, dass der Ski-und Wanderbus vom Rechenberger Brauereimuseum zum Hotel "Lugsteinhof" in Zinnwald eingestellt wurde. "Im Sommer wird er nicht fahren, im November wird neu verhandelt".
Schon bei der Eröffnungsfahrt schafften es die Organisatoren vom Tourismusverband "Silbernes Erzgebirge" nicht, den Bus für die Filmaufnahmen des "MDR Sachsenspiegel" zu füllen. Man zeigte im TV ein paar einzelne Fahrgäste. Bei den Dreharbeiten des "Kanal 9" waren auch nicht mehr Menschen zu sehen.
Im Dezember 2010 wurde die Straße zwischen Holzhau-Teichhaus und Hermsdorf längere Zeit nicht geräumt, so dass der Busverkehr eingestellt wurde. Kurz vor den Winterferien 2011 veröffentlichte man eine Pressemeldung, dass der Ski-und Wanderbus nun "einen Gang höher" schalten wolle. Wer jedoch den Busverkehr durch Holzhau in dieser Zeit beobachtete, stellte fest, dass dieses Verkehrsmittel nur sehr selten bis zur Hälfte gefüllt war.
Wie wurde der Bus überhaupt finanziert ? Zimmermann dazu: "Damit die Busunternehmen finanziell abgesichert waren, konnten die an der Buslinie liegenden Hotels ein bestimmtes Kontingent von Fahrscheinen vorab käuflich erwerben. Bei unserem Hotel waren das für die Wintersaison 2010/2011 exakt 1000 Tickets. Die Rückgabe ist ausgeschlossen. Wir haben auf eigene Rechnung vor dem Hotel ein Hinweisschild anbringen lassen und konnten trotzdem nur 15 (fünfzehn) Fahrscheine verkaufen. Für unser Hotel ist das ein Schaden von reichlich 5000 Euro." Eine Steigerung der touristischen Attraktivität sei für ihn nicht zu erkennen, erklärt Mirko Zimmermann weiter.
Damit sich die Buslinie trägt, hätten 15000 Fahrgäste den Ski-und Wanderbus nutzen müssen. "Gerade mal 6800 sind mitgefahren. Die meisten wahrscheinlich im Großraum um Altenberg."
Der Hotelier ist stinksauer. Angesichts des finanziellen Schadens von etwa 5000 Euro für sein Hotel wäre es wahrscheinlich günstiger gewesen, wenn er seine 15 Fahrgäste mit dem Taxi zum gewünschten Ziel transportiert hätte.
Eine erneute Teilnahme am Projekt "Ski- und Wanderbus" schloß Zimmermann zum aktuellen Zeitpunkt aus.
Andere Holzhauer Hoteliers haben kleinere Mengen Fahrscheine gekauft. Der Abverkauf war aber ähnlich schlecht wie im Hotel "Lindenhof".
Möglicherweise gibt es für den Misserfolg des Ski- und Wanderbusses eine ganze Reihe von Gründen. Einer davon: Die Prospekte und Angebote der Hotels waren für den Winter 2010/2011 längst gedruckt und verteilt, als das Vorhaben "Ski-und Wanderbus" spruchreif wurde. Eine Vermarktung "im Paket" war danach nicht mehr möglich. Neue Kataloge und Prospekte hätten gedruckt werden müssen.
Ein weiterer Grund: Keine einzige offizielle Stelle, ganz gleich ob Tourismusverbände oder Fremdenverkehrsämter, hat holzhau.de gebeten, die Informationen zum Ski-und Wanderbus an die Besucher unserer Webseite weiterzuleiten.
Holzhau.de hatte in diesem Winter etwa eine Viertelmillion Besucher, welche 3,5 Mio. Webseiten aufriefen. Unsere Internetseite wäre sicher in der Lage gewesen, einen angemessenen Beitrag zur Vermarktung des Ski-und Wanderbusses zu leisten. Aber: Wir sind den Ämtern und Verbänden 10 Jahre lang bettelnd hinterhergelaufen - irgendwann ist es auch mal gut...
Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 08.04.2011
Aktuell: 07.01.2012
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