12. Januar 1922: Gemeinderäte können sich nicht entschließen, Holzhau an das Stromnetz anzuschließen
Auf den Tag genau, vor neunzig Jahren, trafen sich die Holzhauer Gemeinderäte. Seit mehr als 12 Jahren diskutierten sie das Thema "Soll die Gemeinde Holzhau an das elektrische Stromnetz angeschlossen werden oder nicht ?". Der Abend verlief wieder - trotz großer Not der Einwohner - ergebnislos.
Schon lange vor dem ersten Weltkrieg, nämlich am 21.3.1910, hatte es in Holzhau eine Bürgerbefragung gegeben. Damals wollten lediglich 6 Bauernhöfe / Haushalte elektrischen Strom. Demzufolge beschloß der Gemeinderat, dass der gesamte Ort keinen Strom bekommen sollte. Man erklärte aber freundlich, dass man die Angelegenheit "Strom" in Zukunft mit Interesse verfolgen werde.
Nach dem Beschluß vom 21.3.1910 ging am 29.3.1910 in der Gemeinde Holzhau ein Schreiben der Königlich-Sächsischen Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde ein. Die Amtshauptmannschaft forderte die Gemeinde auf, eine Stromversorgung für die Bürger zu realisieren.
An diesem Punkt muß man feststellen, dass die sächsischen Könige stets als Förderer neuer Technologien auftraten. Ganz gleich, ob bei der Eisenbahn (ab 1839) oder bei der Einführung des elektrischen Stromes. Der Holzhauer Gemeinderat widersetzte sich demzufolge einer Anweisung des Königreiches!
Am 15.12.1910 beschließt der Holzhauer Gemeinderat erneut, sich der geforderten Elektrifizierung der Gemeinde zu verweigern. Zu diesem Zeitpunkt existierten in den umliegenden Orten bereits Gemeindeverbände zur Stromversorgung.
Der Gemeinderat Holzhau beschließt am 28.9.1913, dem Überlandstromverband Freiberg noch nicht beizutreten. Zwei Monate später lehnen die Gemeinderäte wegen der zu hohen Baukosten ab, in den Überlandstromverband Lichtenberg aufgenommen zu werden.
Der Erste Weltkrieg ging 1918 zu Ende. Deutschland verlor ihn. Petroleum wurde stark rationiert. Zeitweise wurde nur noch ein halber Liter Petroleum pro Person verkauft. Das Sächsische Königreich löste sich auf, der König dankte ab. Es kamen schwere Zeiten für die Erzgebirgler. Das Volk hungerte und fror. Die Baukosten für ein neues Stromnetz explodierten.
Am 9. Februar 1919 stellte man fest, dass die Baukosten für ein Stromnetz von der Gemeinde nicht aufgebracht werden können.
Erst 1925 versuchte der Gemeinderat ernsthaft, eine Finanzierung für ein eigenes Stromnetz zu erhalten. Wegen der schweren Nachkriegsjahre und der sich ankündigenden Weltwirtschaftskrise blieben die Bemühungen erfolglos.
Die Gemeindeverwaltung beauftragte im Herbst 1925 ein Freiberger Unternehmen mit der Errichtung einer Stromversorgung. Da die Finanzierung des Projektes scheiterte, ging der Auftragnehmer in den Bankrott. Ob die Holzhauer ihre Stromversorgung jemals bezahlt haben, ist noch nicht vollständig erforscht.
Quellen: Alte Protokolle des Holzhauer Gemeinderates
Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 11.01.2012
Aktuell: 18.01.2012
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