Traditionelles Handwerk aus dem Erzgebirge: Schindelmacher
Im Jahr 2009 feiert Holzhau sein 475-jähriges Bestehen. Ein guter Grund, ein in Holzhau bereits ausgestorbenes Handwerk ins Bewußtsein zurückzuholen. Holzhau.de hat die Holzschindelmanufaktur Voigt & Richter GbR in Reichenau um Informationen gebeten, welche wir hier veröffentlichen möchten:
Holzschindeln aus dem Erzgebirge
Holzschindeln haben eine lange Geschichte. Sie bis an Ihre Wurzeln zurückzuverfolgen ist schier unmöglich. Sicher ist, daß bereits weit vor unserer Zeitrechnung bei Griechen und Römern die Dacheindeckung mit Holzschindeln verbreitet war. Über die Römer kamen die Schindeln nach Germanien und schließlich auch in unser Erzgebirge. Die von den Römern verwendeten Schindeln hatten keine Nut, das wind-, regen-, und schneereiche Klima des Erzgebirges verlangte aber eine besonders dichte Dachdeckung. Erreichte man dies bei dem flachen Dach in den Alpenregionen durch mehrfaches Überdecken mit den nutlosen und steinbeschwerten Legeschindeln, so mußte man bei unseren steilen Dächern zu einem anderen Mittel greifen. So erfand man die Nutschindel, die in unserer engeren Heimat, aber auch in Schlesien, den Karpaten und in Siebenbürgen besondere Verbreitung fand.
Im Erzgebirge wurde die Nutschindel jedoch nicht nur zur Dacheindeckung, sondern vor allem auch als Giebel- und Fassadenbekleidung verwendet. So erreichte man neben einem zusätzlichen Wärmeschutz zugleich einen schlichten und wirkungsvollen Hausschmuck. Dabei spiegelt sich in den vielfältigen Gestaltungen der Schindelbekleidungen, auch die enge Beziehung der Bewohner zum Werkstoff Holz und seiner handwerklich-künstlerischen Verarbeitung in besonderer Weise wider. So prägt der Schmuck der schindelbekleideten Fassaden und Giebel auch heute noch das Gesicht vieler Ortschaften im sächsisch-böhmischen Kammgebiet des Erzgebirges, vor allem zwischen Flöha und Müglitz.
In Reichenau, einem kleinen Ort bei Frauenstein gelegen, haben sich Dieter Voigt und seine Mitarbeiter im 1991 gegründeten Unternehmen die Aufgabe gestellt, einen wirksamen Beitrag zur Erhaltung dieses Kulturgutes unserer Heimat zu leisten und mitzuhelfen, daß die Holzschindeln auch künftig Bestandteil erzgebirgischer Bautraditionen bleiben. Eine Vielzahl neuer und rekonstruierter Schindelfassaden wurden seit dieser Zeit mit Holzschindeln aus Reichenau gestaltet.
Nach Beendigung der Geschäftstätigkeit der Firma Dieter Voigt, führen wir seit Oktober 1999 die Herstellung von Holzschindeln und anderen Hobelwaren am bisherigen Standort weiter.
Matthias Voigt und Armin Richter sind in den Schindeltraditionen und darüber hinaus allen Fragen der Holzverwendung fachkompetente, langjährige Mitarbeiter des früheren Unternehmens.
Neben den maschinell gefertigten Nutschindeln aus Fichten- oder Lärchenholz und anderen hochwertigen Hobelwaren aus eigener Herstellung, wollen wir Ihnen auch künftig wieder umfangreiche Dienstleistungen und eine breite Palette Handelswaren rund um das Holz anbieten. Besuchen Sie uns in Reichenau oder rufen Sie uns einfach an. Wir freuen uns über Ihr Interesse an unseren Erzeugnissen und informieren und beraten Sie gern.
Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 16.05.2007
Aktuell: 05.07.2007
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