Ausflugs- und Wandertipp: Mückentürmchen (806m ü. NN) in Fojtovice
Mückentürmchen bei Fojtovice
Das Erzgebirge ist ein Pultschollengebirge, eine schräg in der Erdoberfläche steckende Platte. Im Sommer kaum erkennbar, steigt es südlich der B101 leicht, aber kontinuierlich an. Erst im Winter bemerkt man, daß die Schneehöhe mit jedem Kilometer in Richtung Süden wächst. Als Tourist verliert man schnell das Gefühl, in welcher Höhenlage man sich eigentlich befindet. Wie wäre es deshalb mit einem Ausflug zur "Bruchkante" des Erzgebirges, mit einem beeindruckenden Blick auf steil abfallende Hänge, das Böhmische Becken und das Böhmische Mittelgebirge ?
Einen attraktiven Aussichtspunkt bietet mit 806m ü. NN die Steinkuppe in Holzhau, auch wenn der Blick dort durch den umliegenden Wald etwas eingeschränkt ist. Einige Kilometer weiter östlich von Holzhau befindet sich das ebenfalls 806 m hoch gelegene "Mückentürmchen" auf dem "Mückenberge" (Kneziste). Im Gegensatz zur Steinkuppe ist der Gipfel des Mückenberges nicht bewaldet. Da es früher ein zweisprachiges Gebiet war, sind die Ortsnamen sowohl in tschechisch als auch in deutsch geläufig. Das Mückentürmchen befindet sich zwischen Fojtovice / Voigtsdorf und dem Wallfahrtsort Krupka / Graupen. Der aus der Ferne kirchenähnliche Turm soll der letzte Rest eines Zinnbergwerkes sein. Die Glocke der Bergleute, welche seit 1554 im Turm ihren Dienst tat, wurde im ersten Weltkrieg vernichtet (eingeschmolzen).
In den letzten Jahrhunderten hat sich auf den weitläufigen, geraden Flächen unter dem Gipfel des Erzgebirgskammes vieles ereignet. Die ersten großen Schlachten Kaiser Heinrichs III. wurden um 1040 nach Christi geschlagen. Erinnert sei auch an den zweimaligen Durchzug der napoleonischen Truppen vor ca. 200 Jahren. Völkerschlachten zwischen Österreichern, Franzosen, Russen und Preußen fanden hier statt, und der Heerführer Napoleons, Vandamme, wurde 1813 am Fuße des Erzgebirges gefangengenommen. Noch heute erinnern Denkmäler von Russen, Preußen und Österreichern an diese Zeit. Die Kulmer Kapelle (Chlumec) ist der Schlacht von 1126 nach Christi gewidmet.
Das erste Ausflugsrestaurant (mittlerweile gibt es ringsum mehrere) wurde 1850-1860 von einem Einwohner aus Krupka (Graupen) gegründet. Seit 1952 fährt ein Sessellift von Krupka bis zum Gipfel.
Vom Gipfel bietet sich ein beeindruckender Blick auf das mehrere hundert Meter tiefer liegende Böhmische Becken, direkte Sicht auf die Kur- und Bäderstadt Teplice / Schönau mit dem Schloßberg (Zamek Teplice); im Hintergrund der kegelförmige Donnersberg / Milleschauer. Nach links bietet der Berg einen Blick auf die Stadt Usti, das Osterzgebirge und das Elbtal.
Apropos Donnersberg: Schauen Sie sich einmal die Bildkomposition von Caspar David Friedrichs "Der Wanderer über dem Nebelmeer" an. Dieses Bild ist eine "romantische Kollage" aus erzgebirgischen und böhmischen Landschaftsmotiven sowie Felsengruppen des Elbsandsteingebirges. Bisher gilt als erwiesen, daß der Vordergrundfelsen des Gemäldes am Aufstieg zur "Kaiserkrone" im Elbsandsteingebirge liegt. Bei der Betrachtung des Hintergrundes habe ich persönlich immer den Eindruck, C.D. Friedrich habe den Donnersberg / Milleschauer mit ins Bild eingefügt.
Wegen der hier aufeinandertreffenden Luftschichten mit unterschiedlichen Temperaturverhältnissen kommt es regelmäßig zu einem leichtem Nebel, der die Fernsicht auf ca. 10-40 km einschränkt. Gelegentlich gibt es auf tschechischer Seite auch "Eintrübungen", deren exakte Bezeichnung man besser den Umweltministern überlassen sollte, sofern man die seit 1945 etwas "heiklen" deutsch-tschechischen Beziehungen nicht weiter belasten möchte.
Einen Ausflug von Holzhau aus kann man planen als
- Radtour: Von Holzhau aus die Muldentalstraße bis Teichhaus, Neurehefeld, Rehefeld Donnerberg, im Rehefelder Tal rechts halten, weiter Richtung Zinnwald. In Zinnwald weiter Richtung Fojtovice.
- Ausflug mit dem Auto: Holzhau - Grenzübergang Altenberg, weiter nach Cinovec (tschechischer Teil von Zinnwald), im Kreisel links Richtung Fojtovice (aus Altenberg kommend), nach einigen hundert Metern rechts nach Fojtovice abbiegen.
- Wanderung (für erfahrene, trainierte Wanderer): Holzhau Eisenbahnerweg oder Muldenweg Richtung Neuhermsdorf, an der früheren Bahnbrücke / Teichhaus vorbei, weiter Richtung Neurehefeld / Rehefeld, wahlweise über Grenzübergang Moldava nach Nove Mesto, Kammweg nach Cinovec oder im Rehefelder Tal nach Zinnwald (Wanderübergang Zinnwald), danach weiter nach Fojtovice. Selbst für erfahrene Wanderer empfiehlt sich die Rückholung mit dem PKW / Kleinbus nach Holzhau. Als Alternative kommt auch eine Fahrt zum Mückentürmchen mit anschließener Rückwanderung nach Holzhau infrage. Diese Strecke ist aufgrund des bisher unerklärlichen Gefühls, daß es "abwärts" geht, angenehmer zu laufen.
Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 15.10.2007
Aktuell: 06.10.2011
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