Tschechische Gastwirte beklagen das Wegbleiben der deutschen Touristen
Tschechische Hoteliers und Gastwirte beklagen seit dem Frühjahr das Wegbleiben der deutschen Touristen. Es kämen kaum noch Deutsche in die Gaststätten und Hotels. Nach ihrer Meinung ist daran die überdurchschnittlich gestiegene Tschechische Krone schuld. Während man vor ca. 4 Jahren für einen Euro noch 33 Tschechische Kronen bekam, tauscht man momentan zu einem Kurs von etwa 1:24.
Auch das "Billigtanken" in Tschechien ist durch den Umrechnungskurs unattraktiv geworden. Grenznahe deutsche Tankstellen atmen auf, Warteschlangen an den tschechischen Tankstellen gehören der Vergangenheit an. Die Ersparnis beim Benzin deckt nicht einmal mehr den längeren Anfahrtsweg.
Der schlechte Umtauschkurs liegt natürlich für die tschechischen Gastwirte als Grund nahe. Sie haben offenbar keine Kenntnis davon, daß der deutsche Bürger zur Zeit hochgradig verunsichert ist, durch Rekord-Energiepreise belastet wird und daher in anderen Lebensbereichen sparsamer ist. Das Konsumklima sank auf den schlechtesten Wert seit fünf Jahren.
Die westeuropäischen Medien orientieren sich bei ihren Konjunkturanalysen hauptsächlich am Dollarkurs. Dieser fiel seit der Euroeinführung beachtlich. Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, wird der Dollar im Vergleich zum Euro bald nur noch die Hälfte seines Wertes vom 1.1.2002 besitzen. Man bewertet das in der allgemeinen Sichtweise als "Erstarken des Euro".
Bei dieser einseitigen Orientierung am Dollarkurs wird schnell vergessen, dass die osteuropäischen EU-Länder eine für uns beängstigende Wirtschaftsentwicklung vorweisen können. Rechnet man die Kursverhältnisse "Tschechische Kronen zu Euro zu Dollar" über die letzten Jahre nach, bekommt man schnell das Gefühl, daß die neuen EU-Länder die alteingesessenen Marktwirtschaften Westeuropas überflügeln. Das Wirtschaftswachstum beträgt in Tschechien rund 6%. Die Arbeitslosigkeit liegt durchschnittlich bei 5% - regional stark schwankend. In Prag beträgt sie nahezu 1,5%, in Nordböhmen bis zu 13%.
Verbunden sind diese Tendenzen mit einem allgemeinen Preis-, Lohn- und Wohlstandsanstieg in Tschechien. Es sind bereits Personen bekannt, welche von Berlin nach Prag zur Arbeit fahren, weil man dort in bestimmten Branchen mehr verdienen kann. Eine kleine Wohnung in Prag und die Benzinkosten fallen dabei ab. Vorbei sind also auch die Zeiten, wo man im grenznahen Raum vor einer Überflutung des Arbeitsmarktes durch tschechische Billigarbeitskräfte Angst hatte.
Man sieht: Die Belastung des deutschen Bürgers durch hohe Energiekosten und andere Preissteigerungen machen nicht nur der deutschen Tourismusbranche zu schaffen. Auch in unserem südlichen Nachbarland hat man bereits festgestellt, daß bei den Deutschen in diesem Jahr das Geld nicht ganz so locker sitzt...
Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 07.08.2008
Aktuell: 17.09.2008
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