Blick ins Geschichtsbuch: Vor 40 Jahren rollten sowjetische Panzer durch Holzhau
23 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, im August 1968, marschierten sowjetische Panzereinheiten durch Holzhau. Sie pausierten und formierten sich auf der Muldentalstraße, etwas unterhalb der Brücke zur Bergstraße am Hotel "Lindenhof". Obwohl ich damals noch nicht einmal drei Jahre alt war, kann ich mich bis heute an dieses obskure Szenarium erinnern. Viele Holzhauer Bürger waren gekommen, um die Panzer zu sehen. Als ich die Frage stellte, wohin die Panzer denn fahren würden, antworteten meine Eltern: "In die Tschechei". Aha. Meine kindliche Neugier war befriedigt.
Am nächsten Morgen waren die sowjetischen Panzer in Richtung Tschechoslowakei verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der private Reiseverkehr nach Tschechien ausgesetzt. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS erklärte am 21.8.1968, daß das tschechoslowakische Brudervolk um militärische Hilfe gebeten habe. Später erfuhr ich dann im Geschichtsunterricht der DDR, daß die sowjetischen Panzer einen "antikommunistischen Putschversuch" in der Tschechoslowakei niedergeschlagen hatten.
Das, was wir heute als "Prager Frühling" bezeichnen, war der Versuch von führenden Mitgliedern der Kommunistischen Partei Tschechiens, sich von der sowjetischen Bevormundung loszusagen. Schließlich war Tschechien kein Kriegsverlierer wie Deutschland, sondern wurde von Deutschland überfallen und annektiert. Für eine Besetzung durch sowjetische Truppen und eine politische Bevormundung aus Moskau gab es also keinen triftigen Grund.
Unter der Losung "Sozialismus Ja, Okkupation Nein" gingen die Menschen auf die Straße. Knapp 90% der Bevölkerung stellten sich bei einer Volksbefragung hinter die Ziele der Kommunisten, deren Bestreben es war, einen "Kommunismus mit menschlichem Antlitz" zu erschaffen.
Ausführliche Informationen finden Sie auf de.wikipedia.org unter dem Suchbegriff "Prager Frühling".
Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 20.08.2008
Aktuell: 29.09.2008
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