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Kein DSL: Wo stehen wir ? Ein Rückblick auf das Kommunikationsjahr 2008

Einige Unternehmer unseres Ortes warten schon seit 1999 auf einen DSL-Anschluß, aber seit fast zwei Jahren kämpfen die Bürger unserer Orte intensiv für eine Anbindung an schnelle DSL-Internetzugänge. Unterschriften wurden gesammelt, Landes- und Bundespolitiker eingeschaltet. Die Politik versprach vor über einem Jahr ein "Breitband - Modellprojekt für das obere Erzgebirge". Bei der letzten Kommunalwahl versicherte jeder Bürgermeisterkandidat, sich für die DSL-Anbindung unserer Ortsteile stark zu machen. Man könnte sich die Mühe machen, die Resultate dieser Versprechen zu suchen.

Natürlich ist die Erschließung des DSL-Festnetzes für die großen Telekommunikationsanbieter ziemlich teuer. Die Einwohner und Unternehmen liegen weit verstreut, besonders im Ortsteil Holzhau. Aber unsere tschechischen Nachbarn hat das auch nicht daran gehindert, bis in das letzte Grenzdorf Funk-DSL anzubieten. Es gab Verhandlungen mit den tschechischen Anbietern, die in einer Erweiterung ihres Netzes nach Sachsen hinein kein Problem sahen. Deutsche Bürokratie und Gesetze, wie zum Beispiel die umstrittene Vorratsdatenspeicherung, machten das Projekt für unsere tschechischen Nachbarn viel zu riskant. An der tschechisch-sächsischen Grenze macht das schnelle Internet einen großen Bogen, immer an der Staatsgrenze entlang.

Natürlich kann man sich über tschechische Bekannte eine Zugangskennung kaufen, sein Notebook ins Auto packen und dann im tschechischen  Funk-DSL surfen. Sind das wirklich akzeptable Arbeitsbedingungen ?

Die Holzhauer Unternehmer haben sich mit selbst finanzierten Insellösungen beholfen. Der eine hat seinen eigenen Spiegel, der andere hat für den Hotelhotspot eine Flatrate. Ein Teil der privaten Festnetzkunden mit Interesse am Internet ist zu Enviatel gewechselt. Nach aktuellem Kenntnisstand ist das seit Jahren der einzige Anbieter in der Region, welcher eine ISDN-Flatrate für das Internet anbietet.

Holzhau.de bündelt seit fast 10 Jahren mehrere ISDN-Leitungen. Erst vor ein paar Wochen habe ich weitere Leitungen in Auftrag gegeben, mit Vertragsbindung. Die Internet-Server, u.a. holzhau.de, wurden schon vor Jahren in ein externes Rechenzentrum verbracht und mit 100 MBit/s angebunden. Anders wäre der Ansturm auf unsere Webseiten, vor allem im Winter, nicht mehr zu bewältigen. Projekte wie unser Videoportal paranomia.de sind nach wie vor mit eigener Technik am Standort Holzhau unmöglich zu realisieren.

Auch hier hilft nur: Raus mit der Technik, rein in externe Rechenzentren. Mit dem Nachteil: Ist die Technik erst einmal aus dem Haus, sitzt man für Wartungsarbeiten an der Hardware stundenlang im Auto. Meist länger, als die eigentliche Wartung dauert. Das ist zwar eine sinnlose Umweltverschmutzung und Verschwendung von Arbeitszeit, aber "die da oben" wollen es offenbar so. Natürlich könnten die Server auch wieder in Holzhau stehen und man würde weniger im Auto sitzen. Aber ein Telekom - Mitarbeiter hat mir einmal gesagt, ich müsse meinen Firmensitz nur dahin verlagern, wo schnelles Internet möglich sei - Nach Tschechien etwa ? Das wäre für mich das Kürzeste...

Kurios ist ja, daß in zwei Hotels in Holzhau  schnelle Internetanbindungen vorhanden sind. Das ist allgemein bekannt. In einem begrenzten Radius um die Hotels hat man das Funknetz als "Drahtlosnetzwerk" auf dem Monitor. Leider standen diese Angebote bisher nur Tagungsteilnehmern mit Kreditkarte zur Verfügung. Die Downloadraten sind ein Vielfaches schneller als bei ISDN.  Mit anderen Worten: Es geht also... und das seit Jahren. Wenn man bereit ist, mehrere Euro pro Stunde zu zahlen ?

Vor den flächenmäßig weit verstreuten Holzhauern fürchten sich nicht nur die Großen der DSL-Festnetzsparte. Auch den kleinen, regional tätigen Anbietern liegt Holzhau schwer im Magen. Große Investitionen, wenig Privatkunden mit hohem Internetaufkommen, noch weniger Unternehmen. Und die sind oft an Vertragslaufzeiten mit ihren bisherigen Anbietern gebunden.

"Vor 2009 wird es nichts mit dem weiteren Ausbau des Festnetzes durch die Telekom", wurde bei der Bürgerversammlung in der Fischerbaude zur Kenntnis gegeben.

In drei Wochen ist das Jahr 2008 Geschichte. Telekom-Baumaßnahmen wurden kaum beobachtet. Schauen wir, was kommt, aber "nach 2008" kann auch "2015" bedeuten. Wer nicht so lange warten will, sollte unseren Artikel über das 2 bzw.4 Mbit schnelle "DSL aus der Antennensteckdose" lesen.

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 10.12.2008
Aktuell: 15.05.2012
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