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Warum die Übernachtungspreise trotz Mehrwertsteuersenkung nicht fallen werden

(Veröffentlicht am 15.01.2010 • Geschätzte Lesedauer: 4-10 Minuten)

In Zeiten der Wirtschaftskrise sucht die Regierung -immer unter dem Druck von Interessenverbänden- nach Möglichkeiten, einzelne Branchen entweder zu fördern oder vor dem endgültigen Aus zu bewahren. Die Vertreter der Tourismusbranche konnten sich durchsetzen und eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 7 Prozent für Übernachtungen durchsetzen. Die Neuregelung ist Teil des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes der Bundesregierung.

Selbstverständlich treten sofort Kritiker auf den Plan, die eine sofortige Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Touristen fordern. Zu diesen Forderern gehören u.a. der Sächsische Wirtschaftsminister und die Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig.

Die Verbraucherzentrale Sachsen bemängelt in ihrer Pressemeldung vom 11.1.2010, dass etwa 80% der Hotels die Preise von 2009 unverändert in das Jahr 2010 übernommen haben. Das klingt erst mal böse, ist bei anderer Betrachtungsweise jedoch durchaus positiv zu bewerten. Nur 20% der befragten Hotels haben zum Jahreswechsel an den Preisen gedreht. Bisher gab es zu Beginn eines jeden Jahres in vielen Tourismusunternehmen Preiserhöhungen. (Ich weiß wovon ich rede, denn ich pflege u.a. Webseiten von Hotels und Pensionen.)

Die Hoteliers kamen manchmal gar nicht hinterher, jede Strompreis-, Ölpreis-, Gaspreis-, Personalkosten-, Mehrwertsteuererhöhung und sonstige Preissteigerung in ihre aktuelle Kalkulation einzupflegen. Auch die Gemeinde Rechenberg, zu der Holzhau gehört, hat die Kurtaxe erhöht - und das wollen wir hier lieber nicht in Prozent umrechnen !

Selbst die Preiserhöhungen führten in der Vergangenheit immer wieder zu Kosten, weil jedes Jahr neue Kataloge, Prospekte und Preislisten gedruckt werden mußten.

Einige Hotels haben sich schon vor vielen Jahren Farblaserdrucker und separate PC-Arbeitsplätze angeschafft, weil es sich gar nicht mehr lohnt, größere Auflagen an Werbematerialien von externen Druckereien anfertigen zu lassen. Nach jedem Druck blieben tausende von Exemplaren liegen, weil die Preise nicht mehr aktuell waren. Andere Unternehmen trennen Hausprospekt und Preisliste, um wenigstens etwas flexibel zu sein.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Die realen Übernachtungspreise in Sachsen sind in den vergangenen Jahren bereits gefallen. In den Preislisten sieht man das kaum, aber immer mehr Hoteliers und Vermieter stellen fest, dass man mit den "Preisen laut Preisliste" kaum noch größere Verkaufszahlen erreichen kann. "7=6"  und "14=12" sind seit über einem Jahr das Verkaufsförderungsmodell. 7 Tage bleiben, 6 Tage bezahlen oder 14 Tage bleiben und 12 Tage bezahlen. Auf diese Weise lassen sich noch Umsätze erzielen, wenn das Umfeld stimmt und die Gäste auch wirklich 7 bzw. 14 Tage bleiben können.

Die Vermieter haben weniger Aufwand, wenn der Gast länger bleibt. Wäscherei, Zimmerservice und Endreinigung sind ein fester Kostenfaktor der Hotelkalkulation. Der Preisvorteil ist bei 7=6  und 14=12 für den Gast  schon im zweistelligen Prozentbereich. Kurzreisende werden von diesem Rabatt jedoch kaum profitieren. Hinzu kommt, dass die kurzfristigen  Buchungen direkt vor Reiseantritt massiv zugenommen haben. Lastminute-Rabatte von mehr als 30% sind keine Seltenheit.  

In Holzhau liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste bei etwa 3 Tagen. Daher greifen Verkaufsmodelle wie "7=6" hier kaum.

Die Hoteliers trauen der Mehrwertsteuersenkung noch nicht so recht über den Weg. Man fürchtet, dass sich der Staat das fehlende Geld an anderer Stelle wieder zurückholt und dann ein riesiges Loch in der Kalkulation entsteht. Würde der Staat mit der Schaffung und Erweiterung touristischer Infrastruktur aus Geldmangel aufhören müssen, wäre das ein tödlicher Bumerang für das Gastgewerbe. Was nutzt ein Skigebiet, wenn die Zufahrtsstraßen aus Kostengründen nicht mehr beräumt würden ?  

Abschließend gibt es noch ein weiteres, fast schon K.O.-Kriterium. Kein Hotelier spricht gern darüber, wir wollten bei unseren Fragen auch niemandem zu sehr auf den Zahn fühlen. Daher fragten wir im Statistischen Landesamt des Freistaates nach: Wie hat sich der Umsatz im Gastgewerbe in den letzten Jahren entwickelt ?

Die Zahlen aus dem Statistischen Landesamt lassen eine Preissenkung im Tourismusgewerbe zur Illusion werden. Innerhalb eines Jahres sanken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 25.2 % (März) bzw. 22.2 % (November). Die Wintermonate -in Holzhau ist da eigentlich Skisaison- brachten ein Minus von 11.2% (Januar) und 13.7% (Februar). Die Monate April bis Juli lagen bei einem Minus von 13-15%. Nur August und September 2009 brachten einstellige Minuswerte: 7.6% und 4.4%.

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes Sachsen beziehen sich auf die Differenz innerhalb eines Jahres. Bringt man nun noch andere Zahlen ins Spiel, fällt einem beim Rechnen fast der Stift aus der Hand. Nicht erst seit der Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19% im Jahre 2005 ist der Tourismus in Holzhau im Abwärtstrend.

2007 war in Holzhau ein Minus von 17,4% und 2008 ein Minus von 7.4% zu verkraften. Für 2009 haben wir noch keine exakte Zahl für Holzhau, aber man kann mit ruhigem Gewissen den sachsenweiten Jahresdurchschnitt von -11.2% ansetzen.

Im Vergleich: Pro 100 Euro Umsatz im Jahr 2006 wurden 2009 nur noch 68 Euro Umsatz im Gastgewerbe erwirtschaftet. Das entspricht einer Umsatzeinbuße von 32 Prozent in nur 3 Jahren. Dazu könnte sich doch ein Wirtschaftsminister zeitgleich äußern, wenn er Preissenkungen fordert.

Dem stehen Kostenexplosionen im Bereich der Energie (Gas, Strom, Öl), vor allem im Jahre 2008, gegenüber. Die Schere zwischen Umsatzeinbruch und Kostenexplosion geht bei vielen deutschen Hotels schon lange nicht mehr zu. Wer nähere Informationen dazu braucht, kann sich auf der Webseite insolvenzbekanntmachungen.de ausführlicher informieren.

Mit der Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent im "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" wird man das Wachstum der deutschen Gastgeber nicht beschleunigen, sondern lediglich -mit viel Glück- das Sterben verlangsamen. Das bedeutet jedoch auch, dass es "länger weh tun" wird.

"Wachstumsbeschleunigungsgesetz" ist im Zusammenhang mit dem oben aufgeführten Zahlenmaterial  das -mit Sicherheit- falsche Wort.

Am Ende kann nur der Verbraucher die Branche retten. Wenn er kein Geld für Übernachtungen mehr ausgeben kann, weil er es einfach nicht mehr im Geldbeutel hat, dann nutzt auch die Senkung der Umsatzsteuer nichts. Wo kein Umsatz ist, fällt auch keine Umsatzsteuer an - ganz gleich, wie hoch der Prozentsatz ist.

Übrigens: "Übernachtung mit Frühstück", auch ÜF genannt, war bisher eine Position auf der Hotelrechnung und wurde mit 19% Mehrwertsteuer berechnet. Nun müssen die 7% Mwst. für die Übernachtung und die 19% Mwst. für das Frühstück in der Buchhaltung der Hotels getrennt werden. Als erstes fielen für die Hoteliers Kosten für Softwareupdates in den Hotel- und Kassenprogrammen an...

 

 

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 15.01.2010
Aktuell: 15.04.2010
Seitenaufrufe: 6713
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