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Bahnstrecken-Stilllegung Mulda-Holzhau entpuppt sich als Zeitungs-Ente

(Veröffentlicht am 18.01.2013 • Geschätzte Lesedauer: 2-6 Minuten)

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Fährt in jedem Fall bis 2019: Freiberger Eisenbahn

Die Geschichte von der teilweisen Stilllegung der Eisenbahnstrecke Freiberg-Holzhau, genauer gesagt des Teilstückes von Mulda bis Holzhau, ist eine riesige Presse-Ente. Im letzten Sommer hatte die "Sächsische Zeitung" eine Landkarte von Sachsen veröffentlicht. Darauf waren Eisenbahnstrecken markiert, die in nächster Zeit angeblich stillgelegt werden sollen.

Vier Wochen später griff die "Freie Presse" dieses Thema auf und berichtete gleichlautend, Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) wolle die Bahnstrecke einstellen.

Die FDP-Ortsgruppe Rechenberg reagierte prompt und schrieb ihrem Parteifreund einen netten, höflichen Brief. Das Schreiben enthielt unter anderem eine Einladung zu einer Bahnfahrt durch das Tal der Freiberger Mulde. Der Minister reagierte jedoch nicht und ließ den Brief -bis heute- unbeantwortet.

Das sollte sich als großer Fehler erweisen. Morlok hat den sofort aufkommenden, erbitterten Widerstand der Erzgebirgler offenbar völlig außer Acht gelassen. So wurden Versammlungen organisiert, Podiumsdiskussionen fanden statt, Bundestagspolitiker mussten den Holzhauern Rede und Antwort stehen, Unterschriften wurden gesammelt.

Die Erzgebirgler verbrüderten sich mit "ihrer" Freiberger Eisenbahngesellschaft, um die für Tourismus und täglichen Arbeitsweg notwendige Lebensader zu retten. Vereine und Unternehmen schrieben Stellungnahmen und Einsprüche. Schon nach kurzer Zeit wurde die Zahl der Protest-Unterschriften vierstellig. Das ist eine, für unsere dünn besiedelte Region, recht hohe Zahl.

Es gab auch Entwürfe für Protestpostkarten zum Thema "Streckenstillegung", wie man sie schon von "Gegenwind" kannte. Mit diesen wollte man das Wirtschaftsministerium -bei Bedarf- auf dem Postwege mit Protesten überschütten.

Am 17.1.2013 fand im Gasthaus "Schweizerhof" eine weitere öffentliche Podiumsdiskussion statt.  Als Gäste waren die Mitglieder des Sächsischen Landtages Torsten Herbst und Benjamin Karabinski vor Ort. Herbst ist u.a. als verkehrspolitischer Sprecher der FDP aktiv. 

In seiner Ansprache stellte Torsten Herbst folgende Fakten heraus:

  • Für die Bahnstrecke Freiberg - Holzhau gibt es einen Vertrag bis 2019
  • Bestehende Verträge werden in jedem Fall eingehalten
  • Die Verkehrsverbünde haben in den letzten 2 Jahren weniger Geld erhalten
  • Die Verkehrsverbünde erhalten ab 2013 wieder mehr Geld
  • Die Zukunft der Bahnstrecke Freiberg - Holzhau hängt nach 2019 von den Faktoren "Bevölkerungsentwicklung" und "Fahrgastzahlen" ab
  • Der Wirtschaftsminister ist in seiner Funktion überhaupt nicht berechtigt, Bahnstrecken stillzulegen
  • Bahnstrecken dürfen nur von den Verkehrsverbünden stillgelegt werden (VMS). 
  • Die Verkehrsverbünde erhalten von der Bundes- und Landesregierung Zuschüsse, derzeit etwa rund 500 Mio Euro / Jahr. 
  • Die Landesregierung hat keinen Einfluß auf Ticketpreise, Tarifzonen und die Verwendung der Zuschüsse (Tarifautonomie)
  • Die veröffentlichten Pressemeldungen sind falsch
  • Die veröffentliche Karte mit "stillzulegenden Bahnstrecken" ist lediglich eine Studie über die Fahrgastzahlen auf sächsischen Bahnverbindungen. Dabei fällt Mulda-Holzhau in die Kategorie "schlechteste Auslastung".

Herbst beendete seine Rede mit einer Bitte an die Anwesenden: "Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht. Eine Zeitung hat kein Interesse daran, objektiv über die Wahrheit zu berichten. Eine Zeitung hat nur ein Interesse: Sich zu verkaufen. Um das zu erreichen, fallen die Schlagzeilen auch mal etwas reißerischer aus."

Was bleibt, ist eine harsche Kritik am sächsischen Wirtschaftsminister Sven Morlok. Nach den Pressemeldungen vom letzten Sommer in zwei großen sächsischen Zeitungen, spätestens jedoch nach dem an ihn gerichteten Brief der FDP-Ortsgruppe Rechenberg, hätte der Minister deeskalierend und erklärend eingreifen müssen. Er hätte den Bürgern die Fakten schildern müssen, so wie es Torsten Herbst nun (stellvertretend) getan hat. Morlok hat der FDP großen Schaden zugefügt, indem er das Schreiben seiner Parteifreunde ignoriert hat, die Bevölkerung nicht korrekt informierte und den Namen seiner Partei direkt vor den Wahlen mit Bahnstreckenschließungen in Verbindung gebracht hat. Die FDP-Ortsgruppe Rechenberg musste sich -stellvertretend für den Minister- aus der Bevölkerung mit "Schmutz" bewerfen lassen.

Die Holzhau.de-Redaktion schlägt die "Sächsische Zeitung" und die "Freie Presse" erneut als Gewinner der "Presse-Ente des Jahres" vor.

 


Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 18.01.2013
Aktuell: 08.05.2013
Seitenaufrufe: 5204
Ähnliche Themen: Morlok Freiberger Eisenbahn Herbst Fdp
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