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70 Jahre später - Holzhau am Tag der Befreiung - 8.5.1945 (Chronik)

(Veröffentlicht am 08.05.2015 • Geschätzte Lesedauer: 3-9 Minuten)

70 Jahre später - Holzhau am Tag der Befreiung - 8.5.1945 (Chronik) holzhau 1945 tag befreiung Alte Ansichtskarte - Fischerbaude - Holzhau - Torfhaus - Battleck Motzdorf
Alte Ansichtskarte - Fischerbaude - Holzhau - Torfhaus - Battleck Motzdorf

Liebe Leser, heute vor 70 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende. Wie es am 8.5.1945 in Holzhau aussah und welche Zustände zu jener Zeit herrschten, kann man von vielen älteren Einwohnern immer noch so lebendig erzählt bekommen, als sei es erst gestern gewesen. Auch wenn vieles in der Erinnerung der Menschen verblaßt und anderes übertrieben unvergesslich wurde, kann man sich von Holzhau im Jahre 1945 ein lebendiges, aber grausames Bild machen:

Im April wurden KZ-Häftlinge durch das Dorf getrieben. Sie waren auf einem Marsch in Richtung Theresienstadt. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt noch rund 70 Kilometer Fussweg vor sich und mussten zu ihrer eigenen Vernichtung marschieren. Der Anblick der Häftlinge ist für die Holzhauer in schrecklicher Erinnerung geblieben - viele Ältere  berichten noch heute davon und können die Bilder nicht vergessen. Die Holzhauer waren bis 1945 weitgehend von den Kriegsereignissen verschont geblieben.

Vom Angriff der amerikanischen Tiefflieger auf einen durch Holzhau fahrenden Munitionstransport auf der Bahnstrecke Nossen-Freiberg-Moldava-Brüx, der ebenfalls im April 1945 statt fand, waren mehrere Grundstücke verwüstet und die Häuser zerstört. Offenbar wurde der Munitionstransport zufällig entdeckt. Augenzeugen berichteten, dass die Piloten das Tal falsch anflogen und große Probleme hatten, nicht gegen den "N-Berg" zu stoßen. Glücklicherweise richtete sich der Angriff nur gegen die Lokomotiven. Wäre der Munitionszug direkt getroffen worden, hätte es in Holzhau wesentlich größere Verwüstungen gegeben. Einige Holzhauer beobachteten den Angriff, während sie auf den Feldern arbeiteten. Sie berichten von riesigen Dampffontänen, nachdem die Lokomotiven getroffen waren. Ob die Lokführer überlebt haben und wieviele Tote es insgesamt gab, ist nicht übermittelt. Die Bauernhäuser, welche bei diesem Angriff "unbeabsichtigt" zerstört wurden, bezeichnet man heute -in der modernen Kriegsführung- als "Kollateralschaden". 

Ein Flüchtlingsstrom aus dem Sudetenland zog durch Holzhau. In den Gasthäusern lebten seit Monaten Evakuierte und Bombenopfer aus den Großstädten. Die Lebensmittel waren schon vor dem Kriegsende rationiert worden.

Die Jugend unseres Dorfes war zum "Volkssturm" herangezogen worden. Beispielsweise dienten sie als Flak-Helfer in den "Reichswerken Hermann Göring Brüx", dem heutigen Most. 

Kurz vor Kriegsende sollten alle Brücken über die Freiberger Mulde gesprengt werden. Teilweise konnte das von Einheimischen verhindert werden. Es hätte auch wenig Sinn gehabt, denn das drei bis fünf Meter breite, nur wenige Zentimeter tiefe Gewässer stellte nicht wirklich ein Hindernis dar.

Einige Tage vor den sowjetischen Truppen sollen amerikanische Soldaten in der Gegend gewesen sein. Sie sammelten jedoch nur hochwertige Waffen ein, zeigten Interesse an modernen technischen Geräten, nahmen einige mit und fuhren danach wieder weg.  

Die Sowjetarmee kam um den 10. Mai herum in Holzhau an. Die Befreier plünderten, durchsuchten Häuser, vergewaltigten (mindestens) 4 Mädchen im schulpflichtigen Alter. Vor allem Pferde, Sättel, Zaumzeug, Motorräder, Fahrräder, Lebensmittel und Autos wurden beschlagnahmt. Auch die Erlebnisse beim Eintreffen der "Russen" in Holzhau sind bei den Älteren sehr lebendig in Erinnerung geblieben.

Zeitzeugen berichten noch heute amüsiert über das Verhalten einiger  sowjetischer Soldaten, welche offenbar völlig weltfremd waren und im kleinen Dörfchen Holzhau Dinge vorfanden, die sie vorher nie gesehen oder besessen hatten. Möglicherweise waren sie aber auch von den Kriegserlebnissen so sehr traumatisiert, dass sie sich völlig atypisch verhielten. 

In Holzhau war  damals ein Vielfaches der Bevölkerung untergebracht, was durch Kinderlandverschickung, Flüchtlinge, "Ausgebombte", Kriegsverletzte und sowjetische Truppen bedingt war. Von rund 1000 Menschen ist die Rede. Es waren drastische Maßnahmen notwendig, um die Lage zu stabilisieren. Beispielsweise wurde "sinnloses Herumstehen auf den Straßen" verboten. Für Plünderungen wurden hohe Strafen verhängt. 

Um die Dorfgemeinschaft aufzumuntern, wurde von den im Ort lebenden Menschen eine Theater-Laienspielgruppe gegründet. 

Bürgermeister war zu jener Zeit Kurt Schwalbe. Er blieb vorübergehend im Amt. Der nächste (kommissarische) Bürgermeister nach Kriegsende war Herr Aehnelt.

Weitgehend ungeklärt sind die Verbrechen einiger unbelehrbarer Altnazis, welche -teilweise mit sowjetischen Uniformen getarnt- Angst und Schrecken über die Bevölkerung brachten. So sind die genauen Umstände der "Bindeg bzw. Pintek-Affäre" immer noch ein großes Fragezeichen in den Köpfen der Holzhauer. Der SS-Angehörige Bindeg (mit polnisch-russischen Sprachkenntnissen) hatte nach Kriegsende mehrere Einwohner denunziert, ein angebliches Waffenlager in einem Loch am Entenstein an die sowjetischen Besatzer verraten und sich sogar als Ortskommandant ausgegeben. Pintek war vorher beim Griff in die Ladenkasse der Bäckerei Glaß (Heute Tannenweg 2) erwischt worden und gestand seine Tat "unter Ohrfeigen im Rathaus". Bindek soll gemeinsam mit sowjetischen Soldaten wahllos Verhaftungen veranlasst haben, junge und alte Männer, die er als "Wehrwolf-Widerständler" zu erkennen glaubte.

In Holzhau wurde 1945, unter Mitwirkung von Willy Weller, eine Ortsgruppe der KPD gegründet. (Nach ihm wurde Willy´s Scheune benannt, denn das war sein Bauernhof). Weller beendete die Bindeg-Affäre, indem er mutig sein KPD-Parteibuch nahm und die sowjetischen Besatzer in Dippoldiswalde darüber informierte, was Bindeg in Holzhau trieb.

Die Ereignisse störten den neuen Frieden, denn durch Bindegs Treiben wurde das Ansehen der sowjetischen Truppen schwer geschädigt. Alle Überlebenden der "Pintek-Affäre" wurden gezwungen, nie wieder über diese Erlebnisse zu sprechen. Der Rest wurde mit Zweckpropaganda korrigiert. Teile der Chronik, auch aus den Nachbarorten, sind daher als "gefälscht" zu betrachten. Die "Zusammenarbeit" eines früheren SS-Mannes mit der Sowjetarmee, noch dazu beim Terror gegen Zivilisten nach Kriegsende, passte nicht ins Weltbild der späteren DDR.

Die Öffnung der Akten aus dieser Zeit würde sicher mehr Licht in die verworrenen Ereignisse bringen.

Die Grenze zu Böhmen wurde festgelegt und danach geschlossen. Die Nachbardörfer Grünwald, Ullersdorf und Motzdorf hinter dem "Battleck" wurden entvölkert und dem Erdboden nahezu gleichgemacht.

In Holzhau begann der schwere Neuaufbau....

 


 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 08.05.2015
Aktuell: 01.07.2015
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