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70 Jahre später - Am 15.7.1945 wurde Franz Schindler in Holzhau ermordet

70 Jahre später - Am 15.7.1945 wurde Franz Schindler in Holzhau ermordet heimatgeschichte holzhau moldava motzdorf grünwald Produktion von
Produktion von "Das Kreuz im Walde" für holzhau.de / paranomia.de (Kamera/Schnitt: Tino Bellmann)

"Das Kreuz im Walde" - Mit diesem nahezu produktionsreifen Konzept wandte sich Volker Geyer an holzhau.de. Er plante, die persönlichen Erlebnisse einer früher in Holzhau lebenden Bürgerin für die Nachwelt aufzubewahren. Völlig wertungsfrei wollte er das, was man ihm vor Jahren berichtet hatte, schriftlich und auch vor laufender Kamera wiedergeben.

Volker Geyer schreibt dazu: "Das Kreuz im Bergwald"

Nur wenige Meter abseits der viel begangenen Waldstraße zwischen Oberholzhau und dem sächsisch-böhmischen Grenzübergang "Battleck" befindet sich, für den Wanderer verborgen im dichten Gehölz, eine kleine Gedenkstätte in Form eines Grabes mit einem eichenen Holzkreuz mit der Inschrift: "Franz Schindler * 12.8.1883 + 15.7.1945" . Am Fuße des Kreuzes befindet sich eine später dort abgelegte kleine Marmortafel mit gleich lautender Inschrift.

Was hat es damit auf sich, was geschah hier vor 70 Jahren so kurz nach Kriegsende?

Hier gebe ich wieder was mir dazu Frau Martha ("Martl") Klaußnitzer, geb. Schindler, in den 1990-er Jahren berichtete:

Der schöne Morgen am 15. Juli 1945 versprach "Heuwetter". Der im Grenzdorf Motzdorf in Böhmen ansässige Bauer Franz Schindler spannte die zwei Pferde vor den Wagen, auf den man vorher die Haumaschine bugsiert hatte. Es ging hinaus in Richtung "Battleck", wo das Grünland zur Heumahd anstand. Tochter Martl war mit dabei, um "Vadder bei dr Arbet zer Hand ze gieh". Plötzlich erschienen zwei bewaffnete Männer - einer in der Uniform der sowjetischen Streitkräfte, der andere in Zivil mit einer roten Armbinde, dem Erkennungsmerkmal der tschechischen Partisaneneinheiten, die unmittelbar zum Kriegsende mit den sowjetischen Besatzern aufschlugen und die Macht übernahmen.

Der Bauer wurde befragt, ob er Schindler heiße, was bejaht wurde. Ihm wurde befohlen, die Pferde umzuspannen und mit dem Wagen über die Grenze auf deutsches Gebiet zu fahren. Die beiden Männer sprangen hinten auf den Wagen. Martl eilte, nichts Gutes ahnend, nach Hause. Im Walde zwischen Battleck und Oberholzhau fiel ein Schuss. Kurz darauf erschienen die beiden Männer in der "Fischerbaude" und befahlen dem Wirt Edwin Fischer, die Waldstraße in Richtung Böhmen zu gehen und sich um eine am Weg liegende Leiche zu kümmern. Edwin Fischer erkannte den Leichnam: es war Franz Schindler aus Motzdorf - von hinten erschossen. Durch den Schuss scheuten offenbar die Tiere und schlugen nach hinten aus, so dass der durch die Erschießung vornüber fallende Kutscher im Gesicht noch von einem Hufeisen getroffen wurde, dessen Abdruck deutlich erkennbar war. Das Gespann wurde führerlos in Rechenberg-Bienenmühle gestellt.

Edwin Fischer begrub den Leichnam provisorisch so gut es im steinigen Granitporphyr-Boden ging und sorgte für die Benachrichtigung der Familie Schindler, die dann in der darauffolgenden Nacht in einer heimlichen und nicht ungefährlichen "Nacht-und-Nebelaktion" ihren toten Vater nach dem Friedhof in Fleyh umbetteten, wo er dann bis zur Eliminierung des Kirchdorfes, samt der umliegenden Orte des zugehörigen Kirchspiels in den 1950-er Jahren, seine Ruhe fand.

Nach der Bluttat erfuhr die Familie Schindler, was dazu führte:

Eine Frau aus dem Dorfe, man nannte sie wegen der von ihr ständig getragenen Trauerbekleidung die "schwarze Frau", hatte im Krieg ihren einzigen Sohn verloren. Sie erkrankte offenbar psychisch und ihr rationales Denk- und Urteilsvermögen war nicht mehr gegeben. Sie konnte nicht verarbeiten, warum ausgerechnet ihr Sohn nicht heim kehrte. Schindler`s hingegen hatten Kunde, dass ihr Sohn lebte und sich in Kriegsgefangenschaft befand. Das sprach sich im Dorf herum. Die Frau wollte in ihrem Wahn, dass, wenn ihr Sohn nicht wieder kommt, auch andere Söhne nicht heimkehren. Sie denunzierte Schindler`s Sohn - er habe etwas Schlimmes gegen die neuen Machthaber getan. Dies genügte denen, ohne näher zu recherchieren, um wie oben geschildert, "Recht" zu sprechen. Nur - Schindler`s Sohn konnte die unterstellte und frei erfundene Übeltat überhaupt nicht begangen haben, denn er befand sich zu der Zeit noch in Kriegsgefangenschaft. Das spielte aber keine Rolle - der Name "Schindler" stimmte jedenfalls und Vater Schindler, ein völlig arg- und schuldloser Mensch wurde kurzerhand hingerichtet.

Als nun der Sohn, entsprechend gezeichnet, aus der Kriegsgefangenschaft nichts ahnend nach Hause kam, griff man erneut zu, denn diesmal hatte man ja schließlich den "Richtigen". Dass die "Anschuldigungen" nicht schlüssig waren, wurde erneut nicht geprüft und man verschleppte ihn in ein Straflager nach Dux, wo er unter unvorstellbaren Zuständen mit anderen Leidensgenossen unter Tage arbeiten und leben musste, bis die Kräfte versagten und man ihn laufen ließ. Zu Hause wurde er gesund gepflegt, so gut es eben ging.

Soweit der Erlebnisbericht von Martl. Im Zuge der ethnischen Säuberung musste auch sie ihr Heimatdorf velassen. Sie fand eine neue Heimat - quasi als "Exulant" - im benachbarten Holzhau in Sachsen. Sie heiratete den Waldarbeiter Franz Klausnitzer, der ebenfalls aus dem sogenannten Sudetenland, aus Grünwald, stammte. Man baute sich eine neue bescheidene Existenz auf und lebte in einfachen Verhältnissen von der Hände Arbeit.

Die Stelle im Walde aber, wo Vater Schindler seine erste Bestattung gefunden hatte, wird von Martl und ihrer Familie bis zum heutigen Tag als kleines Grabmal gepflegt. Es führt kein Pfad dahin. Nur wenige, wie die Waldarbeiter, kennen den Ort, den sie anständigerweise diskret bewahren und wo sie darauf achten, dass bei Forstarbeiten die Stelle so erhalten bleibt - eine Stelle, wo man still wird, über Gott und die Welt nachdenken mag, wo im Frühjahr das Rotkehlchen seine Lieder singt und im Herbst der Brunftschrei der Hirsche erklingt oder wenn nur noch der obere Teil der Kreuzes den Schnee überragt und die Natur im Winterschlaf versinkt.

Immer, wenn ich Klaußnitzers besuchte, oder auch wenn man sich im Dorfe traf, wurde gern mal ein Schwatz gemacht, oft ging es um "früher", wobei allerdings bis 1989 die unmittelbare Nachkriegszeit offensichtlich aus Angst vor Repressalien ausgespart wurde. Martel war eine kleine, eher zierliche Frau. Sie war von Leben und Schicksal gezeichnet und dennoch - ihr bewundernswerter Lebensmut. Als sie mir die Geschichte um das Schicksal ihres Vaters berichtete, war kein Hauch von Schuldzuweisung und Hass zu spüren. Was doch für eine charakterstarke und liebenswerte Frau mein Leben hier kreuzte, dachte ich mir; nur eine Träne hatte sie auf ihrer Wange.

Volker Geyer

 

Hinweis: Sämtlicher in kursiv abgebildeter Text (c) Volker Geyer.

Den Link zum Video finden Sie unter diesem Artikel. 


Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 02.07.2015
Aktuell: 20.06.2017
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