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NDR: Nur im Erzgebirge verdient man noch weniger als in Mecklenburg-Vorpommern

NDR: Nur im Erzgebirge verdient man noch weniger als in Mecklenburg-Vorpommern erzgebirge holzhau einkommen Das Erzgebirge als Armenhaus Deutschlands
Das Erzgebirge als Armenhaus Deutschlands

Das Erzgebirge ist das "Armenhaus Deutschlands". Eine Region, die auch heute noch begeistert vom Silberbergbau schwärmt und etwas weniger euphorisch in Erinnerungen an den Uranbergbau schwelgt, wurde zur einkommensschwächsten Gegend der gesamten Bundesrepublik erklärt. Das berichtet der NDR. Der MDR und andere Medien haben das aktuelle Thema ebenfalls aufgegriffen.

Die Linken hatten eine Anfrage an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gestellt. Sie wollten wissen, in welchen Kreisen und kreisfreien Städten die höchsten und die niedrigsten Einkommen erzielt werden. 

"...im sächsischen Erzgebirgskreis verdienen die Menschen im Mittel ... 2.036 Euro pro Monat..." 

Es sind Bruttolöhne, von denen hier gesprochen wird. Nach dem Abzug von Krankenkassenbeiträgen, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Pflegeversicherung usw. bleibt den Arbeitnehmern meist nur die reichliche Hälfte zum Leben.

Doch damit ist es mit den Steuern, Abgaben und Mehraufwendungen nicht genug. Das Leben auf dem Lande wird durch die immer schwächer werdende Infrastruktur von Jahr zu Jahr teurer. Schulschließungen führten zu längeren Schulwegen und höheren Schülerbeförderungskosten. Die Kosten für die Kinderbetreuung steigen schneller als das staatliche Kindergeld.

Weite Wege zu Ärzten, Apotheken, Einkaufszentren oder kulturellen Einrichtungen machen das Leben im Gebirge nicht unbedingt attraktiv.

Poststellen wurden geschlossen. Wer in Holzhau lebt und ein Paket versenden will, muss 10 Kilometer mit dem Auto zurücklegen. Wenn man im Ortsteil Teichhaus wohnt, sind es sogar fast 16. "Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Tank schütten". Das bedeutet: Wer beim Einkaufen etwas vergisst, muss noch einmal 10 Kilometer fahren. Mindestens. 

Wenn unsere Senioren an ihre Rente wollen, müssen sie die gleiche Strecke zurücklegen. Streikt der Geldautomat, fährt man auch gern zwei mal. 

Wer sein Kind in den Kindergarten bringen und wieder holen will, fährt pro Tag bis zu 30 Kilometer. 

Vom DSL-Festnetzanschluss wollen wir gar nicht erst anfangen. Die Holzhau.de - Redaktion wartet mittlerweile länger auf DSL als zu DDR-Zeiten auf einen Trabi.

Viele Arbeitnehmer legen auf dem Weg zur Arbeit Fahrtstrecken von 50 oder 100 Kilometer zurück. Auf schmalen, kurvigen, verschneiten, glatten, schlecht beleuchteten, kaum markierten  Straßen ohne Randstreifen. Der Erzgebirger nimmt allerhand auf sich, um sein täglich Brot zu verdienen.

So kurz vor der Bundestagswahl ist die Veröffentlichung des Bundesministeriums natürlich sozialer Sprengstoff. Zugegeben, das Erzgebirge war schon immer eine arme Region. Vom Silberreichtum ist den Bergleuten nichts geblieben. Was in Dresden als "Weltkulturerbe" gefeiert wird, ist mit dem Schweiß und der Armut der erzgebirgischen Bergleute bezahlt worden. Und da spielt es auch keine Rolle, ob Dresden den Weltkulturerbetitel noch besitzt oder nicht.

Vom Uranbergbau sind im Erzgebirge nur noch Halden und teilweise schwer kranke Menschen zurückgeblieben. Die Erlöse wurden größtenteils mit jenen Schäden verrechnet, die (ganz) Deutschland von 1941 bis 1945 in der damaligen Sowjetunion angerichtet hat. Sowjetische Atomkraftwerke und Atomwaffen wären ohne erzgebirgisches Uranerz vielleicht gar nicht möglich gewesen. Die Menschen des Erzgebirges haben auch Jahrzehnte nach dem Krieg für die irrsinnige Politik der Nazizeit bezahlen müssen, in manchen Fällen sogar mit ihrem Leben.

Schaut man sich die Biografien der Erzgebirger an, stellt man fest: Erfolgreich konnte man vor 100 Jahren nur sein, wenn man breit aufgestellt war und sich bei vielen Dingen selbst helfen konnte. Die meisten Menschen gingen mehreren Gewerken nach. Wer etwas besser gestellt war und eine Gaststätte bewirtschaftete, konnte davon trotzdem nicht leben. So betrieb man nebenbei Landwirtschaft, vermietete Zimmer an Sommerfrischler, verdingte sich als Schuster und arbeitete als Lebensmittelhändler - und das alles in einer Person.

Von der Armut der erzgebirgischen Menschen zeugen auch viele Exponate im Erzgebirgischen Spielzeugmuseum Seiffen. Dort findet man nicht nur Fotos von Familien, die in den Wohnungen ihrer kleinen Häuser drechseln und Spielzeug produzieren, sondern auch Bilder von Familien, die zu fünft oder sechst in einem Bett schlafen mussten. Kinderarbeit war die Regel. Auf alten Belegen kann man lesen, wie viel Geld man für die Herstellung von Holzwaren erhielt und was zur selben Zeit ein Laib Brot kostete.

Dass es bis vor wenigen Jahrzehnten eine Zeit gab, in welcher die Ferieneinrichtungen fast durchgehend belegt, die Dörfer mit kleinen Industriebetrieben und Einkaufsmöglichkeiten, Kulturhäusern, Polikliniken und Schulen ausgestattet waren, wollen wir nur kurz erwähnen. Allzu schnell gerät man in das Fadenkreuz jener, welche behaupten, man wünsche sich die DDR zurück. Dieser Eindruck soll keinesfalls entstehen. Was nutzt den Menschen ein stabiles Einkommen, wenn man in den Ladenregalen -übertrieben gesagt- nur Weißkraut, Wodka und Rhabarbersüßmost findet und dann noch nicht einmal laut sagen darf, dass einem das nicht passt?

Doch zurück zur "Einkommensschere" in Deutschland, welche laut MDR "weit auseinander" geht. Schaut man sich die Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales genau an, stellt man fest, dass in diese Erhebung nur die "Vollzeitkräfte" eingeflossen sind. Teilzeitkräfte und Minijobber, die den Durchschnitt weiter drücken könnten, wurden außen vor gelassen. Hinzu kommt, dass die Löhne und Gehälter des Öffentlichen Dienstes, der Banken und Versicherungen, des Baugewerbes und der KFZ-Industrie das Durchschnittseinkommen nach oben treiben.

Von den 4 Landkreisen mit den niedrigsten Einkommen gehören 3 zu Sachsen. Der Elbe-Elster-Kreis und der Kreis Görlitz folgen dem Erzgebirgskreis mit einem 14 bzw. 32 Euro höheren Jahreseinkommen ihrer Einwohner. Zwischen Platz 1 und Platz 4 der einkommensschwächsten Kreise liegen also monatliche Einkommensunterschiede von etwa 2,65 Euro. Brutto.

Holzhau liegt zwar nicht im Erzgebirgskreis und möglicherweise pusht die Industrie des neu gegründeten Landkreises Mittelsachsen das Durchschnittseinkommen der wenigen Erzgebirger nach oben. Der Landkreis reicht schließlich bis nach Leisnig.

Für Holzhau genügt es, wenn 300 Einwohner der Kreisstadt Freiberg ein hohes Einkommen haben. Dann geht es den knapp 300 Holzhauern richtig gut. Rein statistisch zumindest.

 

(Links am Ende des Artikels)

Nachtrag: In den ersten Reaktionen auf unseren Artikel berichten mehrere Erzgebirger, dass sie trotz Vollbeschäftigung vom "Durchschnitt" noch sehr weit entfernt sind. 

Ironischer Kommentar per Whatsapp: "Wenn wir Erzgebirger nicht so faul wären, könnten wir mit täglich 11 Stunden Arbeit und Mindestlohn schon fast zum Durchschnitt gehören."

Kommentar per Mail: "Ja, das waren noch goldene Zeiten, als sich Sachsens Monarchen mit dem ZEHNTEN (Teil des Einkommens) zufrieden gaben..."

"Vor Altersarmut muss man sich nicht fürchten, wenn man schon im Arbeitsleben zur Unterschicht gehört. Es kann nur schlimmer werden."


 

 

 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 09.01.2017
Aktuell: 11.01.2017
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