hotel online buchen
www.holzhau.de: Das Onlinemagazin für Einwohner und Touristen am 25.11.2017
Kontakt | Buchungsanfrage | Gästebuch
Echt Erzgebirge

Wetterstation Holzhau 630m üNN

1.8°C

Niederschlag: 0.00 l/m²
Luftdruck: 1006.30 hPa
Rel. Luftfeuchte: 95.00 %

23.11.2017 | 09:00 Uhr


Sponsor: BCS Computersysteme

www.wetterstation-holzhau.de

Hotels | Pensionen | Ferienwohnungen | Ferienhäuser | Freizeitangebote | Unternehmen | Veranstaltungen | Angebote
WebCam Holzhau | Panorama | Skilift WebCam | WebCam Oberholzhau | Wettergrafik | Wetterdaten | Fahrplan

Auftrag vergeben: Gemeinderat hat Abriss der ehemaligen "Zeising"-Fabik beschlossen

Auftrag vergeben: Gemeinderat hat Abriss der ehemaligen
Die Reste eines traditionsreichen Möbelherstellers - Möbelwerk Paul Zeising

In seiner Sitzung am 20.Juni 2017 hat der Gemeinderat endgültig über den Abriss des ehemaligen "Bereich 2" des "VEB Möbelwerke Hainichen, Betrieb Rechenberg-Bienenmühle", Einheimischen besser als "Zeising-Fabrik" bekannt, entschieden. Damit ist nicht nur geklärt, ob der Schandfleck am "Zeising-Berg" endlich abgerissen wird. Auch die Auftragsvergabe und die Finanzierung sind beschlossene Sache.

Der angesehene private Möbelbaubetrieb "Zeising" wurde zu DDR-Zeiten enteignet, verstaatlicht und als "Bereich 2" an das Möbelwerk Bienenmühle angegliedert. Der "Bereich 1" entstand durch Enteignung des ehemaligen "Biermann-Besitzes". Weiterhin wurde das Möbelwerk Holzhau -ehemals "Richter" bzw. "Dreh-Richter" als "Bereich 3" hinzugefügt. Im Laufe der Jahrzehnte wurden noch mehr Betriebe anschlossen und später wieder anders zugeordnet: Die Möbelfabrik in Olbernhau, ein als Lager genutztes Gebäude in Nassau, "Musterbau" und "O.R.T." in Bienenmühle sowie 2 Werke in Langenau waren zeitweise Teil des staatlichen Unternehmenskonstrukts.

Im Zuge der voranschreitenden Kombinatsbildung gehörten die Möbelwerke in Bienenmühle bald zum Möbelkombinat Dresden-Hellerau. Der direkt übergeordnete Betrieb war der VEB Möbelwerke Hainichen.

Mit der Deutschen Einheit wurden sämtliche Werke in unserem Ort reprivatisiert. Bis auf den ehemaligen "Bereich 1", welcher heute als "Bienenmühle Möbel" auf dem Markt aktiv ist, nahm keines der reprivatisierten Unternehmen jemals wieder eine Produktion auf. Das lag hauptsächlich daran, dass die früheren Eigentümer bzw. deren Nachfahren nur abgewirtschaftete Ruinen ohne verwertbaren Maschinenbestand und ohne eigene Produktlinien zurück erhielten. 

Die maschinelle Vorfertigung erfolgte zu DDR-Zeiten im "Bereich 1", so dass die anderen Bereiche nur die Endfertigung, die Verpackung bzw. den Versand erledigten. Fachleute, die komplexe Maschinen bedienen konnten, waren fast ausschließlich im "Bereich 1" tätig. Diese Abhängigkeiten führten nach 1990 ebenfalls dazu, dass die Aufnahme einer eigenständigen Produktion nahezu aussichtslos war.

Zeitgleich verlagerte sich die Möbelproduktion aus dem ehemaligen Billiglohnland DDR in weiter östlich gelegene Staaten wie Polen oder Rumänien, ohne dass es dagegen von Seiten der Politik Widerstand gegeben hätte. Der massive Niedergang des erzgebirgischen Holzverarbeitungsgewerbes wurde politisch kaum wahrgenommen oder gar öffentlich diskutiert. Der deutsche Möbelbau hat in der Politik so gut wie keine Lobby und findet auch in den Medien kaum Beachtung.

Nachdem bis 1990 rund 300 Mitarbeiter zum Unternehmen gehörten, sind es seitdem nur noch ein paar wenige Handvoll Mitarbeiter, die in Bienenmühle aktiv in der Möbelfertigung beschäftigt sind. (In dieser Rechnung sind die rund 100 ehemaligen Stuhlbauer unseres Ortes, die zur "Vereinigten Sitzmöbelindustrie" gehörten, noch gar nicht berücksichtigt.) 

Das führte zur Abwanderung von ausgebildeten, erfahrenen Fachleuten bzw. zu deren beruflichen Umorientierung. Unter dieser Fehlentwicklung leiden die heute verbliebenen holzverarbeitenden Betriebe seit einigen Jahren ganz massiv. 

Die reprivatisierten Immobilien verfielen im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weiter. Der privat finanzierte Abriss wurde mit jedem Jahr unbezahlbarer.

Für eine sich mühsam nach vorn kämpfende Tourismusregion sind Schrottimmobilien Gift. Lange Jahre hat man die Gefahr, welche von den verfallenen Gebäuden für die weitere Ortsentwicklung ausging, unterschätzt.  Aus diesem Grund ist es höchst lobens- und unterstützenswert, wenn der Gemeinderat endlich (!!!) eine Schrottimmobilie nach der anderen verschwinden lässt.

Ob für diese Entwicklung erst mal ein Bürgermeisterwechsel notwendig war, kann man von unserer Seite aus schlecht beurteilen. Rückwirkend betrachtet könnte dieser Eindruck durchaus entstehen. Möglicherweise liegt es auch daran, dass jetzt für solche Abrissmaßnahmen öffentliche Fördermittel bereitgestellt werden, sofern man ein paar Kniffe beherrscht. Wenn der Gemeinderat samt Bürgermeister jetzt die Lorbeeren für die (sichtbaren) Ergebnisse erntet, sollte man auch jene berücksichtigen, welche die (unsichtbaren) Vorarbeiten geleistet haben.

Unser Ort ist auf dem richtigen Weg, wenn Schandflecke verschwinden und Platz für Neues entsteht.

Nachtrag: Auf unserem Foto zeigen wir den IST-Zustand VOR dem Abriss, wie ihn die Einwohner und Gäste jahrelang ertragen mussten.

Update: Bei einem Gespräch zwischen dem Modellbahnclub Bienenmühle und dem Bürgermeister sowie dem Anwalt der Gemeinde stellte sich heraus, dass der Modellbahnclub einen gültigen Pachtvertrag für das Grundstück besitzt, auf welchem die Abrissarbeiten mit nachfolgender Renaturierung beginnen sollten. Weiterhin gibt es am Standort private Gärten, welche bei der geplanten "Renaturierung" angeblich nicht beachtet worden sein sollen. Über diese neuen Entwicklungen halten wir Sie auf dem Laufenden.  

 

 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 22.06.2017
Aktuell: 17.11.2017
Seitenaufrufe: 737
Ähnliche Themen: Zeising Möbelwerk Bienenmühle Abriss

HOLZHAU.de nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Funktionalität bieten zu können.