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Sächsische Zeitung: "Es gibt keinen flächendeckenden Fachkräftemangel"

Sächsische Zeitung:
Sächsische Zeitung vom 23.6.2017 - Ein realistisches Bild vom sächsischen Arbeitsmarkt

Gebetsmühlenartig wurde in den vergangenen Jahren vom "Fachkräftemangel" in Sachsen gesprochen. Doch nun zeichnet die Sächsische Zeitung ein ganz anderes Bild, welches der gelebten Realität wesentlich genauer entspricht. Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer, gab Franz Werfel ein sehr ergiebiges Interview, welches am 23.6.2017 veröffentlicht wurde.

Fiehler erklärt, warum im Jahre 2016 etwa 130000 Sachsen zur Arbeit in die alten Bundesländer pendelten - das sind so viele wie nie zuvor: "Das machen die nicht aus Langeweile." ... "Das würden sie nicht machen, wenn es hier lauter tolle Jobs gäbe." ... "Die pauschale Aussage, dass es keine Fachleute gibt, stimmt einfach nicht."... "Vier von fünf (80%) pendeln wegen des Gehalts. Dabei sind 30 bis 50 Prozent mehr Lohn keine Seltenheit."

Die Hochqualifizierten würden dahin pendeln, wo die großen Gewinne eingefahren werden: Wolfsburg, München, Stuttgart.

"Nun wollen sie zurück - und treffen hier auf die Realität. Und die ist nicht so rosig, wie sie in den Medien dargestellt wird." (Einwurf von holzhau.de: Warum wird die Realität in den Medien rosig dargestellt und welche Medien sind namentlich gemeint?)

Fiehler sagt, dass man die Pendler für den sächsischen Arbeitsmarkt nur zurückgewinnen kann, wenn folgende Kriterien passen: Faire Bezahlung, Vollzeit, unbefristete Anstellung. Zusätzlich weist er darauf hin, dass sächsische Firmen teilweise ein "desaströses Personalmanagement" haben, auf Bewerbungen gar nicht erst reagieren usw. 

Die Kriterien "Vollzeit" und "unbefristet" gelten aus Sicht von holzhau.de nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den Öffentlichen Dienst in Sachsen. Selbst hier gab es in der Vergangenheit Angebote, wie z.B. für 30 Wochenarbeitsstunden und auf 2 Jahre befristet in der Landeshauptstadt als Serveradministrator zu arbeiten. Ehrlich? Für 30 Wochenstunden und einem auf 2 Jahre befristeten Arbeitsverhältnis gibt keiner seinen bisherigen Arbeitsplatz auf, wenn er nicht unbedingt muss.

Das beginnt schon damit, dass man für die 30 Stunden Arbeitszeit vielleicht 10 Stunden pro Woche auf der (Land-)Straße unterwegs wäre. Macht 40 Stunden im Monat oder 480 Stunden pro Jahr. 480 Stunden pro Jahr entsprechen etwa 2,7 Monaten zusätzlicher, aber unbezahlter "Arbeits"zeit. Plus 2400 Euro Benzinkosten sowie einem unkalkulierbaren Verschleiß an Fahrzeug und Nerven.

Admin zu sein, ist kein 30-Wochenstunden-Job, sondern 24/7-Dauerstress. Man muss damit rechnen, dass das Telefon durchweg klingelt, sobald man auf dem Nachhauseweg ist.

Server-Admins laufen in unseren Breiten extrem selten auf der Straße herum, was natürlich auch für andere Berufsgruppen gilt. Da muss man als Arbeitgeber wesentlich mehr bieten als einen befristeten 2-Jahres-Vertrag, 30 Wochenstunden und eine Vergütung aus dem unteren Ende des möglichen Gehaltsspektrums.

Abschließend stellt sich in diesem konkreten Beispiel die Frage: Was macht man nach den 2 Jahren?

Wenn in den Stellenausschreibungen sogar noch verlangt wird, man solle die "Bereitschaft zur dienstlichen Nutzung des privaten Fahrzeuges" mitbringen, fragt man sich skeptisch, ob der Tischler seine eigene Kreissäge oder der LKW-Fahrer seinen eigenen Sattelaufleger zur Arbeit mitbringen soll? Diesen Gedanken könnte man endlos und immer absurder weiterspinnen -  Wie wäre es, wenn die Verkäuferin im Lebensmittelmarkt ihre eigene Kasse mitbringen muss, der Pilot sein eigenes Flugzeug, der Lokführer seinen eigenen Zug, der Berufssoldat seinen eigenen Panzer?

Ein aktuelles Beispiel von vielen: Der Landkreis Mittelsachsen sucht derzeit mit der Kennziffer 045/2017 eine/n "Sachbearbeiter/in für Asylbewerberleistungen" und stellt als Voraussetzung: "Fahrerlaubnis Klasse B, Bereitschaft zur dienstlichen Nutzung des privaten Pkw". (Falls sich jemand bewerben will: Der Link dazu ist am Ende des Artikels). Noch nicht mal einen Dienstwagenpool will man seinen Arbeitnehmern bieten, wenn man sie in den Außendienst schickt.

Wird ein Stellenangebot auf 30 oder weniger Wochenstunden ausgeschrieben und gleichzeitig die "Bereitschaft zur Mehrarbeit" gewünscht, ahnt man: Der Arbeitgeber weiß genau, dass der offene Arbeitsplatz das Arbeitsvolumen einer Vollzeitstelle hat.

Kurz gesagt, einige Jobangebote in Sachsen sind schlicht und ergreifend unrealistisch. Man könnte auch "dreist" sagen. Kommen so die vielen freien Stellen zusammen?

Fiehler: "Mittlerweile gibt die Arbeitsagentur sogar selbst zu: Für die hohen Zahlen - so sollen in Sachsen derzeit 35000 Jobs nicht besetzt sein - sorgen sehr viele Doppelzählungen. Weil ein und derselbe Job von Betrieben, Zeitarbeitsfirmen, privaten Vermittlern parallel angeboten wird. Das wissen alle, trotzdem sind die Zahlen in der Welt."

Man kann also davon ausgehen, dass die vielen freien Stellen eine Scheingröße sind. Niemand kann mehr genau sagen, wie viele Jobangebote es in Sachsen wirklich gibt.

Wenn in Sachsen sehr viele freie Stellen gemeldet würden, bekäme man den Eindruck, "dass in Sachsen irgendetwas nicht stimmt, da dort anscheinend keiner arbeiten will", meint Fiehler.

Die Einführung des Mindestlohnes hat den Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt. Viele Arbeitnehmer haben mittlerweile begriffen, dass man fast überall zum Mindestlohn + x arbeiten kann. Stimmt das Arbeitsklima im Unternehmen nicht, kündigen Mitarbeiter heute schneller als vor Jahren. An diesen -für sächsische Arbeitgeber relativ neuen- Trend müssen sich einige Unternehmer erst noch gewöhnen. Der Mindestlohn hat den Arbeitnehmer aus der Rolle des abhängigen Bittstellers herauskatapultiert. Ein Unternehmen mit vielen offenen Stellen erweckt somit auch den Eindruck, dass das Betriebsklima nicht das beste ist oder eine mangelhafte Unternehmenskultur vorliegt.

Den Umfragen der IHK zufolge, so Fiehler weiter, würden nur 20 Prozent der Unternehmen angeben, dass in ihrem eigenen Betrieb Fachkräftemangel herrsche. "Wäre der Fachkräftemangel aber wirklich so desaströs... müssten heute in vielen Betrieben die Lichter längst aus sein."

Lars Fiehler beendet das Interview mit mit folgender Aussage: "Wenn es dann noch mit schnellem Internet klappen würde, sind das zusammen mit der guten Infrastruktur, einer wunderschönen und abwechslungsreichen Natur, einer reichen Tradition und viel Kultur genau die Dinge, die Rückkehrer hierher locken." 

Das komplette Interview haben wir am Ende des Artikels verlinkt. Ebenfalls verlinkt: "Nur im Erzgebirge verdient man noch weniger als in Mecklenburg-Vorpommern" (NDR)

Unser Prädikat: "Äußerst ehrlich, realistisch und lesenswert."

 


 

 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 23.06.2017
Aktuell: 23.06.2017
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