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Fuchsplage im Erzgebirge - Was darf man als Grundstücksbesitzer dagegen tun?

Fuchsplage im Erzgebirge - Was darf man als Grundstücksbesitzer dagegen tun? fuchs fuchsplage erzgebirge Vom Fuchs bereits ausgerottet: Jagdfasan im Erzgebirge  (Foto:T.Bellmann)
Vom Fuchs bereits ausgerottet: Jagdfasan im Erzgebirge (Foto:T.Bellmann)

Nicht nur in Holzhau, sondern im ganzen Erzgebirge hört man in den letzten Jahren von einer zunehmenden Fuchsplage. Der Fuchs hat im Erzgebirge keinen natürlichen Feind, seine Bejagung wurde in einigen Gegenden nahezu eingestellt. Darüber klagen die Kaninchen- und Geflügelzüchter besonders laut. In Holzhau berichten Einwohner, dass ihnen der Fuchs sogar am helllichten Tag die Kaninchen klaut. Manche Geflügelhalter melden 20, andere sogar 50 tote Tiere pro Fuchsangriff. Bei Rassegeflügel geht der wirtschaftliche Schaden schnell über tausend Euro je Einzelfall hinaus. Die züchterische Leistung ist hingegen unbezahlbar und meist auch nicht ersetzbar.

Naturschützer und Ornithologen verfluchen den Fuchs mittlerweile auch. Seit er im Erzgebirge Narrenfreiheit hat, vernichtet er seltene oder streng geschützte Bodenbrüter wie das Rebhuhn, die Wachtel oder das Birkhuhn. Ornithologen behaupten, die Überpopulation der Füchse sei u.a. an der Ausrottung des Rebhuhnes im Erzgebirge schuld. Die geringe Bejagung des Fuchses verstoße somit gegen die europäische Vogelschutzrichtlinie.

Der Fuchs ernährt sich aber nicht nur von Federvieh, sondern auch von Mäusen. Dort steht er mittlerweile in Konkurrenz zur ebenfalls stark zugenommenen Zahl der Raubvögel. Seit in der Freiberger Mulde kaum noch Fische zu finden sind, sieht man sogar Fischreiher auf den Wiesen, weil sie sich zwangsweise von Wühlmäusen ernähren müssen.

Findet der Fuchs in der Natur nicht mehr genug Nahrung, kommt er in die Nähe der Wohnsiedlungen. Aus aktuellem Anlass haben wir uns ganz gezielt mit dem Thema "Was darf man als privater Grundstückseigentümer tun, um den Fuchs abzuwehren?" beschäftigt.

Es geht schließlich nicht nur um die private Kleintierhaltung, sondern auch um die Gesundheit der Menschen. Die Tollwut sei in Sachsen zwar ausgerottet, heißt es immer wieder. Doch die Bedrohung durch den Fuchsbandwurm bleibt. Was nutzt die Warnung vor ungewaschenen Beeren aus dem Wald, wenn sich der Fuchs im hauseigenen Erdbeergarten entleert? Hinzu kommt, dass manche Jäger die Behauptung mit der ausgerotteten Tollwut ganz anders sehen.

Jeder, der ein größeres bzw. geeignetes Grundstück besitzt, ist per Gesetz verpflichtet, sich einer Jagdgenossenschaft anzuschließen. Das bedeutet, dass er seine Flächen zur jagdlichen Nutzung bereitstellen und die Jagd dulden muss. Der Europäische Gerichtshof hatte das zwar teilweise eingeschränkt, aber in Deutschland hat sich daraufhin nicht allzu viel geändert. 

Auf den Flächen, welche als Jagdgebiete bzw. "jagdbare Flächen" ausgewiesen wurden, sind die Jäger verpflichtet, den Wildbestand zu beobachten und die Jagd auszuüben. Entsteht auf diesen Flächen ein Wildschaden, kann der Geschädigte von den Jägern Schadensersatz fordern. Dieser wird meist aus dem Wildschadensfonds beglichen.

Gleichzeitig sind Jäger verpflichtet, sämtliche toten Wildtiere, die in ihrem Jagdrevier gefunden werden, zu entsorgen. Das gilt auch bei Verkehrsunfällen.

Neben den "bejagbaren Flächen" gibt es aber auch "befriedete Gebiete". Das sind Bereiche, die zwar flächenmäßig zum Jagdgebiet gehören, auf welchen aber keine Jagd im eigentlichen Sinne stattfinden darf. Ein klassisches Beispiel sind die Flächen rund um Wohnhäuser. Aus Sicherheitsgründen ist dort der Einsatz von Schusswaffen untersagt.

Der Paragraf 7 des Sächsischen Jagdgesetzes erklärt genau, was "befriedete Flächen" sind: 

  • Gebäude
  • Hofräume und Hausgärten, die an ein Gebäude anschließen
  • Sonstige bebaute Flächen im Geltungsbereich eines Bebauungsplans und Flächen innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils
  • Sportanlagen
  • Campingplätze
  • Kleingärten im Sinne des Bundeskleingartengesetzes
  • Friedhöfe und andere Bestattungsplätze
  • Zoos und Tiergehege im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes

Damit ein Jäger den Fuchs auf einer "befriedeten Fläche" verfolgen kann, muss die Jagdbehörde eine beschränkte Ausübung der Jagd in befriedeten Bezirken gestatten oder von Amts wegen anordnen. Beantragen muss das der "Jagdausübungsberechtigte" (Jäger), der Grundstückseigentümer oder ein Nutzungsberechtigter (Grundstückspächter).

Doch selbst wenn es daraufhin eine Genehmigung zur Fuchsjagd innerhalb des Ortes gäbe, würde kaum ein Jäger wagen, einen Schuss abzugeben. Die Angst vor Fehlschüssen, Querschlägern und damit verbundenen juristischen Konsequenzen ist enorm. Die Furcht vor dem Verlust der Jagderlaubnis bestimmt das Handeln. Selbst wenn die Polizei den Ort während dieser "Jagd" sperren würde, bleibt immer noch die Möglichkeit von Sachschäden (Gastanks von Heizungsanlagen, parkende Fahrzeuge, Fenster, Haustüren usw.). Somit sind die Absätze 1 und 2 des Paragrafen 8, welche die ausnahmsweise Jagd in befriedeten Gebieten regeln, kaum durchzusetzen. Eine Ausnahmegenehmigung nutzt nichts, wenn sich kein Jäger findet, der innerorts schießen will.

Für Schäden, welche das Wild auf einer "befriedeten Fläche" anrichtet, gibt es im Regelfall keine Entschädigung aus dem Wildschadensfonds. Frisst ein Hirsch die Apfelbäume im Vorgarten ab, schaut der Grundstückseigentümer in die Röhre und bleibt auf dem Schaden sitzen. Gleiches gilt, wenn Fuchs oder Marder Rassegeflügel oder Kaninchen töten.  

Paragraf 8 Absatz 3 des Sächsischen Jagdgesetzes besagt schließlich, welche Möglichkeiten man als Grundstückseigentümer hat, um Fuchs und Co. auf dem eigenen Grundstück zu verjagen, zu fangen oder zu töten:

"Der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte eines Grundstückes in einem befriedeten Bezirk darf Dachse, Füchse, Iltisse, Marderhunde, Minke, Nutrias, Steinmarder, Waschbären sowie Wildkaninchen auch ohne Jagdschein fangen und sich aneignen. Er kann, sofern er die erforderliche Sachkunde besitzt, das gefangene Wild unter Beachtung tierschutzrechtlicher Vorschriften und entsprechender Anwendung des § 22 Abs. 4 Satz 1 des Bundesjagdgesetzes töten. Sofern er die nach Satz 2 erforderliche Sachkunde für die Tötung nicht besitzt, muss er einen Jagdscheininhaber oder eine sonstige sachkundige Person damit beauftragen. Jagdhandlungen mit der Schusswaffe darf nur vornehmen, wer im Besitz eines Jagdscheins oder für den Gebrauch von Schusswaffen ausreichend im Sinne des § 17 Abs. 1 Nr. 4 des Bundesjagdgesetzes versichert ist; die waffenrechtlichen Vorschriften bleiben unberührt. Ein Jagdscheininhaber handelt im Rahmen der beschränkten Jagdausübung."

Damit ist erst einmal geklärt, warum es im Fachhandel Lebendfallen in allen Größen frei zu kaufen gibt. Wer auf dem eigenen Grundstück eine Lebendfalle aufstellt, darf das auch. Aus dem Gesetzestext entsteht aber gleich das nächste Problem. Wohin mit dem gefangenen Raubtier, wenn es morgens in der Falle sitzt?

Eine dauerhafte Aneignung des lebend gefangenen Tieres kommt sicher für die wenigsten Menschen in Frage. Wer hält schon einen Fuchs als Haustier? Davon abgesehen braucht man für die Haltung von Wildtieren eine behördliche Genehmigung und in machen Fällen (z.B. bei Eichhörnchen) sogar einen Sachkundenachweis.

Das Gesetz fordert eine tierschutzkonforme Tötung durch einen Jagdscheininhaber. Man muss einen Jäger beauftragen, das Tier in der Falle zu erschießen. Doch: Er darf seine Schusswaffe in der "befriedeten Fläche" gar nicht einsetzen. Man wäre also zuerst gezwungen, die Falle samt Tier auf eine jagdbare Fläche zu transportieren. Erst dann darf das gefangene Tier erlegt werden.

Die Industrie bietet von Jahr zu Jahr mehr Produkte an, um Füchse, Marder und andere Raubtiere vom Haus fern zu halten. Die Erfahrungen zeigen, dass sich ältere, erfahrene Tiere nur selten davon beeindrucken lassen. So schafft man es kaum, clevere Altfüchse in eine Kastenfalle zu locken. Marder-Spray und andere Abwehrmittel erwecken oft den Eindruck, als werde dadurch alles nur noch schlimmer. 

Im Bereich der Marderabwehr gibt es besonders viele Mythen, Widersprüche und Ungereimtheiten. So wird oft behauptet, dass Marder ungern auf Drahtgitter laufen. Man soll ein Drahtgitter dahin legen, wo das Auto parkt. Es würde Marderschäden am Auto verhindern. Da stellt sich doch die Frage, warum die Böden von Kastenfallen aus Drahtgitter hergestellt werden.

Besonders populär sind zur Zeit solarbetriebene, elektronische Abwehrgeräte mit Bewegungssensoren. Bei Annäherung eines Raubtieres senden sie einen Alarmton im Ultraschallbereich aus. Gleichzeitig werden Lichtblitze abgegeben. Solche Geräte kosten je nach Hersteller und Händler zwischen 20 und 30 Euro pro Stück. Aus den umliegenden Orten gibt es auch schon die ersten Erfolgsmeldungen. Doch sind die Füchse aus dem eigenen Ort vertrieben, häufen sie sich in anderen Dörfern. Eine endgültige Lösung des Problems "Fuchs" wird dadurch nicht erreicht.

Inwieweit Abwehrgeräte auch die eigenen Tiere beunruhigen, muss man im Einzelfall herausfinden. 

Abschließend noch ein Tipp für alle Züchter von Fasanen: Eure Lieblinge stehen auf der Speisekarte des Fuchses ganz oben. (Quelle: Jägermagazin 1/2017) Vielleicht ist das auch ein Grund, warum in Holzhau seit über 50 Jahren kein frei lebender Jagdfasan gesehen wurde.

 


Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 27.06.2017
Aktuell: 28.06.2017
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