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Kommentar zu "Freiberger Eisenbahn fährt bis Ende 2022"

(Veröffentlicht am 13.02.2018)

Kommentar zu Freiberger Eisenbahn fährt bis Ende 2022 freiberger eisenbahn 2022 holzhau mulda Bundesregierung schlägt kostenlosen Nahverkehr vor
"Bundesregierung schlägt kostenlosen Nahverkehr vor"

Liebe Leser, seit einigen Jahren gibt es in der Bevölkerung Unsicherheiten, ob die Bahnstrecke Freiberg-Holzhau auch nach dem Jahre 2019 befahren werden wird. Der bisher bestehende Vertrag zwischen dem Verkehrsverbund Mittelsachsen VMS und der Freiberger Eisenbahngesellschaft FEG läuft zum Ende des Jahres 2019 aus.

In der letzten Zeit trafen sich Kommunalpolitiker regelmäßig mit den Entscheidern des Verkehrsverbundes. Es gab auch öffentliche Versammlungen, "damit die Bahn nicht aufs Abstellgleis fährt".

Im Dezember wurde die Verlängerung des bestehenden Vertrages per EU-Direktvergabe eingeleitet. Den aktuellen Meldungen nach zu urteilen, ist diese Direktvergabe jetzt beschlossene Sache. Damit ist für die Erzgebirger im Freiberger Muldental klar: Bis Ende 2022 fährt die Bahn weiter. Prima! Doch zu welchen Konditionen? Wenn zukünftig nur noch 2 Züge pro Tag fahren würden, bliebe die Bahnstrecke "erhalten"?

Gelegentlich hörte man, dass es doch viel effektiver sei, wenn man die Strecke Freiberg-Holzhau mit Bussen bedienen würde. Wirklich? Bevor man den Schienenverkehr auf die Straße verlagert, müssten im Gebirge erst einmal Straßen gebaut werden. Straßen, auf denen sich zwei Busse begegnen können, ohne in den Straßengraben fahren zu müssen. Planungen für Straßen dauern Jahre oder mittlerweile gar Jahrzehnte. Zusätzlich gibt es bei uns jede Menge geschützte Tiere und Pflanzen. Man kann also davon ausgehen, dass sämtliche Straßenbauprojekte im Sand verlaufen. Wenn es denn welche gäbe. Der Landkreis Mittelsachsen hat südlich von Freiberg kein einziges größeres Straßenbauprojekt vorzuweisen. Einen Neubau oder Ausbau des Straßennetzes gibt es seit mindestens 25 Jahren nicht. Ortsumfahrungen für die Kleinstädte Brand-Erbisdorf, Sayda, Frauenstein? Fehlanzeige.

Selbst die Kreisstadt Freiberg entdeckte nach jahrehundertelangem Raubbau an der Natur... Oh, Entschuldigung: "nach einer jahrhundertelangen Bergbautradition" (!!!) ihre Liebe zur Natur - und hat aus diesem Grund keine Ortsumgehungsstraße. Deshalb braucht man vom Freiberger Orteingangsschild bis zum Bahnhof manchmal mehr Zeit als von Holzhau bis zum Freiberger Ortseingangsschild.

Es darf zudem bezweifelt werden, ob man mit Bussen jene Reisegeschwindigkeit erreichen wird, welche die Freiberger Eisenbahn vorweisen kann. Selbst mit einem sportlichen PKW hat man Mühe mitzuhalten. Spätestens innerorts wird man einsehen müssen, dass der Versuch, die Freiberger Eisenbahn einzuholen, teuer werden kann.

Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass in Sachsen nächstes Jahr Landtagswahlen stattfinden. Will man den ohnehin schon "aufmüpfigen Erzgebirgern" (*) nicht noch mehr Gründe geben, ihr Kreuz bei anderen Parteien zu machen? Immerhin besteht für die bisherige Regierung die "Gefahr", dass die AfD -wie bei den Bundestagswahlen 2017- stärkste Partei wird. Welche dann den Ministerpräsidenten stellt... 

Warum entscheidet man nur für drei weitere Jahre? Was sollte sich denn langfristig ändern, um nicht weitsichtiger zu planen? Die Bevölkerungsentwicklung kann man schätzen. Gewerbeansiedlungen und Schulneubauten kann man planen.

Beim Personennahverkehr hat man scheinbar Probleme, sich auf den zukünftigen Bedarf festzulegen. Die Menschheit weiß schon jetzt auf den Zentimeter genau, wie hoch der Meeresspiegel in 80 Jahren sein wird. Welcher Bedarf in 5 Jahren beim Öffentlichen Personennahverkehr zwischen Freiberg und Holzhau besteht, weiß man jedoch nicht. Oder will man zukünftige Entscheidungen jenen überlassen, welche die nächste Wahl gewinnen?

Am 31.1.2018 veröffentlichte die "Freie Presse" (*) einen Artikel über die Zukunft der Freiberger Eisenbahn. Darin heißt es: "Derweil wird aber auch geprüft, ob man den Stundentakt der Bahnverbindung zwischen Freiberg und Holzhau auf einen Zwei-Stunden-Takt reduziert. So steht es im aktuellen Nahverkehrsplan des VMS."

Am 10. Februar veröffentlichte die "Freie Presse" hingegen, dass die Freiberger Eisenbahn zukünftig öfter fahren soll. (*)

Gegensätzlicher könnten die Meldungen gar nicht sein. Es klingt ein wenig konzeptlos: "Erst fahren wir vielleicht seltener, dann öfter. Mal sehen."

Die Idee, eine Eisenbahn in den Ferien, an Feiertagen und an den Wochenenden nur alle zwei Stunden fahren zu lassen, ist nicht die beste gewesen. Es wird sehr schwer, der Freiberger Eisenbahn eine "Tourismusrelevanz" nachzuweisen, wenn sie zu den "tourismusrelevanten Zeiten" gar nicht so oft fährt.

In anderen Regionen Deutschlands fahren die Züge zu den "tourismusrelevanten Zeiten" häufiger. Bei uns seltener. Eine schwer nachvollziehbare Angelegenheit. 

Den Fahrplan während der Ferien auszudünnen ist ungefähr so, wie wenn ein Ladengeschäft sein Schaufenster ausräumt und sich hinterher wundert, dass kaum noch Kunden kommen. Wer seinen Kunden nichts anbietet, wird auch nichts verkaufen.

Für den Berufsverkehr ist die Eisenbahn keine wirkliche Alternative zum Auto. Wer im Einzelhandel arbeitet und erst nach 20 Uhr Feierabend hat, steht am leeren Bahnsteig. Bei Schichtarbeitern ist das noch schlimmer. Von Arbeitnehmern in der Gastronomie, die erst nach Mitternacht nach Hause wollen, brauchen wir gar nicht erst zu reden.

In der Ferienzeit verliert man als Arbeitnehmer mehrere Stunden pro Tag, weil der Zug nur alle zwei Stunden fährt.

Eine Teilnahme am kulturellen Leben in der Kreisstadt (Theater, Kino usw.) ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum möglich. 

Unsere Kommunalpolitiker und auch der Verkehrsverbund haben in den letzten Pressemeldungen mit Millionenbeträgen um sich geworfen. Sie wollen zeigen, wie viel der Freistaat Sachsen für den Öffentlichen Nahverkehr ausgibt. Es ist leider nur die halbe Wahrheit.

Durch Gemeindefusionen, Kreisreformen und Schulschließungen spart der Freistaat jedes Jahr Millionenbeträge. Allein die zwei Bürgermeister, zwei Amtsleiter und zwei Kämmerer, welche durch die Gemeindefusion Holzhau - Clausnitz und Rechenberg-Bienenmühle seit 1994 eingespart werden, würden den Steuerzahler im Laufe der Jahre Millionen kosten. Hinzu kommen Ausgaben für Gemeindemitarbeiter, Fuhrpark und Betriebskosten.

Leider können wir nicht nachrechnen, welche Einsparungen es dem Freistaat bringt, wenn in unserem Tal ein oder zwei Mittelschulen geschlossen werden. Man kann sich aber vorstellen, dass es dabei ebenfalls um Millionensummen geht: Lehrergehälter und Pensionsansprüche, Gebäudekosten, Lehrmaterialien, Computerkabinette, Hausmeisterkosten, Werterhaltungsmaßnahmen, Brandschutz, Wärmedämmung und Behindertenzugänge sind nur ein Teil der Gesamtkosten. Es ist für den Freistaat sicher günstiger, die Kinder mit Bahn und Bus auf den längeren Schulweg zu schicken, als vor Ort moderne Schulen zu bauen.

Das Holzhauer Fremdenverkehrsamt hat man vor 10 Jahren geschlossen. Die Immobilie wurde verkauft. Den Kindergarten und die Grundschule in Holzhau: Geschlossen. Die Vorschulkinder werden von den Eltern morgens in das 5 km entfernte Bienenmühle gebracht und müssen abends wieder geholt werden. Macht für die Eltern pro Tag ca. 20 Kilometer. Das sind im Monat etwa 400 Kilometer. Für die Einwohner aus dem Ortsteil "Teichhaus" sind es 100 Kilometer mehr und damit schon fast eine monatliche Gesamtfahrtstrecke bis zur Ostsee. Eine komplette PKW-Tankfüllung pro Monat - nur für das Transportieren des eigenen Kindes. 

"Früher" konnten die Kinder zu Fuß zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Heute fahren die Grundschüler ins 10 Kilometer entfernte Clausnitz. Die Kosten für die Schülerbeförderung stellt man den Eltern in Rechnung.

Bei einer Versammlung am 2.7.2013 (*) beschwerte sich ein ortsansässiger Handwerksmeister, dass die Kosten für den Schülertransport von 90 auf 145 Euro erhöht wurden. Bei einer Familie mit 2 Kindern macht das 290 Euro.

Wer als Holzhauer Bürger seine Fahrerlaubnis verliert, muss jetzt -dank Kreisreform- in das rund 70 km entfernte Verkehrsamt Döbeln. Dort angekommen, wird er nach Freiberg zum Notar geschickt. Nachdem man eine Erklärung abgegeben hat, seinen Führerschein weder verkauft noch anderweitig abgegeben zu haben, darf man wieder nach Döbeln. Einige Wochen später kann man seinen neuen Führerschein abholen. In Döbeln. Es gibt zwar offiziell einen Service des Landratsamtes, welcher die Führerscheine bis nach Freiberg bringen soll, ABER: Wenn´s drauf ankommt, ist der aktuelle Transport "voll". Man muss also weitere Wochen warten, bis der Führerschein in Freiberg landet. Oder man setzt sich wieder ins Auto und fährt noch einmal nach Döbeln. Zu zweit natürlich, wie immer. Man hat ja keinen gültigen Führerschein :-) (Erfahrungsbericht aus eigenem Erleben, Sommer 2013)

Wie an den Beispielen aufgezeigt wird, spart der Freistaat gewaltig am Service, den er seinen Steuern zahlenden Bürgern "eigentlich" schuldig wäre. Erst recht im ländlichen Raum. Daher sind die Zahlen, mit denen unsere Politiker um sich werfen, kaum ernst zu nehmen.

Statt dessen könnte man auch Fragen stellen. Beispielsweise, wieso man ständig fordert, "weniger Abgase" zu produzieren, während man gleichzeitig gar nicht mehr in der Lage ist, seinen Alltag ohne Auto zu bestreiten. Wer "mal schnell" ins Rathaus oder ins Fremdenverkehrsamt will, braucht ein Auto. Wer "mal schnell" zum Bäcker will, braucht ein Auto. Es sei denn, man will aus jeder kleinen Besorgung eine stundenfüllende Aktion machen.

Der ehemalige Bürgermeister von Rechenberg, Karl-Heinz Mantau, der in Mittelsachsen auch als Kreisrat aktiv war, verweist uns in diesem Zusammenhang auf das "Gesetz zur Regionalisierung des öffentlichen Personennahverkehrs" (RegG), in welchem die "Sicherstellung einer ausreichenden Bedienung der Bevölkerung mit Verkehrsleistungen im öffentlichen Personennahverkehr als eine Aufgabe der Daseinsvorsorge" bezeichnet wird. Der Freistaat Sachsen ist also gesetzlich verpflichtet, den Personennahverkehr "ausreichend" zu organisieren und zu finanzieren. Die Bürger zahlen Steuern, damit diese Aufgabe umgesetzt wird. 

Erfreulich ist die Information, dass die Fahrgastzahlen der Freiberger Eisenbahn in den letzten Jahren wieder gestiegen sind. In den Jahren davor gab es einen kontinuierlichen Fahrgastschwund. Holzhau.de bietet seit Anfang 2015 einen eigenen, tagesaktuellen Fahrplan an. Wir konnten feststellen, dass andere Webseitenbetreiber unserem Beispiel gefolgt sind.

Gemeinsam sollten wir den Touristen alle Möglichkeiten aufzeigen, die der Öffentliche Personennahverkehr im Freiberger Muldental bietet. Schließlich haben Hoteliers, Gastwirte und nicht zuletzt das Rechenberger Brauereimuseum ein Interesse daran, dass unsere Gäste ein oder zwei Bier trinken können, ohne hinterher mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Für uns Einheimische bleibt die Freiberger Eisenbahn eine wichtige "Lebens"ader. Das darf man getrost wörtlich nehmen. Wenn die Alternative "Bahn" wegfällt, müssten wir im hohen Alter zwangsläufig mit dem Auto auf den Straßen herumgurken. Mit -möglicherweise- fatalen Folgen für jung und alt.

Ihre Holzhau.de - Redaktion

 

(* = Alle Quellen sind am Ende des Artikels verlinkt)

Update: Wenige Stunden nach der Veröffentlichung unseres Kommentars schlägt die noch amtierende Bundesregierung vor, den Personennahverkehr künftig kostenlos anzubieten. Völlig abwegig kann unser Standpunkt also nicht sein...

 


Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 13.02.2018
Aktuell: 19.03.2018
Seitenaufrufe: 2205
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