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Sächsische Staatsregierung im Jahre 2009: "98 Prozent können Breitband-Internet nutzen" - Neun Jahre später beginnen in Holzhau die Bauarbeiten für schnelles Internet

(Veröffentlicht am 03.07.2018)

Sächsische Staatsregierung im Jahre 2009: 98 Prozent können Breitband-Internet nutzen - Neun Jahre später beginnen in Holzhau die Bauarbeiten für schnelles Internet internet breitband sachsen holzhau Der Weg ins schnelle Internet wird in Holzhau mit rosa Pflöckchen markiert
Der Weg ins schnelle Internet wird in Holzhau mit rosa Pflöckchen markiert

Schaut man sich die etwas angestaubten Nachrichten aus vergangenen Jahren an, kommt man oft nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus. Da behauptete Thomas Jurk, seinerzeit Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit (und Tourismus), Mitglied der SPD, im April 2009: "Die Staatsregierung geht davon aus, dass gegenwärtig für ca. 98% aller Haushalte in Sachsen ein Breitbandanschluss zu erschwinglichen Kosten verfügbar ist." (Artikel unten verlinkt)

Was war das für eine tolle Nachricht! Erst recht für jene Unternehmer, die zum damaligen Zeitpunkt schon 10 Jahre auf einen DSL-Festnetzanschluss warteten. Für unsere Kinder: "10 Jahre" entspricht etwa der Wartezeit für einen "Trabant" in der früheren DDR.

Merkwürdig. Viele Sachsen fragten sich "Bin ich -und die vielen anderen- wirklich ZWEI PROZENT?" 

Wir erinnern uns: Das kleine tschechische Nachbardorf Moldava verfügt seit 2008 über eine schnelle Internetanbindung.  (Unten verlinkt)

Die TKI Chemnitz GmbH erstellte im August 2010 eine Studie. In 30 Prozent der mittelsächsischen Gemeinden war kein DSL-Anschluss verfügbar. 41 Prozent der mittelsächsischen Gemeinden konnten auf DSL-Geschwindigkeiten unter 2 MBit/s stolz sein.  (Komplette Studie als PDF unten verlinkt)

Doch schon "wenige Jahre später", also 2012, entstand die "Breitbandinitiative Mittelsachsen". Es gab wirklich Leute, die daran glaubten, dass nun die restlichen "zwei" Prozent", die der damalige Minister Jurk in 2009 noch unterversorgt glaubte, tatsächlich erschlossen würden. Doch bis auf den Ortsteil Teichhaus, welcher seitdem für DSL 50000 zahlen und effektiv DSL 4000 nutzen kann, geschah nichts wesentliches. (Unten verlinkt)

Die Telekom baute zwischenzeitlich ihren Sendemast in Holzhau so um, dass ein Teil der Bevölkerung LTE nutzen kann. Die wenigen Holzhauer, die von der Alten Straße aus Sichtkontakt zum Kuhstall Clausnitz haben, freuen sich über LTE via Vodafone.

Die Firma Philis aus Dorfchemnitz übernahm als privater Dienstleister vor ca. 7 Jahren die Internetversorgung per "Funk". Das funktioniert mittlerweile recht stabil, zumal hier tatsächliche Flatrates geliefert werden. Mit individuellen Sondervereinbarungen kann man inzwischen auch Geschwindigkeiten kaufen, die nicht in der offiziellen Preisliste stehen, beispielsweise 50 MBit/s.

Ein Problem haben aber alle drei Anbieter: Bei Schneefall, Starkregen, Sturm oder Gewitter ist es mit dem Internet vorbei. 

Jahrelang hielt man die Bevölkerung und Unternehmer mit Studien hin. Dass es "kompliziert und teuer" würde, war inzwischen jedem klar. Aber warum sollte es komplizierter sein als in den Alpen, in Norwegen oder im benachbarten Tschechien? Es soll Holzhauer geben, die in der Welt herum kommen. Sie berichteten schon 2003, dass es auf den Inseln vor Norwegen schnelles Internet gibt.

Die ab 2015 nach Deutschland strömenden Flüchtlinge hatten Smartphones im Gepäck, um mit ihren Familien Kontakt zu halten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es in syrischen Kriegsgebieten immer noch eine funktionierende Kommunikations-Infrastruktur gibt. Und ausgerechnet das soll in einem Land, in welchem seit über 70 Jahren Frieden herrscht, nicht möglich sein?

Wer sich erinnert: Es war Mitte der 90er Jahre ein ähnliches großes Drama, wenn man mitten in Holzhau einen ISDN-Anschluss haben wollte. Das Problem besteht also nicht nur bei DSL, sondern offenbar generell und trotz Glasfaser (OPAL) - Ausbau im Jahre 1993.

Nun endlich haben in Holzhau die Vermessungs- und Erdarbeiten für den Breitbandausbau begonnen. Wann der erste Bürger bzw. Unternehmer davon profitiert und tatsächlich "Bin ich schon drin???" fragen kann, ist derzeit noch völlig offen. Ebenso offen ist, bei wem das Kabel nur am Haus vorbeiführen oder wer tatsächlich angeklemmt wird.

Die Geschichte des Breitbandausbaus erinnert ein wenig an die Einführung des elektrischen Stromes in Holzhau. Der Holzhauer Gemeinderat wurde im März 1910 von der Königlichen Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde erstmals aufgefordert, den Ort Holzhau an das öffentliche Stromnetz anzuschließen. Es folgte eine Hinhaltetaktik des Gemeinderates bis zum Jahre 1925. Erst als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kein Leuchtpetroleum mehr verfügbar war, das Vieh verhungerte und Menschen starben, sah sich der Gemeinderat gezwungen, den Ort endlich zu elektrifizieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es keinen König mehr, der das  Bauvorhaben bezahlt hätte. Die Inflationszeit war gerade vorüber und die Gemeindekasse hoffnungslos leer. Überliefert ist, dass es selbst nach der Auftragserteilung noch Skandale gab und der ausführende Bauunternehmer aus Freiberg kurz darauf insolvent war.

Wie geschrieben, hatte Holzhau "nur" 15 Jahre nach der ersten geschichtlichen Erwähnung endlich elektrischen Strom. Auf einen DSL-Anschluss warten manche Holzhauer Unternehmer und Bürger seit immerhin 19 Jahren. Und da soll auch keiner behaupten, dass das Internet die "Zukunft" und eine "neue Technologie" sei. Das Internet besteht seit 1969, auch wenn es damals noch Arpanet hieß. Das Internet feiert nächstes Jahr seinen 50. Geburtstag.

Als die Sachsen 1989 auf die Straße gingen, brach wenige Monate später der gesamte Ostblock zusammen. Das Weltbild änderte sich. Der kalte Krieg war vorüber. Deutschland hat sich wiedervereint. 1990 beschloss die US-Regierung, das vorhandene (Inter-) Netzwerk auszubauen und für die kommerzielle Nutzung freizugeben.

Man könnte es als Ironie der Geschichte bezeichnen, wenn ausgerechnet jene, welche den Grundstein für die politischen Veränderungen in dieser Welt legten, möglicherweise als letzte in den Genuss des schnellen Internets kommen. 

 


 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 03.07.2018
Aktuell: 05.07.2018
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