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Unsere mittelsächsische Universitäts- und Kreisstadt Freiberg hat fünf "gefährliche Orte"

(Veröffentlicht am 19.07.2018)

Unsere mittelsächsische Universitäts- und Kreisstadt Freiberg hat fünf gefährliche Orte gefährliche orte sachsen freiberg Image von Freiberg: Beschauliche Universitätsstadt mit jahrhundertelanger Bergbautradition
Image von Freiberg: Beschauliche Universitätsstadt mit jahrhundertelanger Bergbautradition

Das Sächsische Innenministerium hat eine Liste mit 61 als "gefährlich" eingestuften Orten veröffentlicht. Vorangegangen war eine Anfrage der "Grünen". Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR veröffentlichte die Liste komplett (Link am Ende des Artikels). Die "Freie Presse" griff das Thema ebenfalls auf, betrachtet aber -zumindest im unten verlinkten Artikel- nur die Kreisstadt Freiberg.

Eines ist sofort auffällig: Bei der Berichterstattung verwenden fast alle Medien Anführungszeichen, wenn sie den Begriff "gefährliche Orte" erwähnen. Das kennen die Sachsen noch aus jenen Zeiten, in denen es "besorgte Bürger" mit "diffusen Ängsten" gab.

Die Stadt Dresden führt die Liste mit 24 "gefährlichen Orten" an. Damit es nicht gar so schlimm aussieht, hat man die Liste in Dresden und Dresden Neustadt geteilt. Immerhin weiß der Leser jetzt, dass es in Dresden Neustadt gefährlicher ist als in der Dresdner Altstadt. Nun denn, wenn´s hilft...

Zwölf Plätze erkennt man aufgrund ihrer speziellen Namensgebung. "Bahnhof", "Busbahnhof" oder "Haltestelle" lassen darauf schließen, dass man als Fahrgast beim Öffentlichen Personennahverkehr nicht unbedingt auf der sicheren Seite ist.

Bei den 61 "gefährlichen Orten" nennt man acht Adressen, die dediziert als "Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber" bezeichnet werden. 

In fünf Fällen werden Spielhallen bzw. Spielotheken als "gefährlich" eingestuft. 

Wenn Karl Marx wüsste, dass "der Platz um das Karl-Marx-Monument" in Chemnitz zu einem "gefährlichen Ort" geworden ist - Im Jahr seines 200. Geburtstages!

Unsere Kreis- und Universitätsstadt Freiberg ist der einzige Ort Mittelsachsens auf der Liste, dafür aber gleich mit fünf Einträgen:

  • Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Chemnitzer Straße kennt man in ganz Deutschland. Man erinnert sich an den "Machetenmann", der im Jahre 2015 den gegenüberliegenden "Netto"-Markt aufgesucht hat, mit dem Abschlagen von Köpfen drohte und danach mit einer Schreckschusswaffe einen Imbiss überfiel. Es kam zu einer Verfolgungsjagd. Erst in Berlin konnte man ihn festnehmen. Seitdem kam die Kreisstadt nicht mehr aus den Medien raus: Berichte über eine lebensgefährliche Messerstecherei, "Randale in Flüchtlingsunterkunft", "Schlägerei in der Chemnitzer Straße", mehrfache Durchsuchungen oder Artikel über erfolgreiche Drogenrazzien sind das erste, was aufploppt, wenn man nach "Asylbewerberheim Freiberg" sucht.
  • Der Albertpark ist inzwischen auch bei Nicht-Freibergern als "unsicher" bekannt. In letzter Zeit machte der Park wegen seiner Trinker- und Drogenszene, Schlägereien und dem Auftauchen von Horrorclowns Schlagzeilen.
  • Dass das Gebiet um den Bahnhof einen so schlechten Ruf hat, ärgert sicher nicht nur die Stadt, sondern auch einheimische Busunternehmer und Taxifahrer. Der Bahn scheint es aber gleichgültig zu sein. Wer sich den Bahnhof unserer Kreisstadt einmal genau angesehen hat, ahnt, dass der schlechte Ruf möglicherweise in direktem Zusammenhang mit dem optischen Erscheinungsbild stehen könnte. Wer hier aus dem Zug steigt, bekommt gleich den passenden Eindruck und mit dem "Silberrausch" ist es schlagartig vorbei. Vielleicht darf man auch in diesem Zusammenhang das Wort "Willkommenskultur" verwenden?
  • Die kurze Thielestraße als Abzweig der Burgstraße hat es im Oberen Freiberger Muldental noch nicht geschafft, als "krimineller Hotspot" bekannt zu werden. Wir lassen uns da gern von Ortskundigen informieren.
  • Die Unterhofstraße ist eine Zufahrtsstraße zum Krankenhaus und vielen Bürgern bekannt. Sie hatte schon einen schlechten Ruf, als unser Land noch "DDR" hieß. Was die Gefährlichkeit der Freiberger Unterhofstraße im Detail betrifft, bleibt sie auch in diesem Fall -zumindest für Ortsfremde und tagsüber- ungeklärt.
Alle "Gefährlichen Orte" unserer Kreisstadt haben wir in Google Maps lokalisiert und am Ende unseres Artikels verlinkt.
 
Die "Freie Presse" verweist abschließend darauf, dass Freiberg vor einem Jahr etwa "30 gefährliche Orte" gehabt habe. Wie eine so drastische Reduzierung auf nur noch fünf Einträge zustande gekommen ist, bleibt jedoch offen. Hier kann man nur spekulieren: Hat man die Kriterien für "gefährliche Orte" geändert? Betrachtet das Sächsische Innenministerium "gefährliche Orte" aus einem anderen Blickwinkel als die Polizei in Freiberg? 
 
Ebenso offen bleibt, welches Publikum an den "Gefährlichen Orten" verkehrt und was an jenen Orten so "gefährlich" sein soll.
 
Verhaltenstipps für die Bevölkerung fehlen. Soll man diese Orte nun meiden oder nicht? Worauf muss man sich als Tourist und Einwohner einstellen? Vielleicht wäre der Bau einer Umgehungsstraße um Freiberg herum doch "keine schlechte Idee" gewesen?
 
Wir betrachten die Veröffentlichung der kriminellen Brennpunkte in Sachsen sehr kritisch und befürchten: Die Immobilienpreise und Mieten werden an den "Gefährlichen Orten" und in deren Umfeld drastisch einbrechen. Gewerbeimmobilien werden kaum noch seriöse Mieter finden. Investoren bleiben weg. Banken werden in "kritischen" Vierteln noch seltener Kredite für die dringend nötige Gebäudesanierung ausreichen. Versicherungen werden ihre Beiträge erhöhen. Wer in jenen Gegenden wohnt, wird von der Schufa als "wenig kreditwürdig" eingestuft. Wenn man in den gelisteten Gebieten eine Immobilie besitzt und noch Kredite tilgen muss, ist man möglicherweise -über kurz oder lang- bankrott, weil die Mieteinnahmen wegbrechen.
 
Ein solches Haus zu verkaufen, wird schwer. Für den Immobilienkauf gibt es -zumindest laut Harald Schmidt- drei Kriterien: "Die Lage, die Lage, die Lage!" (Video vom 5.4.2001 unten verlinkt, Timecode 1:00).
 
Das gesamte Ausmaß der Folgen ist noch gar nicht absehbar.
 
Der Verfall ganzer Straßenzüge scheint nach der namentlichen Veröffentlichung von Städten, Straßen und Hausnummern nicht mehr aufhaltbar zu sein.
 


 
 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 19.07.2018
Aktuell: 20.07.2018
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