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Alle Jahre wieder - Das "Holzhauer Gejammer" über zu wenig Schnee in den Medien (Kommentar)

(Veröffentlicht am 16.01.2020 • Geschätzte Lesedauer: 5-14 Minuten)

Spätestens, wenn es Januar wird und der Schnee ausbleibt, erscheinen in diversen Medien als "Journalismus" getarnte Auftragswerke, in welchen sich einzelne Tourismusunternehmer über den wenigen, die Existenz bedrohenden Schnee beklagen. Die "Freie Presse", der MDR "Sachsenspiegel", "MDR Hier ab Vier", die "Sächsische Zeitung" und auch die "BILD" haben in den letzten Jahren darüber berichtet, wie schlimm es ist, wenn in Holzhau kein Schnee liegt.

Gelegentlich wird in den Medien auch erwähnt, wie böse die Holzhauer Einwohner sind. 

Während sich in Holzhau kaum noch jemand über diese Art der "Berichterstattung" aufregt und die ganze Angelegenheit mit ein paar Tippsern an die Stirn abgetan wird, stellt sich immer häufiger die Frage, wie diese Medienbeiträge von den Zuschauern oder Lesern aufgenommen werden.

Genau diese Leser bzw. Zuschauer sind es, die wir Holzhauer als "Gäste" bezeichnen und vom Holzhauer Tourismusgewerbe als "Zielgruppe" definiert werden. Es sind Menschen, die in Holzhau einfach nur Urlaub machen oder Skifahren wollen. Sie interessieren sich nicht dafür, welche Probleme es in Holzhau hinter den Kulissen gibt. Sie wollen nicht wissen, wem welches Grundstück gehört, wer mit wem verstritten ist oder wer seit Jahrzehnten nicht Willens ist, sich in die Holzhauer Dorfgemeinschaft zu integrieren. Ihnen fehlt das Hintergrundwissen, welches man braucht, um alles zu verstehen. Und gar manches ist selbst für Einheimische völlig unverständlich.

Aber es ist nicht die Aufgabe unserer Gäste, sich damit zu beschäftigen!

Für unsere Touristen ist Holzhau einfach nur wunderschön. Ihnen gefällt die Landschaft, sie finden die hier lebenden Menschen sympathisch und lieben die Natur. Sie wandern gern, laufen Ski und sind mit unserem Tal innerlich verbunden.

Und jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Wie wirkt es auf diese Menschen, wenn sie das ständige Gejammer aus Holzhau hören?

Möglicherweise entsteht bei ihnen der Eindruck, die Holzhauer seien ein völlig verstrittenes Bergvolk und die Holzhauer Tourismusunternehmer seien allesamt Deppen, die nicht in der Lage sind, sich an ständig ändernde marktwirtschaftliche Gegebenheiten anzupassen. Das passt aber gar nicht zu dem, was sie als Gäste hier erleben.

In unseren Ort kommen auch Gäste, die selbst Unternehmer sind. Und genau jene Menschen wissen sehr wohl, was "unternehmerisches Risiko" bedeutet. Häufige Reaktion auf solche Berichte: "Wir bringen doch jeden Winter genug Geld nach Holzhau. Wieso kriegt Ihr´s nicht hin?" (*)

Dass die Medien nicht über die Mehrheit der in Holzhau ansässigen Unternehmen bzw. Einwohner berichten, sondern über "bedauerliche Einzelschicksale", geht in den Beiträgen völlig unter.

Keiner schreibt darüber, dass man in Holzhau seit 30+x Jahren sehr wohl weiß, dass Skigebiete in unseren Höhenlagen ein hochriskantes, unwirtschaftliches und nicht zukunftstaugliches Geschäftskonzept sind. Das kann man übrigens in älteren Ortsentwicklungskonzepten nachlesen.

Es ist an unserem verschlafenen Bergdorf nicht vorüber gegangen, dass es so etwas wie den "Klimawandel" gibt. Und spätestens, seit es für den weiteren Ausbau des Wintersports keine Kredite mehr gibt, müsste es auch der letzte begriffen haben.

Aus diesem Grund haben sich unsere Hotels längst auf die Veränderungen am Markt eingestellt. Man baute Seminarräume, Tagungsräume, Wellnesszentren, Kegelbahnen, Bowlingbahnen, Spielplätze, eine kleine Brauerei, die seit dem 1.1.2020 ortseigenes Bier braut und vieles mehr.

Man hat sich auch daran gewöhnt, dass die Sachsen nicht unbedingt im Erzgebirge einen längeren Skiurlaub machen wollen, sondern lieber in die "richtigen" Berge fahren. Das ist auch verständlich. Nicht jeder, der an der Ostsee wohnt, möchte Urlaub an der Ostsee machen.

Es gibt aber auch den harten Kern der Stammgäste. Sie kommen, ganz gleich wie das Wetter wird. Es gibt Holzhau-Fans, bei denen man den Eindruck hat, dass sie jede freie Minute in unserem Ort verbringen. Seit Jahrzehnten. In Einzelfällen seit der Kindheit. Sie verfolgen die Ereignisse hier mit größerer Aufmerksamkeit als mancher Einwohner.

Mittlerweile heißt es in den Hotels und Pensionen immer häufiger: "Die paar Wintersportler bekommen wir schon noch unter."  Seit es Reiserücktrittsversicherungen gibt, ist das Risiko, bei Schneemangel einen größeren Schaden zu erleiden, fast null. Fehlender Schnee ist für den Gast kein Grund mehr, um eine Urlaubsreise abzusagen.

Wir alle kennen noch das mysteriöse Großmuttersterben, wenn in Holzhau kein Schnee lag. Holzhau.de hat in der Vergangenheit schon mehrfach darüber berichtet, dass die Schneehöhe in Holzhau umgekehrt proportional zur Sterberate von Großmüttern verlief. Es starben übrigens mehr Großmütter als Großväter. Ehepartner und Kinder starben nie. Es war wohl zu makaber, sie als Grund für die Stornierung einer Reise anzugeben. Es sieht auch komisch aus, wenn die angeblich verstorbenen Personen beim nächsten Holzhau-Urlaub wieder mit dabei sind. 

Geht es in den Medien um Holzhauer Grundstücksangelegenheiten, wird -wie gewünscht- der Eindruck geweckt,  hier wolle jemand "ganz groß absahnen". (*) Ungeachtet der Tatsache, dass dem nach unseren Kenntnissen nicht so ist: wieso eigentlich nicht? Wir leben in einer Gesellschaftsordnung, die sich "Kapitalismus" nennt. Wie der Name schon sagt, dreht sich alles nur ums Geld. Der eine pachtet einen Lift, der andere kauft ein Grundstück. Beide wollen offenbar damit "reich" werden. Was ist der Unterschied?

Wenn in den Medien verbreitet wird, unsere Region lebe hauptsächlich vom Tourismus, muss es auch Menschen geben, die mit dem Tourismus Geld verdienen und davon leben (können). Wobei auch diese Aussage höchst zweifelhaft ist, denn es fahren einfach zu viele Einwohner morgens aus dem Dorf und gehen einer Arbeit in den nächstgelegenen Städten nach.

Laut "Freie Presse" weigert sich der Gemeinderat, bestimmten Unternehmern noch Unterstützung zu gewähren. Es liegt möglicherweise daran, dass in nahezu jeder Gemeinderatsversammlung -seit Jahren- immer wieder die gleichen Probleme diskutiert werden müssen. Besonders die altgedienten Gemeinderäte äusserten gegenüber Holzhau.de, dass sie "die Schnauze restlos voll" haben. Und so ist es auch kein Wunder, wenn bei der letzten Gemeinderatswahl jene Kandidaten die meisten Stimmen erhielten, welche die Angelegenheit "Skilift" unter Ausreizung aller rechtlichen Mittel lösen wollen.

Fassen wir es zusammen: Das mediale Gejammer nervt nicht nur die Leser und vertreibt die Gäste, sondern führt auch dazu, dass den anderen -nicht genannten- Touristikern in Holzhau Unrecht getan wird. Die "Berichterstattung" ist für alle, die in Holzhau Tag für Tag ihrer Arbeit nachgehen, neue Ideen haben und mal mehr, mal weniger gut über die Runden kommen, ein Schlag ins Gesicht.

Natürlich kann man mit dem Gejammer auch weitermachen. Dann muss man aber auch ertragen, wenn unter den Wintersportlern Meinungen aufkommen wie "Ich will eigentlich nur Skifahren. Euer Holzhauer Kasperletheater interessiert mich nicht. Vielleicht fahre ich lieber gleich zu den Tschechen rüber - da ist es auch billiger." (*)

Noch zwei abschließende Gedanken.

a) Ob es die Generation "Fridays For Future" zukünftig mit ihrem Gewissen vereinbaren kann, auf energieintensiv produziertem Kunstschnee Wintersport zu treiben, haben wir absichtlich nicht beleuchtet. Keiner kennt das spätere Konsum- und Freizeitverhalten dieser Menschen. Möglicherweise kommen weitere Veränderungen auf unseren Ort zu, an die wir heute noch gar nicht denken (können). Vielleicht geht der Trend sogar in Richtung "Zurück zur Natur, zurück zur Stille, zurück zum Funkloch". Wer weiß? Schon jetzt gibt es "Digital Detox".

b) Unsere Skilifte sind jetzt 30 Jahre alt. Auf die Gemeinde kämen Ersatzinvestitionen zu. Schlepplifte gelten nicht mehr als zeitgemäß. Es müssten Sessellifte her, um mit den umliegenden Skigebieten mithalten zu können. Hinzu käme ein längst gefordertes Abrechnungssystem, welches nicht nach Zeit, sondern nach absolvierten Fahrten bezahlt wird. Nicht ohne Grund sagen unsere Gäste, die Holzhauer Skilifte hätten im Erzgebirge das schlechteste Preis-Leistungsverhältnis. Die jetzigen Skilifte befinden sich in einem Natura-2000-Schutzgebiet und haben noch Bestandsschutz. Im aktuellen Investitionsplan, den Bürgermeister Funke vorgestellt hat, war von "Skiliften" nichts zu finden.

Es ist auch höchst zweifelhaft, ob das bestehende Konzept "Die Gemeinde baut mit Steuergeldern Skilifte und verpachtet sie dann an einen privaten Unternehmer", vor allem mit den bisher gemachten Erfahrungen und Einnahmen, überhaupt noch vertretbar und gewollt ist.

Aber wie gesagt: Das alles interessiert den Gast nicht. Unsere Hausaufgaben müssen wir schon selber machen. Und da ist jedes "dumme Gequatsche in der Zeitung" (*) absolut geschäftsschädigend.

(*) Lesermeinung

Nachtrag vom 3. Februar 2020: Die "Freie Presse" meldet stolz, dass ihr Bericht über das Skigebiet Holzhau 17000mal online aufgerufen wurde. Offenbar war das der meistgelesene Artikel im Januar 2020. Man kann daraus abschätzen, welcher Schaden unserem Ort dadurch zugefügt wurde. 

 


 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 16.01.2020
Aktuell: 03.02.2020
Seitenaufrufe: 1543
Ähnliche Themen: Skilift Holzhau Schneehöhe
Leserbriefe, Kommentare und Meinungen zu diesem Artikel

Volker Liebscher: Gute Beschreibung. Als Teilzeitbewohner Holzhaus, also Gast bekomme ich diese Berichte gar nicht mit. So weit geht meine Liebe nun auch nicht, dass ich beständig den mdr sehe oder gar die "Freie Presse" abonniere. Wenn ich das in Übernachtungen oder "Rechenberger" umrechne, habe ich garantiert mehr von meinem Geld. Schnee brauche ich nicht unbedingt - für Wanderungen ist der sogar hinderlich. Ansonsten ist es in und um Holzhau immer schön. Wichtiger als Schnee ist ein ordentliches Quartier, erwanderbare Gaststätten und nette Leute. Alles eigentlich vorhanden. Dass vor allem bei der Infrastruktur nach oben noch Luft ist, wissen die Ortsansässigen am besten. Das zu beeinflussen ist allemal einfacher als Schnee herbeizurufen.

Andreas Berger: Die Zeiten sind hart. Vor allem für Menschen ohne Berufsabschluss.


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