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Coronavirus: Erzgebirgische Tourismusbranche im Niedergang - Vorsicht bei unseriösen Spendenaufrufen und unlauteren Werbeaktionen

(Veröffentlicht am 17.03.2020 • Geschätzte Lesedauer: 2-6 Minuten)

Coronavirus: Erzgebirgische Tourismusbranche im Niedergang - Vorsicht bei unseriösen Spendenaufrufen und unlauteren Werbeaktionen spenden holzhau tourismus corona coronakrise  Der Landkreis Mittelsachsen meldet 12 Coronavirus-Erkrankte. Vergleich: Heinsberg 811, Berlin 519
Der Landkreis Mittelsachsen meldet 12 Coronavirus-Erkrankte. Vergleich: Heinsberg 811, Berlin 519

Das Coronavirus hat das Erzgebirge erreicht. Es gibt zwar -zumindest nach unserer Kenntnis- noch keine einheimischen Erkrankten. Die wirtschaftlichen Folgen kamen bei uns schneller als das Virus und schlugen mit aller Härte zu.

Jammerte man vor wenigen Wochen in den Medien über "zu wenig Schnee", stehen jetzt wesentlich größere, gravierendere und langfristigere Probleme auf der Tagesordnung.

Das Coronavirus und die damit einhergehende Angst vor einer Infektion sorgten seit Anfang März für eine dramatische Stornowelle. Feiern wurden abgesagt,  Veranstaltungen, Schulungen und Tagungen finden nicht statt.

Die Hotels und Gaststätten in Holzhau präsentieren sich seit Mitte März mit leeren Gästeparkplätzen. Die Mitarbeiter gingen Ende letzter Woche in Kurzarbeit oder bummeln ihre Überstunden ab.

Seit der Grenzschließung zu Tschechien kommen auch die Arbeitnehmer aus dem Nachbarland nicht mehr. Sie dürften zwar weiterhin nach Deutschland einreisen, wenn sie bestimmte Grenzübergänge (Umwege) nutzen und der tschechischen Polizei eine Bestätigung des deutschen Arbeitgebers vorweisen können. Aber sie kommen nicht. Wozu auch? Es gibt für sie nichts zu tun.

Update: Die Grenzen zu Tschechien werden voraussichtlich bis September 2020 geschlossen bleiben.  

Wie lange dieser Zustand anhalten wird, ist ungewiss. Man kann aber davon ausgehen, dass das Ostergeschäft und die Feiertage im Mai 2020 nicht mehr "tourismusrelevant" sein werden.

Die Ungewissheit sorgt dafür, dass Marketingmaßnahmen im Tourismusbereich derzeit wenig Sinn machen. Wenn man die Dauer der Coronakrise nicht vorhersagen kann, weiß man auch nicht, ab wann man wieder Übernachtungen anbieten könnte. Würden Sie jetzt eine Silvesterreise buchen?

Das Robert-Koch-Institut äußerte, die Coronavirus-Pandemie könne sich über zwei (!!) Jahre hinziehen. Wenn wir uns auf solche Zeiträume einrichten sollen, stellt sich die -nicht ganz ernst gemeinte Frage- warum die Menschen derzeit Toilettenpapier hamstern und nicht lieber in Ackerland und Kleingärten investieren.

Spaß beiseite: Wenn wirklich zwei Jahre vergehen, bis das Coronavirus überwunden ist, dauert es fünf Jahre, bis der Tourismus in Holzhau wieder anlaufen kann. Da sollte man darüber nachdenken, ob unsere Gemeinde überhaupt noch ein Fremdenverkehrsamt braucht.

Für die Bevölkerung auf dem Lande zeigt sich schon jetzt, dass die Schließung der Sparkasse in Rechenberg ein riesiger Fehler war. Spätestens, wenn der ÖPNV reduziert wird, wird es kaum noch möglich sein, an Geld zu kommen. Erst recht, wenn allein lebende Erkrankte Bargeld brauchen. 

Das Coronavirus an sich und die damit einher gehenden Probleme sind in ihrer Dimension schon schwer begreifbar. Um so erstaunter ist man, auf welch merkwürdige Ideen einzelne Tourismusunternehmer in Holzhau kommen.

Da wird beispielsweise im Internet dafür geworben, die hauseigene Sauna zu besuchen. Man verspricht, auf diese Weise könne man das Coronavirus "abtöten". Man stellt sich wirklich die Frage, ob das einfach nur dumm oder tatsächlich ernst gemeint ist. Wäre ein Saunabesuch das Allheilmittel, müsste man einfach nur alle Infizierten dieser Welt in die Sauna schicken.

Ist diese Werbung bereits ein "Heilungsversprechen" und damit ein Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz? Oder ist es eher ein Fall für das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb?

Das gleiche Unternehmen sammelt neuerdings auch "Spenden". Wir raten davon ab, das nachzumachen oder gar etwas zu "spenden".

Spenden darf man nur einsammeln, wenn man vom Finanzamt als "gemeinnützig" anerkannt wurde. Um als "gemeinnützig" zu gelten, muss man den Anforderungen des Gemeinnützigkeitsrechts entsprechen und mildtätige oder kirchliche Ziele verfolgen. Privatpersonen, Einzelunternehmer oder Personengesellschaften (GbR) werden generell nicht als gemeinnützig anerkannt.

Noch nicht einmal der Tourismusverein Holzhau e.V. hat es in den letzten 15 Jahren geschafft, vom Finanzamt Freiberg als "gemeinnützig" anerkannt zu werden.

Bleiben Sie gesund und behalten Sie einen kühlen Kopf. 

 


 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 17.03.2020
Aktuell: 18.05.2020
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