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Holzhauer Tourismusunternehmer wirbt mit "Wandern im menschenleeren Wald" - Polizei greift Wanderer auf und schickt sie nach Dresden zurück

(Veröffentlicht am 02.04.2020 • Geschätzte Lesedauer: 2-4 Minuten)

Holzhauer Tourismusunternehmer wirbt mit Wandern im menschenleeren Wald - Polizei greift Wanderer auf und schickt sie nach Dresden zurück kontaktsperre wanderer dresden polizei Webseite von Radio Erzgebirge (Screenshot)
Webseite von Radio Erzgebirge (Screenshot)

Es klang wie ein schlechter Aprilscherz, weil es ausgerechnet am 1.4.2020 durch die Medienwelt rauschte: "Polizei greift Dresdner Wanderer bei Rechenberg-Bienenmühle auf". So berichtete Radio Erzgebirge. Die Sächsische Zeitung schrieb "Dresdner Wanderer im Erzgebirge gestoppt". Und selbst die Süddeutsche Zeitung vermerkte unter der Rubrik Gesundheit: "Rechenberg-Bienenmühle - Wanderer wegen Verstoß gegen Infektionsschutz gestoppt".

Blick.de, Radio Dresden, Tag24, die Freie Presse, diesachsen.de und weitere schlossen sich im Laufe des Tages der Berichterstattung an.

Alle Nachrichten berufen sich auf einen Bericht der Deutschen Presseagentur DPA bzw. die originale Pressemeldung der Polizei des Freistaates Sachsen:

Polizisten beendeten Wanderung von zwei jungen Männern

Zeit:     31.03.2020, 14.55 Uhr
Ort:      Rechenberg-Bienenmühle, OT Holzhau

In der Muldentalstraße fielen Beamten nachmittags zwei junge Männer auf (21, 29), die sie einer Personenkontrolle unterzogen. Es bestand der Verdacht, dass die beiden gegen die Allgemeinverfügung (bis 31.03.2020, 24.00 Uhr in Kraft) verstießen. Der Verdacht bestätigte sich den Polizisten im Gespräch mit dem 21- und dem 29-Jährigen. Denn sie gaben an, mit dem Zug von Dresden nach Altenberg gefahren zu sein. Von Altenberg aus seien sie im Anschluss nach Holzhau gewandert. Gegen beide deutschen Staatsangehörigen wurden Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz gefertigt. Zudem mussten sie umgehend die Heimreise nach Dresden antreten. (Ry
) (Zitat von Polizei Sachsen)

Kommentar: So lange einzelne Tourismusunternehmer in Zeiten der Coronavirus-Kontaktsperre und des eingeschränkten Aktionsradiuses damit werben, "nach Holzhau umzusiedeln", ihr "Homeoffice nach Holzhau zu verlegen" oder "im menschenleeren Wald frische Luft zu tanken", ist es nicht erstaunlich, wenn sich Wanderfreunde von diesen Werbebotschaften irritieren lassen. Man könnte sogar unterstellen, dass die Betroffenen mit solchen Werbeaktionen regelrecht aufgefordert werden, gegen die aktuellen Vorgaben zu verstoßen.

Per Whatsapp und Email diskutierten einzelne Holzhauer Einwohner darüber, wie ärgerlich es ist, Holzhau wieder einmal in den Negativschlagzeilen zu finden.

Ähnliche Sachverhalte wurden vor ein Paar Tagen aus einem anderen erzgebirgischen Skigebiet übermittelt. Wintersportler aus Leipzig sollen in einer Skiausleihstation telefonisch versucht haben, Langlaufski für eine Skitour zu reservieren. Bei Hinweisen auf die bestehende Kontaktsperre sollen sie ungehalten und uneinsichtig reagiert haben. 

Alle zitierten Quellen wurden am Ende des Artikels verlinkt.

Die oben genannte "Allgemeinverfügung bis 31.3.2020, 24 Uhr in Kraft" wurde inzwischen bis zum 19.4.2020 verlängert!

 


Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 02.04.2020
Aktuell: 18.05.2020
Seitenaufrufe: 770
Ähnliche Themen: Kontaktsperre Wanderer Dresden Polizei
Leserbriefe, Kommentare und Meinungen zu diesem Artikel

Volker Liebscher: Man könnte sagen: "mit Kanonen auf Spatzen geschossen". Und von Medien offenbar gern aufgenommen. Medien lobten auch die Disziplin der Bürger, als diese in großen Massen auf Wiesen und in Parks den Abstand einhielten. Hier waren es zwei Personen. Hier treffe ich jederzeit, ohne danach suchen zu müssen 3 oder 4 Leute beim gemeinsamen Joggen, Radfahren und Plaudern. Gern auch mal 6 oder 7 dicht zusammen im öffentlichen Raum. Wegen negativer Schlagzeilen sollte man sich keine großen Gedanken machen. Besser "negativ" genannt, als gar nicht drüber gesprochen. Ich mache mir eher Gedanken um die betroffenen Betriebe des Fremdenverkehrs selbst und die daran hängende Infrastruktur. Wenn das länger andauert, wird es da noch arbeitsfähige Hotels und Gaststätten geben? Wenn ja, wird dann noch "Rechenberger" oder nur noch minderwertiges Massenbräu aus Dresden oder gar jwd gezapft? Fährt nach dieser Zeit noch der Zug? Ich wünschte mir das schnell eine Lockerung der Maßnahmen eingeleitet wird. Öffnung von Hotels und Gaststätten, meinetwegen unter strengen Auflagen, was die Anzahl der bedienten Tische und Abstände betrifft. Was aber in Holzhau außerhalb der Ferien ohnehin kaum ein Problem darstellt. Die Einhaltung solcher Regeln sollte man dann eben tatsächlich kontrollieren und Verstöße ahnden.


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