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Die Kaninchenseuchen-Viren RHD und RHDV-2 fordern in Holzhau viele Todesopfer

(Veröffentlicht am 21.08.2020 • Geschätzte Lesedauer: 3-8 Minuten)

Die Kaninchenseuchen-Viren RHD und RHDV-2 fordern in Holzhau viele Todesopfer rhd rhdv2 kaninchen wildkaninchen rabbit haemorrhagic disease Kaninchenkrankheiten kann man zur Zeit nur durch Impfung bekämpfen
Kaninchenkrankheiten kann man zur Zeit nur durch Impfung bekämpfen

In den vergangenen Jahren traten im Erzgebirge verschiedene Tierseuchen auf und belasteten die Tierhalter mit Problemen. Vogelgrippe und Afrikanische Schweinepest sind immer noch nicht überwunden oder breiten sich weiter aus.

Bisher waren nur die Kaninchenhalter in den umliegenden Ortschaften von den RHD- und RHDV-2- Erkrankungen betroffen. Scharenweise starben die Kaninchen innerhalb weniger Stunden. Ganze Tierbestände wurden ausgelöscht. Von diesen Erlebnissen schockiert, gaben einige Kaninchenzüchter die Tierhaltung auf.

In Holzhau hatte man hingegen immer Glück. Immer, bis auf... dieses Jahr. Die Holzhauer Kaninchenzüchter wähnten sich in ihrem -von der industriellen Landwirtschaft verschonten- Naturparadies sicher. Trügerisch sicher.

Im Juli 2020 rollte eine Todeswelle durch die Holzhauer Kaninchenbestände. Allein im Ortszentrum starben zeitgleich etwa 40 Tiere. Der Tierbestand eines langjährigen, vielfach preisgekrönten Rassekaninchenzüchters verstarb komplett. Doch auch bei den anderen Kaninchenhaltern machte die Seuche keinen Unterschied: Edle Rassekaninchen, Knuddel-Zwergkaninchen und Schlachtkaninchen starben ohne erkennbare Vorzeichen und in kürzester Zeit.

Die Ursache für das Kaninchen-Massensterben sind die Viren RHD und RHD-V2. Gegen sie war bis vor kurzem kein Kraut gewachsen, die Erkrankungen gelten unter Wissenschaftlern als "unheilbar", die Todesraten liegen bei "bis zu" 100 Prozent.

Der wesentliche Unterschied zwischen RHD und RHDV-2 besteht darin, dass Jungtiere bis zu einem Alter von 10 Wochen nicht an RHD erkranken. An RHDV-2 erkranken jedoch auch frisch geborene Jungkaninchen. Während RHD in der freien Natur nur Wildkaninchen befällt, tötet RHDV-2 sogar Feldhasen. Im Sinne des Artenschutzes und zur Erhaltung unserer natürlichen Tierwelt müssen die Erreger extrem ernst genommen werden.

Für die beiden Tierkrankheiten besteht in Deutschland (unverständlicherweise) keine Meldepflicht. Die Veterinärämter der Landkreise tappen demzufolge völlig im Dunklen, wenn sie Aussagen zu diesen Erkrankungen machen sollen.

Wir appellieren an alle Kaninchenhalter, Todesfälle freiwillig zu melden, beispielsweise an die Webseite rhd-monitoring.de. Kaninchenhalter können dort in Echtzeit abfragen, ob in ihrer näheren Umgebung Kaninchenkrankheiten aufgetreten sind. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass möglichst viele Meldungen eingehen.

Die Übertragungswege der Viren sind vielfältig. Meist erfolgt die Übertragung von Kaninchen zu Kaninchen, aber auch durch die Kleidung des Kaninchenhalters. Gegenstände, welche im Zusammenhang mit der Kaninchenhaltung benutzt werden, sollte man ebenso kritisch überprüfen.

Es ist beispielsweise üblich, Kaninchen mit einer Transportbox zum Schlachten oder zu Ausstellungen zu bringen. Die Boxen kommen dort mit den Boxen anderer Kaninchenzüchter in Kontakt. Auf dem Nachhauseweg schleppt man das Virus in den eigenen Bestand ein. Noch gefährlicher scheint es zu sein, die gleichen Boxen für den Transport von frisch zugekauften Kaninchen zu verwenden.

Verantwortungslose Tierhalter haben ihre toten Tiere in der Vergangenheit einfach auf dem eigenen Grundstück vergraben. Das Virus kann sich unter der Erde über Jahre halten. Gräbt ein Fuchs das tote Kaninchen aus und schleift es über die Wiese, werden die Viren an das Gras abgestreift. Wird das verseuchte Gras verfüttert, kommt das Virus in den Tierbestand. Im Gras lebende Insekten übertragen das Virus, wenn sie in die Nähe des Kaninchenstalls fliegen, ebenso.

Es wurde nachgewiesen, dass sich das Virus über lange Monate, möglicherweise sogar bis zu einem Jahr, in einem leeren Kaninchenstall halten kann. Einige Kaninchenhalter in Holzhau haben gleich den gesamten Kaninchenstall entsorgt bzw. zu Feuerholz verarbeitet. Das kann man machen. Muss man aber nicht. 

Um das Virus wieder aus dem Stall zu bekommen, sollte man den Stall und alle Einrichtungsgegenstände mit einem starken Desinfektionsmittel reinigen. Es muss "unverhüllte Viren" vernichten können. Ein geeignetes Produkt ist "Halamid" (Beim Tierarzt erhältlich, bitte Warnhinweise auf der Verpackung beachten).

Um die Kaninchen vor dem sicheren Tod zu retten, hilft nur: Impfen.

Leider ist die (kurze) Geschichte der RHD-Impfstoffe ein verwirrendes Hickhack. Frankreich war das erste Land, welches einen Impfstoff angeboten hat. Leider hat man diesen Impfstoff in Deutschland anfangs nicht zugelassen. Dann war er nur mit einer Sondergenehmigung importierbar. Die Sondergenehmigung kostete Geld und war für private Kleintierhalter kaum erschwinglich. Später wurden Impfstoffe wieder vom Markt genommen bzw. die Zulassung zurückgezogen. All das hat dazu geführt, dass Kaninchenhalter zutiefst verunsichert und auch schlecht informiert sind. 

Derzeit spritzen unsere Tierärzte einen Kombiwirkstoff gegen beide Virenstämme, z.B. FILAVAC VHD K C+V. Eine Impfung sollte nicht mehr als 5 Euro pro Tier kosten. Problematisch ist, dass es den Impfstoff momentan nur in Dosierungen für 50 und 200 Kaninchen gibt. Es ist also ratsam, einen Impftermin zu vereinbaren. Auch bei der Fahrt zum Tierarzt sollte man an die ständig vorhandene Infektionsgefahr denken.

Bis zum Eintreten des Impfschutzes können ein bis drei Wochen vergehen. Infiziert sich ein Kaninchen während dieser Zeit, stirbt es wie alle anderen -ungeimpften- Kaninchen innerhalb weniger Stunden. Als schwacher Trost bleibt dem Tierhalter dann nur die Gewissheit, dass er alles Erdenkbare getan hat, um seine Tiere zu retten.

Nachtrag: Nach Hinweisen vom 26.8.2020 ist das Kaninchensterben jetzt im Holzhauer Oberdorf angekommen und forderte etwa 10 weitere tote Tiere. 

 


Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 21.08.2020
Aktuell: 26.08.2020
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