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"Der Katzenstein bei Holzhau" oder "Wie der Ortsteil Bienenmühle beinahe den Namen Katzenstein erhalten hätte"

(Veröffentlicht am 06.10.2020 • Geschätzte Lesedauer: 5-13 Minuten)

Der Katzenstein bei Holzhau oder Wie der Ortsteil Bienenmühle beinahe den Namen Katzenstein erhalten hätte katzenstein holzhau wanderung  Bildtitel: Moldau und letzte Häuser von Oberholzhau vom Katzenstein aus, Oswald Paul 1936
Bildtitel: Moldau und letzte Häuser von Oberholzhau vom Katzenstein aus, Oswald Paul 1936

Der "Katzenstein", ein 796m hoher Fels aus Granitporphyr, ermöglichte früheren Generationen einen grandiosen Blick auf das Freiberger Muldental. Die heutigen "Mittfünfziger" kennen ihn noch von den Wandertagen im Kindergarten oder vom Spielen.

Der Katzenstein ist neben dem steilen Nordufer der Freiberger Mulde dafür verantwortlich, dass Holzhau nicht als zweireihiges Waldhufendorf angelegt werden konnte. 

Es wurde deshalb am südlichen Ufer ein einreihiges Dorf angelegt. Da aber muldenaufwärts auch dieses Ufer bald zu steil wird, weil ein Gang von Granitporphyr das Tal quert, konnte nur ein Teil der vorgesehenen Bauernhöfe am Muldenufer Platz finden; die übrigen wurden an dem Bächlein aufgereiht, das Nordrichtung hat und hier in die Mulde mündet. So entstand die eigenartige Form eines einreihigen Waldhufendorfes, dessen Achse einen Winkel von etwa 110 Grad bildet. (Nach Löscher / Langer: Geschichte der Freiberger Grundstücke, 1935)

Anmerkung:  Das Bächlein mit Nordrichtung ist unter dem Namen "Bitterbach" bekannt.

Schon vor etwa 90 Jahren, am 1. Januar 1929, fand ein "Bummel nach dem Katzenstein" statt. Dazu reiste man extra mit der Bahn von Freiberg nach Holzhau an.

Das rechts stehende Foto von Oswald Paul trägt den Titel "Moldau und letzte Häuser von Oberholzhau vom Katzenstein aus. Oberstes Talstück der Freiberger Mulde". Auf dem Bild von 1936 sieht man den Ortsteil rund um das "Teichhaus", die heutige Staatsstraße S185, die Bahnstrecke nach Moldava und die Häuser, die sich entlang des Weges nach Moldava aneinanderreihen. Die Häuser in Richtung Moldava wurden nach dem 2. Weltkrieg abgerissen. Auch die Kirche von Moldava ist auf dem Foto zu erkennen.

Dieses und weitere Fotos befinden sich in den privaten Sammlungen der Holzhauer Einwohner. Durch eine Recherche in der Deutschen Fotothek konnte der Fotograf und das Aufnahmejahr ermittelt werden. (Siehe Link am Ende des Artikels)

Im Prospekt des Betriebsferienheimes "Teichhaus" (ca. 1960) ist ebenfalls ein Foto mit dem Titel "Blick vom Katzenstein" zu finden. 

Martin Hammermüller schrieb 1966 in seinem Buch "Werte  der Deutschen Heimat" (Seite 106) über den Katzenstein:

Im Fischerwald steigt im Bereich des breiten Granitpophyrganges der Katzenstein mit einer wuchtigen, freistehenden Wand empor, von Blöcken umgeben und nach oben sich in solche auflösend. Er gewährt einen Ausblick in die schon recht tief eingegrabenen waldigen Täler und auf den kahlen Gebirgskamm.

In den Jahren 1986 bis 1988 wurde das Waldgebiet um den "Katzenstein" als Rauchschadstufe 1 deklariert. Es war eine Einordnung in die schlimmste Schadstufe:

  • Zone 1: Die Fichte fällt auf 10 Jahre aus.
  • Zone 2: Die Fichte stockt im Wuchs, kann nur etwa 70 Jahre alt werden.
  • Zone 3: Der Fichtenanbau ist bedingt noch möglich.
  • Zone 4: Gesunder Wald.
Waldgebiete mit der Einstufung in die "Rauchschadstufe 1" wurden zu dieser Zeit forstwirtschaftlich aufgegeben. Bei der Schadstufe 2 wurde noch versucht, den Baumbestand mittels Düngung und Kalkung zu retten.
 
Dank geänderter gesellschaftlicher Umstände verbesserte sich der Zustand unserer Wälder. Eine Rückschau auf die Prognosen aus den 80er Jahren zeigt, dass nicht alles eintrat, was damals so drastisch beschrieben wurde. Wäre die Fichte tatsächlich "auf 10 Jahre ausgefallen", müsste man heute nicht die Nadelwald-Monokulturen im Erzgebirge beklagen.
 
Der "Katzenstein" geriet in den vergangenen Jahrzehnten in Vergessenheit, selbst bei den alteingesessenen Holzhauern. Durch eine zunehmende Verwahrlosung des Waldgebietes rund um den Felsen wurde er für Wanderer unattraktiv und gefährlich. Von Bäumen eingewachsen, bot er zudem nicht mehr jene erhebende Aussicht wie vor Jahrzehnten.
 
Am 4.2.2009 organisierten die "Freiberger Wanderfreunde" in Holzhau eine "Skiwanderung zum Katzenstein", über die es aber keinen Bericht gibt.
 
Steffen Ulbricht vom "Freiberger Wochenspiegel" versuchte ebenfalls, den Fels zu besteigen und berichtete am 27.8.2012 darüber. Über die Zustände rund um den Katzenstein schrieb er:
  • "Ein Hinweis auf den Katzenstein findet sich nirgends".
  • "...der Wegbewuchs wird nun extrem dicht und hoch. Durch die mannshohen Brennnesseln schlägt man sich am besten mit einem Buchenholzknüppel den Weg frei."
  • "Während beim Morgenstein wenigstens noch ein Schild auf den Berg als solches hinwies, fehlt beim Katzenstein ein menschlicher Hinweis völlig."
  • "Zerzauste Riesenfichten, Geröll, Heidelbeerbänke - und jede Menge Gestrüpp."
  • "Wegen des vielen Gestrüpps sind lange Hosen und festes Schuhwerk anzuraten."
Wer in den letzten Jahren nach dem "Katzenstein" suchte, wurde meist auf den gleichnamigen Felsen im Schwarzwassertal, zwischen Pockau, Zöblitz und Reitzenhain gelegen, verwiesen.
 
Um so erfreulicher ist, dass man in den letzten Monaten daran gearbeitet hat, den Katzenstein wieder für Wanderer attraktiv zu machen. Am 24. Oktober 2020 wird daher in Holzhau eine "Erstbegehung" stattfinden. Das ist zwar -aus historischer Sicht- absoluter Unfug, doch es gibt inzwischen zwei Generationen und jede Menge "Zugezogene", für die es eine "Erstbegehung" sein könnte.
 
Abschließend noch eine interessante Geschichte, welche aus dem "FRAUENSTEINER ANZEIGER" Nr. 63 vom Donnerstag, den 15.03.1934 stammt. Die Bürger sollten Vorschläge machen, wie der Ortsteil Bienenmühle künftig heißen solle.
 
"Bienenmühle"?

Auf unsere Bitte, an der Ermittlung des neuen Ortsnamens rege mitzuarbeiten, sind uns zahlreiche Eingänge zugegangen. Diese können in drei Hauptgruppen eingeteilt werden, und zwar: Vollkommen neue Bezeichnungen, Verschmelzung der drei bisher bestehenden Ortsnamen und als Gesamtnamen einen der bisher bestehende.
 
In die zweite Gruppe fallen "Bienenholzberg", "Holzmühlenberg" usw. Unserer Ansicht nach können diese gemischten Namensbezeichnungen in Wegfall kommen, da sie zu keinem guten Resultat führen werden.
 
Mehr Berechtigung haben schon die Namen "Grünschönberg", "Sachsenwald", "Muldenaue" sowie "Katzenstein".
 
"Grünschönberg", eine Bezeichnung, die bis ins Mittelalter und auf ein großes Gut mit ausgedehnten Waldungen auf Rechenberger Flur zurückverfolgt werden kann, ist auch klanglich sehr ansprechend. Der Name "Sachsenwald" und weitere, die auf den reichen Waldbesitz unserer Umgebung Bezug nehmen, sowie "Katzenstein", ein Bergvorsprung, der von Holzhau aus einen Gesamtüberblick über das Muldental ermöglicht, haben trotz aller klanglichen Güte und nicht anzuzweifelnder Berechtigung den einen Nachteil, daß sie eine vollkommen neue Bezeichnung sind.

Daß eine neue Ortsbezeichnung einen schweren Stand haben wird und sich Beliebtheit erst erkämpfen muß, ist einleuchtend. Darum erscheint ein Vorschlag, der in den letzten Tagen oft genannt wurde, näherer Betrachtung würdig.
 
Der Vorschlag lautet, für die drei Ortsteile den schon bestehenden und überall im Reich bekannten Namen "Bienenmühle" einzusetzen. Gegen diese Bezeichnung ist nichts einzuwenden, als daß die anderen Ortsteile ihren Namen verlieren müssen.
 
Dem von den Rechenbergern erhobenen Einspruch, daß Rechenberg die Urgemeinde sei, seine Entstehung bis in das 12. Jahrhundert zurückgehe und es eine stolze Vergangenheit habe, Bienenmühle dagegen eine Neugründung sei, ist entgegenzuhalten, daß Rechenberg sich allein nie hätte halten können, denn die erhaltene Steuerkraft liegt zum Hauptteil in Bienenmühle.
 
Ohne die verbindende Bezeichnung "Bienenmühle" ist Rechenberg so gut wie unbekannt.

Ein weiterer Einspruch könnte vom Holzhauer Standpunkt erhoben werden, insofern als gesagt wird, Holzhau sei als Sommerfrische bekannt, Bienenmühle dagegen nicht.
 
In diesem Fall können wir erklären, daß, wer einmal in Holzhau zur Sommerfrische oder zum Wintersport war, den Ort Bienenmühle genau kennt, ganz abgesehen davon, daß der nach Holzhau Reisende durch den Bahnhof Bienenmühle fahren muß.
 
Zerfallen die Gründe, die man gegen die Bezeichnung "Bienenmühle" einwenden könnte,bald, so sind die Gründe, die dafür sprechen, derart einwandfrei, daß man diese Bezeichnung für die vorteilhafteste halten muß.
 
Vor allen Dingen kommt keine neue Ortsbezeichnung auf, die sich eventuell schädigend auswirken könnte. Bienenmühle ist als Verkehrsknotenpunkt auf jeder Karte verzeichnet und im Deutschen Reich bekannt. Dasselbe gilt für die Industrie, die bei einer Umbenennung ebenfalls zu kämpfen hätte.
 
Die Behörden, Post, Reichsbahn, Forst, Zoll, haben ihren Sitz in Bienenmühle. Es ist durch zwei Omnibuslinien mit der Umwelt verbunden, wie es überhaupt vom gewerblichen Standpunkt und wie sein Aeußeres schon zum Ausdruck bringt, das Herz des oberen Muldentales ist.
 
Kommentar der Redaktion: Die Rivalitäten zwischen den Ortsteilen und die dabei verwendete Argumentation scheinen sich bis heute gehalten zu haben :-) 
 
 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 06.10.2020
Aktuell: 20.10.2020
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Leserbriefe, Kommentare und Meinungen zu diesem Artikel

Volker Liebscher: Sehr schöner, vor allem informativer Beitrag. Und ein tolles Foto. Solchen Blick vom Katzenstein kann man sich heutzutage, beim besten Willen nicht mehr vorstellen. So stark ist er in den Wald eingebaut. Wenn ich ihn besuchen möchte, wähle ich den Weg vom Morgenstein. Von meinem Besuch von vor 4 Jahren: https://holzhau-wanderer.blogspot.com/2016/12/vierstein-wanderung.html


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