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Fakenews-Alarm bei der Leipziger Volkszeitung: "Erzgebirge ist Corona-Risikogebiet!"

(Veröffentlicht am 14.10.2020 • Geschätzte Lesedauer: 3-9 Minuten)

Fakenews-Alarm bei der Leipziger Volkszeitung: Erzgebirge ist Corona-Risikogebiet!  fakenews corona erzgebirge erzgebirgskreis mittelsachsen osterzgebirge  Bildquelle: Screenshot, Webseite der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG am 12.10.2020 um 14:22 Uhr
Bildquelle: Screenshot, Webseite der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG am 12.10.2020 um 14:22 Uhr

Die Nachricht der "Leipziger Volkszeitung" schlug am Montag (12.10.2020) wie eine Bombe ein: "Erzgebirge ist erstes Corona-Risikogebiet in Sachsen - kein einzelner Hotspot".

Weitere Medien schlossen sich dieser Berichterstattung an, wie beispielsweise das Sachsenfernsehen oder Welt.de.

Für die Ausrufung von "Risikogebieten" ist in Deutschland das Robert-Koch-Institut (RKI) zuständig. Auf dessen Webseite findet man bis heute, wenn man nach "Risikogebiet Erzgebirge" oder "Erzgebirge" sucht, nur einen einzigen Eintrag: "Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2003". Im dazu gehörenden PDF kann man nachlesen, dass es im Jahr 2003 zu erhöhten Werten beim EHEC-Erreger gekommen ist. Doch der Begriff "Erzgebirge" wird nur einmal erwähnt und steht in einer Liste, in dem auch andere Gebirge genannt werden.

Eine intensive Suche im Web, vor allem auf den Seiten des Freistaates Sachsen, ergab dann, dass die Meldung der "Leipziger Volkszeitung" falsch, ungenau und irreführend ist. Wäre man böswillig, würde man den Bericht als "Fakenews" bezeichnen.

Der reißerischen Schlagzeile fehlt es an journalistischer Sorgfaltspflicht.

Richtig ist: Das Erzgebirge ist etwa 95 Kilometer lang und ca. 30 Kilometer breit. Es besteht aus einem deutschen und einem tschechischen Teil. Den Naturraum Erzgebirge gliedert man in Westerzgebirge, Mittleres Erzgebirge und Osterzgebirge. Der Gebirgszug ist auf sächsischem Gebiet in drei Landkreise gegliedert: Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz / Osterzgebirge

Richtig ist: Der ErzgebirgsKREIS meldete am letzten Wochenende eine Zahl von positiv Getesteten, die über dem aktuell vorgegebenen Grenzwert lag.

Richtig ist: Das Erzgebirge ist nicht nur der "Erzgebirgskreis", sondern größer.

Richtig ist: Das Erzgebirge ist kein "Risikogebiet"!

Richtig ist: Das sächsische Sozialministerium hat den ErzgebirgsKREIS nicht zum Risikogebiet erklärt, sondern als "Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko" bezeichnet.

Richtig ist: Für das Erzgebirge gibt es keine Reisewarnung. Selbst eine "Reisewarnung" wäre kein "Reiseverbot".

Richtig ist: Holzhau liegt im Landkreis Mittelsachsen.

Richtig ist: Es gibt bis heute keine rechtliche Handhabe, um eine Reise nach Holzhau "wegen Corona" zu stornieren

Nachtrag vom Samstag, den 17.10.2020:

Richtig ist: Bis heute hat das RKI weder den Erzgebirgskreis noch das gesamte Erzgebirge offiziell zum "Risikogebiet" erklärt.  

Mittlerweile versuchen andere Medien wie der Mitteldeutsche Rundfunk MDR, die Wogen zu glätten. Damit es auch die geringer Qualifizierten unter den "Journalisten" verstehen, haben wir den MDR-Beitrag "Nachrichten in leichter Sprache:  Im Land-Kreis Erzgebirgs-Kreis haben viele Menschen das Corona-Virus" am Ende unseres Artikels verlinkt. Zusätzlich frischen wir auch gern ihr Wissen zur näheren Umgebung von Leipzig auf, indem wir den Wikipedia-Eintrag zum Erzgebirge für Sie verlinken.

Erzgebirgische Tourismusunternehmer lassen derzeit prüfen, ob sie den personellen Mehraufwand zur Abwehr einer Stornierungswelle von der "Leipziger Volkszeitung", von Welt.de oder dem Sachsenfernsehen zurückfordern können.

Schauen wir auf die aktuellen Corona-Fallzahlen, die der Freistaat Sachsen veröffentlicht hat und versuchen wir, die offiziellen Zahlen zu interpretieren.

Beim ersten Blick ist auffällig, dass die Landeshauptstadt Dresden, die Stadt Chemnitz, der Landkreis Görlitz und unser Landkreis Mittelsachsen am 13.10.2020 keinen einzigen, positiv getesteten Corona-Fall gemeldet haben. Der ErzgebirgsKREIS meldet hingegen 108.

Aus den Zahlen geht nicht hervor, ob es keinen neuen Fall gab, ob nicht getestet wurde oder keine Meldung erfolgte. Eine NULL ist demzufolge kein Grund zum Jubeln.

Mit dem Wert "108" entfallen mehr als 50 Prozent aller neuen Coronafälle ganz Sachsens auf den ErzgebirgsKREIS. Im gesamten Freistaat wurden 202 Neuinfizierte gemeldet.

Der Landkreis Mittelsachsen verzeichnete seit Anfang März 2020 insgesamt 485 positiv getestete Personen. Das entspricht 158 pro 100000 Einwohner. Zehn Todesfälle wurden seit März der Corona-Statistik zugeordnet. 

In absoluten Zahlen, ohne Berücksichtigung der Bevölkerung, ist der Landkreis Zwickau mit 1136 positiv Getesteten Spitzenreiter, gefolgt vom Erzgebirgskreis mit 1125, der Stadt Dresden mit 1043 und Leipzig mit 1022.

Bei den Infizierten bzw. "positiv Getesteten pro 100 000 Einwohner" steht der Landkreis Zwickau mit 357 auf dem traurigen ersten Platz, gefolgt vom Vogtlandkreis mit 337 und dem ErzgebirgsKREIS mit 333.

Der ebenfalls zum Erzgebirge gehörende Landkreis Mittelsachsen rangiert mit 158 pro 100T Einwohner weit hinter Dresden, Leipzig, dem Landkreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge oder dem Landkreis Meissen. Damit belegt er, wenn wir uns nicht völlig vertan haben, einen der letzten Plätze. Nur in den Landkreisen Leipzig (Land) und Nordsachsen gibt es derzeit weniger Infizierte pro 100T. (Stand: 13.10.2020 12:30 Uhr)

Leider geben die offiziellen Zahlen keinerlei Aufschluss darüber, wie viele Tests pro Tag (und in welcher Region) durchgeführt werden und welcher Prozentsatz der Bevölkerung bisher überhaupt getestet wurde. Daher ist auch keine Auswertung möglich, wie viele Tests schlussendlich positiv ausgefallen sind.

Der Freistaat Sachsen meldete gestern insgesamt 8721 bestätigte Coronafälle - seit März 2020. In Relation zur Einwohnerzahl in Sachsen, die derzeit mit etwa 4,025 Mio. Menschen angegeben wird, liegt der Prozentsatz der positiv Getesteten bei 0,216 Prozent.

Für Journalisten ohne größere Mathematikkenntnisse: Die etwa fünffache Menge, nämlich 40250 bestätigte Fälle, wären 1 Prozent der sächsischen Bevölkerung.

Oder noch einfacher erklärt: Wenn es in Sachsen insgesamt fünf mal so viele Corona-Fälle wie bisher werden, wurde einer von hundert Einwohnern positiv auf das Coronavirus getestet. Ob die Krankheit dann aber auch ausbricht oder gar zum Tod führt, kann niemand vorhersagen. 

Bitte bleiben Sie körperlich und psychisch gesund.

 

PS: Alle Bürger haben die Möglichkeit, gegen falsche / tendenziöse Berichterstattung, nicht erkennbare Vermischung von "Nachricht" und "Meinung", Eingriffe in die Pressefreiheit, Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht usw. vorzugehen, indem sie sich an den Deutschen Presserat wenden und dort Beschwerde einreichen.

 


 

 

 

Informationen zu diesem Artikel:

Erstellt: 14.10.2020
Aktuell: 17.10.2020
Seitenaufrufe: 451
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Leserbriefe, Kommentare und Meinungen zu diesem Artikel

Andreas Dittrich: Wenn halbherzig recherchierte Nachrichten in der Zeitung und eilig überfliegende Leser aufeinandertreffen kommt nur Unfug raus.

Volker Liebscher: Ein Segen für uns Alle wäre es, würden immer nur ernsthafte und von seriöser Quelle veröffentlichte Daten, die Basis von Berichterstattung und Meinungsbildung darstellen. In Bezug auf Covid19 ist das, meines Wissens das RKI - niemand anderes. Diese Quelle hat zumal den Vorteil, von allen Seiten, nämlich Bürgern, Medien und Verantwortlichen gleichermaßen verfügbar zu sein. Auch für Beherbergungseinrichtungen. Die jetzige Verfahrensweise, dass immer wieder unterschiedliche Datenlagen und deren Interpretationen eingesetzt werden, erzeugen Verunsicherung, dort wo eigentlich Klarheit herrschen sollte. Auch in Berliner Tageszeitungen kann man zum Beispiel inzwischen lesen, dass ganz Berlin ein Risikogebiet ist. Ist es aber nicht. Das RKI führt die Berliner Bezirke einzeln auf. 7 davon sind Risikogebiete, 5 sind es nicht. Wie bei jedem anderen Bundesland erfasst das RKI aber auch die - nicht für den Status als Risikogebiet maßgebliche - Zahl für das gesamte Bundesland. Nach der zur Zeit mancherorts üblichen Logik ist dann auch bald ganz NRW Risikogebiet. Stand 16.10.2020 00:00 Uhr hat NRW gesamt nämlich jetzt 49,81 als Gesamtinzidenz. Inzwischen berichten u.a. der RBB dass Cottbus die 50 überschritten habe. Das RKI meldet 36,1. Allerding für den Oder-Spree-Kreis 45,9. Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Gesamt.html und https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4/page/page_0/


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