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25.11.2006: Scheune an der alten Holzhauer Möbelfabrik niedergebrannt

(Veröffentlicht am 26.11.2006 • Geschätzte Lesedauer: 2-4 Minuten)

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Samstag abend, 25.11.2006: Feueralarm wird ausgelöst und die Holzhauer Feuerwehr fährt mit Blaulicht zur Einsatzstelle. Nach kurzer Zeit treffen auch die Feuerwehren aus den anderen Ortsteilen ein.

An der alten Möbelfabrik im Holzhauer Muldental brennt es, wieder einmal. Schon vor einigen Wochen ermittelte die Kriminalpolizei wegen Brandstiftung.

Dieses mal brennt die alte Scheune direkt an der Straße. Das Gebäude ist vollgestopft mit Strohballen, welche von einem der Vorbesitzer zu stammen scheinen. Dieser wollte hier einen Pferdehof errichten, ist aber seit ca. 2 Jahren "angeblich unbekannt verzogen".

 Trotz intensiver Löschversuche ist das Gebäude nicht mehr zu retten und brennt bis auf die Grundmauern nieder. Nach vorliegenden Informationen ermittelt die Polizei nun wegen mehrfacher Brandstiftung.

Die seit Jahren langsam verfallende Möbelfabrik hat eine bewegte Geschichte. Vor hunderten von Jahren wird sie erstmals als "obere Brettmühle" erwähnt. Diese Brettmühle gilt als sicherer Hinweis auf eine Ansiedlung namens "Holzhawe". Das Sägewerk arbeitete mit Wasserkraft und bezog das nötige Wasser über einen Mühlgraben aus der Freiberger Mulde. Nur eine Baumreihe erinnert heute noch an diesen Mühlgraben.

Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte die Wandlung in eine sozialistisch-planwirtschaftlich geführte Möbelfabrik (Anfangs noch "halbstaatlich"). Täglich wurden ca. 50 Schrankwände, meist  für das "nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet" produziert. Zu den  bekanntesten Kunden gehörten Otto, Quelle, Ikea und  Genex. Gleichzeitig kamen Großkunden aus Großbritannien und Frankreich hinzu, die in Deutschland weniger bekannt sind. Sie kauften oftmals über Jahre die gesamte Produktion des Betriebes auf. Im Werk arbeiteten durchschnittlich 30-40 Mitarbeiter.

Für die einheimische Bevölkerung blieb nur die "B-Ware", auch bekannt als "2. Wahl" oder "Bevölkerungsbedarf". Trotzdem waren die Möbel auch im Inland sehr begehrt, denn selbst diese bekam man nur durch "Beziehungen".

Trotz der florierenden und devisenbringenden Unternehmenstätigkeit war die Bausubstanz schon vor 1990 extrem schlecht. Die Logistik, die Transportwege und -mittel waren umständlich, zeitraubend und qualitätsmindernd. Alle Möbelteile mußten mit LKWs auf schlechten Straßen, bei jedem Wetter, von Bienenmühle herangefahren werden. So gab es noch kurz vor der "Wende" ein Projekt für einen großzügigen Umbau. Mit der Wiedervereinigung wurde dieses Vorhaben allerdings zu den Akten gelegt und das Unternehmen geschlossen.

Nach 1990  folgten einige erfolglose Reprivatisierungsversuche, welche in mehreren Besitzerwechseln endeten und den heute jämmerlichen, touristisch unattraktiven Anblick zur Folge haben.

 


Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 26.11.2006
Aktuell: 22.02.2018
Seitenaufrufe: 6766
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