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"Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar" - Zumindest in Holzhau

(Veröffentlicht am 21.08.2007 • Geschätzte Lesedauer: 3-8 Minuten)

Der Erzgebirgler ist ja, was Blitzeinschläge betrifft, einiges gewöhnt. Naht ein Gewitter, reißt man vorsichtshalber alles aus der Steckdose, was irgendwie im Zusammenhang mit Strom, Antenne oder Telefon stehen könnte. Nur allzu groß ist die Angst vor Schäden an Computern, Telefonen, Faxgeräten, Fernsehern, Waschmaschinen, Ölheizungen und den damit einhergehenden Unannehmlichkeiten mit Versicherungen und Dienstleistern.

Man ist auch geduldig, wenn Telefon, Telefax, Internet und Email ein paar Tage lang nicht funktionieren, weil die Telekom die Reparaturen nicht in angemessener Zeit erledigen kann. Den Ausredenkatalog kennt man noch aus DDR-Zeiten: Nicht genug Personal, nicht genug Ersatzteile, eine "Eskalation" an einem anderen Ort, Ausfall in der Vermittlungsstelle usw.

Was die Telekom jedoch im  Sommer 2007 veranstaltet hat, ist noch unübertroffen: Seit Ende Mai sind einige Unternehmen und Vermieter lediglich sporadisch erreichbar. "Rechnet man alles zusammen, haben wir seit Ende Mai acht Wochen lang keinen Telefonanschluß gehabt", wird berichtet. Und das Schlimmste: Es kommt einfach niemand mehr, um den Schaden schnell zu reparieren. Erst war es der wochenlange Streik der Telekom-Mitarbeiter, danach das aufgestaute Arbeitsvolumen. Jetzt ist es wahrscheinlich wieder mal "der fehlende Datalink vom OPAL bis zum NTBA oder auf der TAE ist kein D-Kanal" - wer kommt da als Laie noch mit ? Und muß man das überhaupt verstehen ?

Nun ist es müßig, verbal auf das gesamte Unternehmen Telekom einzudreschen. Denn wenn endlich mal ein Monteur kommt, zeigt sich dieser oft wenig kooperativ, unfreundlich, arrogant und herablassend. Jedem Unternehmer stehen da sofort die Haare zu Berge, weil er befürchten muß, daß die eigenen Arbeitnehmer vielleicht genauso auftreten. Ist es also eher ein menschliches Problem ? Hat das Unternehmen Telekom zu viele Mitarbeiter, die noch gar nicht begriffen haben, wie man gegenüber Kunden aufzutreten hat ? Und wieso hat man in der T-Com zu viele Mitarbeiter, wenn gleichzeitig gesagt wird, man habe keinen, der diese Störung jetzt beseitigen kann ?

Die ersten "streitsüchtigen Bergdorfbewohner" versuchen nun, die Telekom per Einstweiliger Verfügung zur Einhaltung der Verträge und zur Entstörung des Anschlusses zu zwingen - aber ob das hilft ? Man stelle sich einmal vor, als Hotelier bekäme man einen Gerichtsbeschluß zugestellt, in dem Touristen die "Übernachtung im Hotel gegen Bezahlung" erstreiten. In einer Marktwirtschaft muß man auf diese Weise Unternehmen zwingen, etwas zu verkaufen  - Ist doch absurd, oder ? Das Verhalten des "Großen T" paßt überhaupt nicht in unsere Gesellschaftsordnung !

Seit Wochen beschweren sich Touristen über die schlechte Erreichbarkeit der Hotels, Pensionen und Vermieter. "Habt Ihr es nicht mehr nötig oder was ? Wegen Reichtums geschlossen ?" sagte ein Herr am Telefon zu mir. Wenn es irgendwo Probleme gibt, ist holzhau.de oft die erste Anlaufstelle für Touristen. Es ist schwer, Außenstehenden die Situation zu erklären, sie zu beschwichtigen und dabei noch freundlich zu bleiben. Immerhin muß man hier Frust glätten, welchen man nicht selbst verschuldet hat.

Glück hat man, wenn beim Anruf eine Ansage mit dem Text "Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar" zu hören ist. Oftmals hört der Anrufer nämlich gar nichts, ein Störungs-, Besetzt- oder schlimmstenfalls das normale Rufzeichen. Für den Anrufenden entsteht der Eindruck: Da hebt niemand mehr ab. Wie sehr darf man die Geduld seiner Kunden strapazieren, bis sie sich über den Geschäftsleuten der Region entlädt ?  

Was mich aber endgültig zum Schreiben dieses Artikels bewegt hat, ist der Anruf eines total verärgerten, aufgeregten Herren. Er hatte über das Internet Waren bei einer Firma aus der Region bestellt und per Vorkasse bezahlt. Er wartet seit 2 Wochen auf seine Lieferung und wollte von mir wissen, ob diese Firma überhaupt noch existiert. Keine Antworten auf Emails. Telefon und Fax seien unerreichbar. Er hätte schon das Gewerbeamt und Gewerbeaufsichtsamt informiert. Eine Strafanzeige wegen Betruges wolle er  bei der Staatsanwaltschaft auch noch erstatten.

Woher soll der Onlinehändler von seiner Bestellung wissen, wenn er seit Wochen vom weltweiten Netz abgeklemmt ist ? Klar ist verständlich, daß der Kunde um sein Geld fürchtet und beginnt, Maßnahmen gegen den vermeintlichen Betrüger einzuleiten !

Aus meiner hauptberuflichen Tätigkeit weiß ich: Leider kein Einzelfall. Mehrere Onlinehändler der Region können nicht mehr arbeiten, weil sie nur noch Offline-Händler sind.  Schadensersatz ? Vielleicht eine anteilige Erstattung der Telefon-Grundgebühr ? Von den (max.) 15 Euro sollen sie dann ihre Ausgaben decken ?

Sollte also in den nächsten Tagen bei dem ein oder anderen die Polizei auftauchen und ihn zu seinen Onlinegeschäften befragen, wird er sehr schnell wissen, daß er das dem magentafarbenen T zu verdanken hat. Für einen Geschäftsmann bedeutet das: Neben seinem Ärger über den defekten Telefonanschluß ist er nun auch noch des Betruges verdächtig. Der Staatsanwalt hat das Wort.

Die Einwohner unserer Region haben im Frühling mit einer Unterschriftenaktion von der Telekom schnelle DSL-Internetanschlüsse gefordert.

Werden wir in wenigen Wochen für einen stabil funktionierenden Telefonanschluß auf die Straße gehen müssen ? Oder nutzt man die schneefreie Zeit besser, um in Eigenregie schnell noch ein paar Leitungen ins südliche Nachbarland zu verlegen ?

Globalisierung, wir kommen ! Notfalls mit berittenen Boten !

 


Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 21.08.2007
Aktuell: 21.02.2018
Seitenaufrufe: 8624
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