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"Im Eiskanal": Loipentest vom 13.1.2008

(Veröffentlicht am 14.01.2008 • Geschätzte Lesedauer: 4-11 Minuten)

Im Eiskanal: Loipentest vom 13.1.2008 loipe langlauf loipentest skigebiet sport wintersport

Seit einer knappen Woche pendelt das Thermometer unentschlossen um den Gefrierpunkt. Tagsüber wurden Temperaturen bis zu 7 Grad über Null gemessen. In den Nächten ließen  minus 5 Grad Celsius den weich gewordenen Schnee wieder zu einer betonharten Kruste zusammenfrieren. Der sehnlichst erwartete Neuschnee ist ausgeblieben. Am vergangenen Montag hat es abwechselnd geregnet und in großen Flocken naß geschneit. Danach sind die Temperaturen gesunken. Viele Gehwege haben sich in Rutschbahnen verwandelt.

Ich möchte gleich vorausschicken, daß ich kein Liebhaber von vereisten Langlaufloipen bin. Einerseits ist die Verletzungsgefahr bei einem Sturz sehr hoch, wenn man ungebremst auf den harten Schnee aufschlägt. Bei Abfahrten sind die starken Vibrationen nicht ganz so förderlich für die Gelenke. Andererseits geht eine eisige Loipe sehr ans Material. Skier und Schuhe sehen nach dem Skifahren aus, als hätte man sie mit einer Raspel bearbeitet.

Bei "suboptimalen" Schneebedingungen, aber strahlendem Sonnenschein hat man am Vormittag des heutigen Sonntags Probleme, einen Parkplatz neben der Fischerbaude zu bekommen. Wir gehören gegen 11.30 Uhr zu den Glücklichen.  Wer später anreist, muß vorübergehend mit der Straße vorliebnehmen.

Wir starten ins Loipennetz und passieren die "beleuchtete Nachtloipe". Die Skier laufen gut, weil ich einen Teil der Laufsohle mit einem leichten Steigwachs behandelt habe. Sonst könnte man sich auf der völlig vereisten Spur nicht richtig abdrücken und die Skier würden mehr rückwärts als vorwärts fahren. Wenn Sie ausschließlich Langläufer sind und noch nie einen künstlich beschneiten Skihang hinabgefahren sind: Heute haben Sie in der freien Natur das Gefühl, auf Kunstschnee zu laufen. Die Kristalle haben eine andere Konsistenz, sie haften besser aneinander und die Schneedecke fühlt sich dadurch härter an. Es sind frühlingshafte Skibedingungen.

In der Loipe zum Torfhaus gibt es Eispassagen, auf denen die Skier das Geräusch einer fahrenden Straßenbahn erzeugen. Trotzdem: Das sonnige, milde Wetter und der blaue Himmel entschädigen für vieles. An der nächsten Kreuzung biegen wir halbrechts ins tschechische Skigebiet ab. Nach einem kleinen Anstieg und einer wenige hundert Meter langen Geraden erreichen wir die Staatsgrenze zur Tschechischen Republik.

Hier endeten bis zum 21.12.2007 alle "offiziellen" Wanderungen und Skiausflüge. Natürlich haben Einheimische diese Stelle in der Vergangenheit gelegentlich für "den kurzen Weg nach Hause" genutzt. Und weil in Holzhau jeder jeden kennt, stand die Bundespolizei manchmal schon vor der Haustür, bevor der "Täter" sein eigenes Haus erreichte.

Im Herbst 1989 wurden Mitglieder der "Kampfgruppe der Arbeiterklasse" aus den Produktionsbereichen der volkseigenen Betriebe abgezogen. Die DDR-Führung hatte wegen akuter Fluchtgefahr zur Prager Botschaft alle Waldwege -und auch dieses Wegstück zum Battleck- rund um die Uhr bewachen lassen. Ich erinnere mich, daß die Nachtschicht der Bienenmühler Möbelfabrik auf ihre Schlosser und Elektriker verzichten mußte, weil die am Battleck "Wache für den Frieden" schieben "durften" (Bei voller Bezahlung, versteht sich). Produktionsstillstand war die Folge, denn die marode Technik -oftmals nur durch Schraubzwingen, Klebstoff und Pflaster zusammengehalten- überlebte die Schicht nicht, wenn kein Techniker daneben stand. Entschuldigung, natürlich hieß es damals nicht "marode Technik", sondern "dem Kapitalismus überlegene, sozialistische, volkseigene Produktionsmittel". Immerhin hat man mit dieser Spitzentechnologie, nach der dritten Korrektur nach unten, den Plan mit 110 Prozent übererfüllen können und bekam dafür ne Prämie. "Es war nicht alles schlecht in der DDR." Spontan muß ich mitten im Wald lachen.

Heute läuft man einfach so über die Grenze, die gar nicht mehr wie eine Grenze aussieht. Irgendwie schon ein komisches Gefühl... und noch komischer ist, woran man sich erinnert, wenn der Kopf mal Pause hat.

Direkt hinter der Grenze stand bis vor 80 Jahren eine Gaststätte mit zweifelhaftem Ruf, das "Battleck" - oder auf hochdeutsch "Bettlerecke". Sie können sich bestimmt vorstellen, welche Dienstleistungen in einer Gaststätte früher "nebenbei" mit angeboten wurden. Wir wollen auch nicht darüber richten, denn die erste historisch erwähnte Gaststätte im Ortsgebiet von Holzhau wurde schließlich auch aus jenen Gründen geschlossen. Und bevor Mißverständnisse aufkommen: Nein, dieses Haus in Holzhau ist schon seit ca. 100 Jahren nicht mehr als Gaststätte erkennbar. Wer weiß, vielleicht hatten ja die alten Bauern- und Holzfällerkneipen in unserer Gegend etwas vom derben Flair eines Western-Saloons.

Nach dem Grenzübergang tut sich der Wald auf. Eine zusammenhängende, schneebedeckte, sonnenüberflutete Hochebene liegt vor uns. Die Windmühlen von Neuhermsdorf liegen hinter uns, der Kahleberg (Altenberg) liegt links von uns. Der Funkturm Zinnwald und die Windmühlen von Nove Mesto sind deutlich erkennbar. Das Dach des "Torfhauses" ist hinter den Bäumen zu sehen. Der Nachbarort Moldava versteckt  sich im Tal der Freiberger Mulde, welche auch in Moldava ihre Quelle hat.

Auf dieser Hochebene gab es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges mehrere sudetendeutsche Dörfer. Es ist nicht notwendig, die geschichtlichen Hintergründe nochmals zu erörtern und zu bewerten, welche nach dem 2. Weltkrieg zur Vertreibung der Deutschen sowie zur vollständigen Zerstörung der Orte Ullersdorf, Motzdorf, Grünwald, Moldau-Stadt usw. geführt haben.

Nach dem Beitritt der Tschechischen Republik  zur EU und zum Schengen-Abkommen sollte sowohl in deutschen als auch in tschechischen Köpfen Versöhnung und gegenseitiger Respekt einziehen.

Die große, kilometerlange Freifläche auf dem Erzgebirgskamm ist scheinbar von den Snowkitern noch nicht entdeckt worden. Weit und breit ist kein Snowboarder mit Drachen zu sehen. Probleme mit drehenden Winden -wie auf anderen Strecken- sollten hier seltener auftreten. Man hat hier ein bischen das Gefühl von "standing on top of the hill" - im Vergleich zum Muldental das absolute Kontrastprogramm. Keine Häuser, keine Straßen, keine Eisenbahn, kaum Menschen. 

Wir skiwandern weiter in Richtung Talsperre Flaje (Flöha), kehren jedoch vor dem Ziel um und laufen fast die gleiche Strecke zurück. Die Loipen im tschechischen Skigebiet schließen nahtlos an das Holzhauer Skigebiet an und sind in einem guten Zustand, nur die wenigen Meter rund um den früheren Schlagbaum haben die Spurmaschinen ausgelassen. Eine große Traube Wintersportler steht jetzt an der Grenze, man hört ein deutsch-tschechisches Sprachgewirr. Einige Leute sitzen auf der Bank und genießen die Wintersonne, während sie ihren mitgebrachten Kaffee trinken. Da sage noch einer, Skifahrer wären keine Genußmenschen.

Auf dem Weg zurück sind die Loipen noch nicht weicher geworden. Die Sonne dringt nur an wenigen Stellen durch die Bäume. Als tragende Unterlage für eine neue Loipe ist die vorhandene Schneeschicht optimal, nur der Neuschnee fehlt noch.

Am frühen Nachmittag kehren wir von einer gemütlichen Skitour ins benachbarte Tschechien zum Parkplatz an der Fischerbaude zurück.

Fazit: Ich erwähnte schon eingangs, daß ich keine hartgefrorenen Loipen mag. Daher möchte ich den Zustand der Loipen nicht allzu sehr bewerten, denn das Ergebnis wäre zu stark subjektiv beeinflußt. Aus dem herrlichen Sonntagswetter haben wir mit dieser Skitour das Maximum herausgeholt. Man muß einfach des beste daraus machen, den Sonnenschein und die Bewegung an frischer Luft genießen, um Kraft für die nächste Arbeitswoche zu tanken. 

Als Alternative wäre immer noch eine "Nordic-Walking-Tour" mit Skistöcken geblieben. Wer bei diesem herrlichen Sonntagswetter in der Stube hocken bleibt, ist selbst schuld...

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 14.01.2008
Aktuell: 21.02.2018
Seitenaufrufe: 8434
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