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Statistik: Tourismusorte des Erzgebirges nach Auslastungsgraden im Jahr 2007

(Veröffentlicht am 12.11.2008 • Geschätzte Lesedauer: 3-7 Minuten)

Wie versprochen, gibt es heute eine weitere Statistik über die Entwicklung des touristischen Gewerbes im Erzgebirge für das Jahr 2007. Diese Auswertung soll aufzeigen, wo touristisches Angebot und Nachfrage zu stimmen scheinen, kurz gesagt: Welche Orte hatten im Jahr 2007 die höchste Auslastung ihrer Übernachtungskapazitäten ?

Fangen wir mit den Top-Platzierungen an:

  1. Halsbrücke mit 75,7% Auslastung (396 Betten)
  2. Thermalbad Wiesenbad mit 66,2% Auslastung (328 Betten)
  3. Oederan mit 63,7% Auslastung (76 Betten)
  4. Wolkenstein mit 51,2% Auslastung (554 Betten)
  5. Altenberg mit 47,8% Auslastung (2272 Betten)
  6. Oberwiesenthal mit 47,7% Auslastung (2953 Betten)
  7. Eibenstock mit 45,1% Auslastung (569 Betten)
  8. Grünhain-Beierfeld mit 44,2% Auslastung (260 Betten)
  9. Thalheim mit 44,1% Auslastung (192 Betten)
  10. Breitenbrunn mit 43,5% Auslastung (637 Betten)

Wie auch in anderen Statistiken bereits festgestellt, haben die Platzierungen 5 und 6 mit ihren 2272 bzw. 2953 Betten eine größere touristische Bedeutung als die Stadt Oederan auf Platz 3 mit ihren 76 Betten. Der Oederaner Erfolg soll nicht negiert werden, aber es ist um Dimensionen aufwändiger, mehr als 2000 Betten mit einer durchschnittlichen Auslastung von 47 % am Markt zu halten, wie die nachfolgende Beispielrechnung zeigen soll:

  • Oederan hat seine 76 Betten mit 63,7 % Auslastung belegt. Das bedeutet, dass jeden Tag 48 Personen im Ort übernachten.
  • Oberwiesenthal hat hingegen 2953 Betten mit 47,5% Auslastung. Demzufolge sind immer 1408 Personen zur Übernachtung im Ort.

Die Gemeinde Rechenberg - Bienenmühle mit Holzhau und Clausnitz liegt bei 36,1% Auslastung ihrer 303 Gästebetten auf dem 19. Rang.  Der gleichen Rechnung folgend, übernachten jeden Tag 109 Personen in unserem Ort. Selbst wenn wir nur auf Platz 19 liegen, haben wir -in absoluten Zahlen- doppelt so viele Gäste im Ort wie Oederan auf Platz 3. Wir haben aber viermal soviele Betten im Angebot...

Vergleichen wir Orte aus unserer Umgebung. So liegt die Stadt Sayda mit 38,8% Auslastung bei 252 Betten vier Plätze vor uns auf Platz 15. Hermsdorf liegt mit 31,4% Auslastung und 236 Betten hinter uns auf Platz 27. Frauenstein mit 29,4% und 421 Betten auf Platz 30. Neuhausen erreichte Platz 38 mit 25,2%, Seiffen finden wir auf Platz 40 (23,9%). Augustusburg liegt mit 17,3% Auslastung weit abgeschlagen auf Platz 56 der gesamterzgebirgischen Statistik.

Schlußlichter der amtlichen Statistik sind die Orte Geising mit 12,4%, Thum mit 12,2% sowie Crottendorf und Glashütte mit jeweils nur 9,3% Auslastung. Geising und Crottendorf  bieten 167/197 Betten in 3/4 touristischen Einrichtungen an.

Um sich zu orientieren: Der Auslastungs-Durchschnitt des gesamten Erzgebirges liegt bei 34,2%. Unser Dorf gehört also mit 36.1% immer noch zu den überdurchschnittlich ausgelasteten Ferienorten des Erzgebirges, trotz eines Rückgangs von rund 15% innerhalb eines Jahres !

Was besagt nun eine "Statistik nach prozentualen Auslastungszahlen" ? In erster Linie kann sie dazu dienen, Überkapazitäten im erzgebirgischen Tourismusbereich aufzuzeigen. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Bettenzahlen könnte man schlußfolgern, in welchen Orten das touristische Angebot im Mißverhältnis zur Nachfrage steht. Man kann  erkennen, ob es möglicherweise Vermarktungsschwächen in einzelnen Orten gibt. Dazu muß man allerdings auch analysieren, welche touristischen Attraktionen die jeweiligen Orte anbieten, ob die Infrastruktur stimmt, ob die touristische Ausrichtung allein auf eine einzige Jahreszeit (Wintersport) ausgerichtet ist oder ähnliches.

Möglicherweise wurden "auf Verdacht "Übernachtungskapazitäten geschaffen, in der Hoffnung, daß sich rund umher eine entsprechende Nachfrage ergeben würde. Oder die Infrastruktur der Orte ist zusammengebrochen, nachdem die Übernachtungskapazitäten errichtet wurden.

Übernachtungsanbieter ohne ganzjährig nutzbare, attraktive touristische Angebote in direkter Umgebung werden langfristig keine Chancen mehr auf dem Markt haben. Frische Ideen und neue Konzepte, die zur Steigerung der Übernachtungszahlen führen, sind also dringend notwendig. Mit anderen Worten: Alle touristischen Angebote, die man in weniger als 2 Tagen -ohne Übernachtung- als Gast nutzen kann, werden kaum eine nennenswerte Steigerung der Übernachtungszahlen bewirken. Natürlich kann man auch mehrere kleine Angebote zu einem Paket zusammenführen und gemeinsam vermarkten, so dass daraus wieder eine touristische Dienstleistung mit Grund zum Übernachten wird. Das setzt jedoch die Geschlossenheit der kleinen Anbieter und das Bewußtsein, dass "man allein keine Chance hat" voraus.

Das Statistische Landesamt gibt an, dass Orte mit weniger als drei Beherbergungsbetrieben aus Datenschutzgründen nicht in das veröffentlichte Zahlenmaterial einfließen. Man könnte -wenn man die Übernachtungszahlen eines Unternehmens kennt- auf die Wirtschaftskraft des anderen Unternehmens (meist des Wettbewerbers) rückschließen.

Quelle: Vielen Dank an die freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Statistischen Landesamtes Sachsen. Die hier veröffentlichte Auswertung haben wir willkürlich auf jeweils 20 Positionen verkürzt.

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 12.11.2008
Aktuell: 19.12.2008
Seitenaufrufe: 5380
Ähnliche Themen: Statistik Tourismus 2007 Erzgebirge Statistisches Landesamt Kamenz
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