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Welche Parallelen gibt es zwischen der Einführung der Elektrizität und des schnellen Internets in Holzhau?

(Veröffentlicht am 17.11.2008 • Geschätzte Lesedauer: 3-8 Minuten)

Er verfolge unsere Berichterstattung zur DSL-Problematik in unserem Ort schon eine ganze Weile sehr interessiert, schrieb ein Leser in den letzten Tagen an Holzhau.de. Scherzend fragte er, ob die Einführung des elektrischen Stromes in Holzhau ähnlich problematisch war ?

Lesen wir also in alten Protokollen ab März 1910 nach, um diese Frage zu beantworten. Vor knapp 100 Jahren wurde unser Bürgermeister samt Gemeinderat von der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde aufgefordert, alle Voraussetzungen für einen Anschluß des Ortes an das Stromnetz zu schaffen. Da aber nur 6 Haushalte am elektrischen Strom interessiert waren, lehnte die Gemeindeführung mehrmals ab, dieser Aufforderung nachzukommen. Das ist über mehrere Gemeinderatssitzungen bis 1912 nachlesbar.

Den Veröffentlichungen des Dr. Jörg Richter zufolge war die Rechenberger Schule -so wie jetzt beim DSL- ein wichtiger technologischer Vorreiter. Am 14.12.1914 soll das Schulgebäude erstmals elektrisch beleuchtet worden sein.

Es folgten gesellschaftliche Veränderungen. Der Erste Weltkrieg wurde verloren, das Königreich Sachsen existierte ab Herbst 1918 nicht mehr, die Wirtschaft schlitterte immer mehr auf die Weltwirtschaftskrise zu. In Holzhau schrieb man zu dieser Zeit fleißig Protokolle über den Transport und die Verteilung von Petroleum.

1922 findet sich eine Notiz zu einem Vortrag über den elektrischen Strom, welchen ein gewisser "Ingenieur Schmitt" vor dem Gemeinderat gehalten haben soll.

Fünfzehn Jahre nach der ersten Aufforderung, den Ort an das Stromnetz anzuschließen und elf Jahre, nachdem die erste elektrische Glühlampe im 3 Kilometer entfernten Rechenberg leuchtete, hatte Holzhau immer noch keine allgemein verfügbare Elektrizität. Es gab lediglich ein einzelnes Wasserkraftwerk / Sägewerk (Heute: Pension Alte Mühle), welches den Strom hauptsächlich für den Eigenbedarf produzierte. Nachdem man im Ort verschlafen hatte, rechtzeitig auf den Trend zur Elektrifizierung aufzuspringen, wurde es ab 1925 immer schwerer, den Fehler zu korrigieren. Heute kann man von den verzweifelten Versuchen des Bürgermeisters und seiner Gemeinderäte lesen, die nötigen Kredite aufzutreiben.

Am 16.8.1925 wurde beschlossen: Es wird gebaut, wobei den Holzhauern immer noch nicht klar war, woher das dafür benötigte Geld kommen würde. Zeitgleich gibt es Probleme bei der Auftragsvergabe. Nachdem die Verträge unterschrieben sind, erscheint am 20.8.1925 ein anderes Unternehmen und bietet die Errichtung der Stromversorgung zu wesentlich günstigeren Bedingungen an. Spontan stornieren die Gemeinderäte den vier Tage zuvor geschlossenen Vertrag und schließen sofort einen neuen Vertrag mit dem günstigeren Anbieter. Nachdem man 15 Jahre überlegt und gezögert hat, überschlagen sich nun die Ereignisse. Zwei weitere Tage später kommt es zum Eklat: Der Vertragspartner vom 16.8.1925 pocht am 22.8.1925 erfolglos auf die Erfüllung des Vertrages durch die Gemeinde. Später wird sich herausstellen, daß er sein Unternehmen vor dem Bankrott gerettet hat, indem er den Auftrag nicht ausführte.

Auch nach einer mehrmonatigen Odyssee zwischen Kreditinstuten und Auftragnehmern bekommen die Holzhauer kein Geld bzw. nicht die Summe als Darlehen, welche sie benötigen würden. Es werden mehrere Banken genannt (Sparkasse, "Komerzbank",  sowie Stiftungen), welche die Finanzierung jedoch ablehnen. In den folgenden Monaten gibt es -den Aufzeichnungen nach- nur Ärger. Die Elektrofirma will für die erbrachten Leistungen endlich ihr Geld haben, wird aber nur mit Ausreden hingehalten. Um Zeit zu gewinnen, klagt die Gemeinde gegen die Elektrofirma. Angeblich ist eine Landkarte verschwunden.

Wir schreiben August 1926. Ein Jahr sind die Holzhauer nun mit ihren Zahlungen in Verzug. Auch die verschwundene Landkarte ist wie durch ein Wunder wieder aufgetaucht. Die ausführende Elektrofirma ist  kurz vor dem Bankrott. In Holzhau macht man sich Gedanken, ob man die 30 Reichsmark für Gerichtskosten aufbringen kann oder gleich einen Offenbarungseid anstrebt. Von der Elektrofirma, welche in Holzhau die Stromanschlüsse verlegt hat, liest man ab diesem Zeitpunkt nichts mehr.

Im Jahre 1927 feiert man in der Gemeinde das "Neue Denken, welches Holzhau den Stromanschluß gebracht hat" - 13 Jahre nachdem im Nachbardorf Rechenberg erstmals elektrisches Licht leuchtete.

Um 1930 verweigern Gemeinderat und Bürgermeister Zuzüglern bis zu drei Jahre lang einen Anschluß an das elektrische Stromnetz der Gemeinde. Die Personen weigern sich im Gegenzug, Mehraufwendungen für den Anschluß aus eigener Tasche zu zahlen, weil das in anderen Orten und in anderen Fällen auch nicht üblich sei.

In Holzhau wird jede "Brennstelle" (Lampe oder Steckdose) mit einer gemeindlichen "Brennstellengebühr" in Rechnung gestellt. 1934 werden  alle illegal errichteten "Brennstellen" gezählt, die Einwohner sollen Strafe zahlen.

45 Jahre nach der ersten Beratung von 1910, im Jahr 1955, erhielt der Ortsteil Teichhaus elektrischen Strom und in Holzhau wurde die Ortsbeleuchtung in Betrieb genommen. Die Deutsche Demokratische Republik existierte zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Jahre. Die ersten Besprechungen fanden zu einer Zeit statt, als man noch im Königreich Sachsen unter der Herrschaft der Wettiner lebte. In den 45 Jahren erlebten die Menschen den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution, den Rücktritt des sächsischen Königs, die Auflösung des Königreiches Sachsen, die Weimarer Republik, die "Tausend Jahre" Faschismus mit dem Zweiten Weltkrieg und die Gründung eines sozialistischen Staates.

Ich überlasse es Ihnen und Ihrem Humor, ob Sie Parallelen zwischen der "DSL-Problematik" und der "Elektrifizierung" von Holzhau erkennen wollen. Ich hoffe nur, dass es nicht 45 Jahre -mit ähnlichen geschichtlichen Ereignissen- dauert, bis der Ortsteil Teichhaus DSL bekommt...

Ihr Tino Bellmann

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 17.11.2008
Aktuell: 19.12.2008
Seitenaufrufe: 5599
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