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Touristen fragen, Holzhau.de antwortet: "Was ist eigentlich mit den Buchen los?"

Nachdem man sich in den letzten Jahren daran gewöhnen musste, dass die Fichten vom Borkenkäfer befallen sind, die Kastanien unter der Rosskastanienminiermotte leiden, nach "Ulmensterben", "Eschensterben" und Jungbirken, die seit der Schneelast der letzten Winter zum Halbkreis gebogen sind, erregen in diesem Jahr die Rotbuchen unsere Aufmerksamkeit.

Das satte Frühlingsgrün der Buchenwälder ist Mitte Mai in einen Braunton umgeschlagen. Die Blätter sind scheinbar verwelkt und hängen gekräuselt am Baum. Ein trauriger Anblick. 

Es ist also kein Wunder, wenn unsere Touristen fragen: "Was ist denn bei Euch mit den Buchen los?"

Kurze Antwort: Das ist ein Spätfrostschaden vom Mai diesen Jahres. 

Ausführliche Antwort: Holzhau.de hat Mitte Mai 2020 davon berichtet, dass die "Eisheiligen" in diesem Jahr punktgenau zugeschlagen haben. Seit 2007 steht die Wetterstation im Holzhauer Tannenweg. In der Holzhauer Ortsmitte (ca. 610 m üNN) wurden Temperaturen um -2 °C gemessen und es gab etwa 7 cm Schnee. In den höheren Lagen war es wesentlich kälter und es gab natürlich auch mehr Schnee.

Die Baumarten des Erzgebirges sind unterschiedlich frostempfindlich. Ganz besonders große Unterschiede gibt es bei der Spätfrostempfindlichkeit. Wenn die jungen Blätter frisch ausgetrieben sind und noch einmal Frost kommt, verkraften das manche Baumarten besser, andere wesentlich schlechter (oder gar nicht).

Relativ unempfindlich gegen Spätfrost ist zum Beispiel der Nationalbaum des Erzgebirges, "dor "Vuuchlbeerbaam" oder auf hochdeutsch die Eberesche (Sorbus aucuparia). Auch die verschiedenen Birken- und Kiefernarten kommen mit Spätfrost relativ gut zurecht. Es ist ein Merkmal der Erstbesiedlungspflanzen (Pionierpflanzen), dass sie relativ anpassungsfähig und klimatolerant sind.

Lärchen, Bergahorn, Fichten, Erlen und die Winterlinde vertragen mit ihrem frischen Blattwerk mehr Kälte als beispielsweise die Sommerlinden, Douglasien, Hainbuchen, Spitzahorn, Weiden oder Eichen.

Zu den frostempfindlichsten Arten unserer Region gehört -neben den Kastanien und Eschen- die Rotbuche. Während die erfrorenen Eschenblätter schwarz werden und in den Folgewochen allmählich abfallen, verfärben sich die jungen Buchenblätter braun und bleiben am Baum.

Einige Baumarten haben die Fähigkeit, wenige Wochen nach dem Frostschaden ein zweites mal neu auszutreiben. Das kostet die Pflanze viel Kraft und es ist für das aktuelle Jahr eher eine Art "Notbegrünung".

Die Rotbuche wird derzeit bevorzugt gefördert, um gegen die Fichten-Monokulturen im Erzgebirge vorzugehen. Wie man in diesem Jahr sehr eindrucksvoll sehen kann, ist dieser Baum kein Allheilmittel. Er kommt mit dem rauen erzgebirgischen Klima in den höheren Lagen nicht klar. Aufgrund seiner Blattmasse hat er zudem eine wesentlich höhere Verdunstung und einen höheren Wasserbedarf als Nadelbäume. Es wird sich zeigen, ob sich Mischwälder bei zunehmender Trockenheit wirklich im Erzgebirge etablieren können.

Am Eindrucksvollsten sind die Schäden an der Rotbuche in Höhenlagen über 800 m zu sehen, beispielsweise in den tschechischen Kammregionen.

Unser Foto entstand am 28.6.2020 bei einer Wanderung zum tschechischen Stropnik (855m üNN). 



Weiterführende Links, Quellenangaben und Verweise zu anderen Artikeln:
» Eisheilige schlagen in Holzhau gnadenlos zu - Kälteste Lostage seit 2007
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