Unsere mittelsächsische Universitäts- und Kreisstadt Freiberg hat fünf "gefährliche Orte" | Druckversion

HOLZHAU

Das Sächsische Innenministerium hat eine Liste mit 61 als "gefährlich" eingestuften Orten veröffentlicht. Vorangegangen war eine Anfrage der "Grünen". Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR veröffentlichte die Liste komplett (Link am Ende des Artikels). Die "Freie Presse" griff das Thema ebenfalls auf, betrachtet aber -zumindest im unten verlinkten Artikel- nur die Kreisstadt Freiberg.

Eines ist sofort auffällig: Bei der Berichterstattung verwenden fast alle Medien Anführungszeichen, wenn sie den Begriff "gefährliche Orte" erwähnen. Das kennen die Sachsen noch aus jenen Zeiten, in denen es "besorgte Bürger" mit "diffusen Ängsten" gab.

Die Stadt Dresden führt die Liste mit 24 "gefährlichen Orten" an. Damit es nicht gar so schlimm aussieht, hat man die Liste in Dresden und Dresden Neustadt geteilt. Immerhin weiß der Leser jetzt, dass es in Dresden Neustadt gefährlicher ist als in der Dresdner Altstadt. Nun denn, wenn´s hilft...

Zwölf Plätze erkennt man aufgrund ihrer speziellen Namensgebung. "Bahnhof", "Busbahnhof" oder "Haltestelle" lassen darauf schließen, dass man als Fahrgast beim Öffentlichen Personennahverkehr nicht unbedingt auf der sicheren Seite ist.

Bei den 61 "gefährlichen Orten" nennt man acht Adressen, die dediziert als "Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber" bezeichnet werden. 

In fünf Fällen werden Spielhallen bzw. Spielotheken als "gefährlich" eingestuft. 

Wenn Karl Marx wüsste, dass "der Platz um das Karl-Marx-Monument" in Chemnitz zu einem "gefährlichen Ort" geworden ist - Im Jahr seines 200. Geburtstages!

Unsere Kreis- und Universitätsstadt Freiberg ist der einzige Ort Mittelsachsens auf der Liste, dafür aber gleich mit fünf Einträgen:

Alle "Gefährlichen Orte" unserer Kreisstadt haben wir in Google Maps lokalisiert und am Ende unseres Artikels verlinkt.
 
Die "Freie Presse" verweist abschließend darauf, dass Freiberg vor einem Jahr etwa "30 gefährliche Orte" gehabt habe. Wie eine so drastische Reduzierung auf nur noch fünf Einträge zustande gekommen ist, bleibt jedoch offen. Hier kann man nur spekulieren: Hat man die Kriterien für "gefährliche Orte" geändert? Betrachtet das Sächsische Innenministerium "gefährliche Orte" aus einem anderen Blickwinkel als die Polizei in Freiberg? 
 
Ebenso offen bleibt, welches Publikum an den "Gefährlichen Orten" verkehrt und was an jenen Orten so "gefährlich" sein soll.
 
Verhaltenstipps für die Bevölkerung fehlen. Soll man diese Orte nun meiden oder nicht? Worauf muss man sich als Tourist und Einwohner einstellen? Vielleicht wäre der Bau einer Umgehungsstraße um Freiberg herum doch "keine schlechte Idee" gewesen?
 
Wir betrachten die Veröffentlichung der kriminellen Brennpunkte in Sachsen sehr kritisch und befürchten: Die Immobilienpreise und Mieten werden an den "Gefährlichen Orten" und in deren Umfeld drastisch einbrechen. Gewerbeimmobilien werden kaum noch seriöse Mieter finden. Investoren bleiben weg. Banken werden in "kritischen" Vierteln noch seltener Kredite für die dringend nötige Gebäudesanierung ausreichen. Versicherungen werden ihre Beiträge erhöhen. Wer in jenen Gegenden wohnt, wird von der Schufa als "wenig kreditwürdig" eingestuft. Wenn man in den gelisteten Gebieten eine Immobilie besitzt und noch Kredite tilgen muss, ist man möglicherweise -über kurz oder lang- bankrott, weil die Mieteinnahmen wegbrechen.
 
Ein solches Haus zu verkaufen, wird schwer. Für den Immobilienkauf gibt es -zumindest laut Harald Schmidt- drei Kriterien: "Die Lage, die Lage, die Lage!" (Video vom 5.4.2001 unten verlinkt, Timecode 1:00).
 
Das gesamte Ausmaß der Folgen ist noch gar nicht absehbar.
 
Der Verfall ganzer Straßenzüge scheint nach der namentlichen Veröffentlichung von Städten, Straßen und Hausnummern nicht mehr aufhaltbar zu sein.
 


 
 

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