Landtagswahlen in Sachsen 2019 - Die Wahlergebnisse aus Holzhau, Clausnitz und Rechenberg-Bienenmühle | Druckversion

HOLZHAU

Die 1570 Wahlberechtigten der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle mit ihren Gemeindeteilen Holzhau und Clausnitz haben am Sonntag, den 1.9.2019, an den Wahlen zum Sächsischen Landtag teilgenommen.

Die Zahl der Wahlberechtigten sank in den letzten Jahren um 9,0 Prozent.

Es ist ein beängstigender Fakt: Unsere Gemeinde verlor innerhalb von 5 Jahren ein knappes Zehntel seiner stimmberechtigten Einwohner! Möglicherweise ist DAS die eigentliche Überraschung bei dieser Landtagswahl!

Insgesamt gingen 1235 Wahlberechtigte an die Wahlurnen. Das sind sensationelle 78,7 Prozent Wahlbeteiligung und ein Plus von 18,1 Prozent (Im Vergleich zu 2014).

Im gesamten Freistaat lag die Wahlbeteiligung bei 66,6 %. Doch selbst dieser "niedrige" Wert ist ein landesweites Plus von 31,9% im Vergleich zu 2014.

Unsere Gemeinde lag im Wahlkreis "Mittelsachsen 1". Der Landkreis Mittelsachsen ist in 4 Wahlkreise eingeteilt. Das benachbarte Frauenstein mit Nassau gehört z.B. zum Wahlkreis 2.

So stimmten unsere wahlberechtigten Einwohner ab:

Der Wahlkreis 1 lieferte dann mit seiner Gesamtheit folgendes Wahlergebnis:

Der Wahlkreis 1 wird von der CDU mit 4,5 % Abstand sehr deutlich gewonnen.
 
Schauen wir auf andere Orte unseres Wahlkreises, um das Wahlergebnis zu hinterfragen. Am auffälligsten ist, dass die FDP in unserem Ort 5,4 % der Stimmen erhielt, im Wahlkreis jedoch unter "Sonstige" gelistet ist. In Oederan, Leubsdorf und Flöha gab es für die FDP kaum Stimmen.
 
In Dorfchemnitz gewann die AfD 45,4 % der Wähler für sich. In Oederan lieferten sich AfD und CDU mit 34,6 % und 33,8 % ein sehr knappes Rennen zugunsten der AfD.
 
Rechenberg-Bienenmühle kann man bei dieser Wahl und in unserem Wahlkreis als "CDU-Hochburg" bezeichnen. Nur in Leubsdorf bekam die CDU 0,4% mehr als in unserem Ort (42,4 %).
 
In Eppendorf, Großhartmannsdorf, Mulda, Rechenberg-Bienenmühle, Neuhausen und Sayda gab es für die Grünen kaum Stimmen. Das ist der gesamte Bereich des Erzgebirges, in welchem die Wahlberechtigten seit jeher naturnah und naturverbunden leben. 
 
Die gleiche Wählergruppe unseres Wahlkreises konnte mit den politischen Zielen der "Linken" nichts anfangen. Auch für diese Partei gab es in den Regionen "nördlich der B101" höhere, teilweise sogar zweistellige Wahlergebnisse.
 
Die "Freien Wähler" werben zwar damit, "Sachsens größte Bürgerbewegung" zu sein, konnten jedoch kaum nennenswert punkten. Zerstritten, unprofessionell und teilweise kontrovers treten deren Kandidaten in der Öffentlichkeit auf. Als Beispiel dafür sei das Thema "Windenergie" genannt.
 
Besonders unprofessionell trat der Kandidat der Freien Wähler, Klaus Büttner aus Oederan, auf. Er setzte auf Wahlwerbung per Email, was seit ca. 15 Jahren als "unzumutbare Belästigung" gilt und von Gerichten juristisch verfolgt wird.
 
Um ein Gefühl für unsere Umgebung zu bekommen, schauen wir noch mal kurz auf den benachbarten Wahlkreis 2: Hier hat die AfD knapp gewonnen.
  • AfD 32,2 %
  • CDU 31,2 %
  • Die Linke 8,7 %
  • SPD 6,8 %
  • Grüne 6,3 %
  • Freie Wähler 5,3 %
  • Sonstige 9,3 %
In der Kreisstadt Freiberg konnte die CDU mit 30,4 % vor der AfD gewinnen (28,0 %).  Auch in Lichtenberg gewann die CDU mit 34,7 % knapp vor der AfD mit 33,8 %. In allen anderen Gemeinden wird das Wahlergebnis von der AfD angeführt.
 
Die Stadt Frauenstein, mit ihrem Ortsteil Nassau als direkter Nachbar, stimmte zu
  • 36,6 % für die AfD
  • 34,0 % für die CDU
  • 6,8 % für Die Linke
  • 5,2 % für die Freien Wähler
  • 4,9 % für die SPD
  • 4,7 % für die FDP und
  • 7,7 % für Sonstige Parteien und Gruppierungen.
(Keine erwähnenswerten Stimmen für die Grünen)
 
Im Landkreis "Sächsische Schweiz - Osterzgebirge 2" stimmte man wie folgt ab:
  • CDU 33.1 %
  • AfD 33,0 %
  • Die Linke 7,1 %
  • Freie Wähler 5,8 %
  • SPD 5,5 %
  • Grüne 5,4 %
  • Sonstige  10,1 %
In diesem Wahlkreis muss man feststellen, dass die Städte Altenberg und Geising klar von der AfD dominiert werden, während unser direkter Nachbar Hermsdorf zu 43 % die CDU wählte. Die AfD kam hier "nur" auf 29,6 %. In Hartmannsdorf-Reichenau gewann die AfD.
 
Kurzer Kommentar: Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer "Spaltung der Gesellschaft" warnt, zeugt das von Realitätsverlust. Die Spaltung der Gesellschaft ist längst vollzogen. Der erste Riss ging 1989 durch´s Land, der zweite Mitte der 90er Jahre. Der neue, politische Riss von 2014 zieht sich nicht nur durch die Politik und die Parteienlandschaft, sondern geht inzwischen durch alle Bereiche des Alltags. Man spürt diesen Riss im täglichen Miteinander, im Freundeskreis, im Kollegenkreis und sogar in den Familien.
 
Möglicherweise sind diese Risse sogar erwünscht. "Teile und herrsche" (Divide et impera) gilt seit Jahrtausenden als Formel zum Machterhalt der jeweils herrschenden Klasse. So lange sich die Bevölkerung in kleine Gruppen spaltet und sich gegenseitig bekämpft, müssen die tatsächlichen Machthaber keine Angst vor dem Volk haben.
 
Claus Kleber (ZDF) sprach am Wahlabend davon, "dass  jeder Sechste oder Siebente AfD wählt". Schaut man sich die Zahlen aus dem Ort, dem Wahlkreis und der Nachbarschaft an, reden wir aber nicht von jedem sechsten oder siebenten Wahlberechtigten, sondern von jedem dritten!
 
Dass jene Menschen, welche der AfD nahe stehen, sich nicht nur aus "Dummen", "Abgehängten" und "Nazis" zusammensetzen, kann schon aus rein statistischen Gründen nicht stimmen, denn dann wäre jeder dritte Sachse "dumm" oder "abgehängt". Das wiederum passt nicht zum "INSM Bildungsmonitor 2019". Dieser hatte Sachsen bescheinigt, "Klassenbester" zu sein. (Unten verlinkt). Die Verlierer-Bundesländer heißen dort eher Nordrhein-Westfalen (Platz 13), Bremen (Platz 14), Brandenburg (Platz 15) oder Berlin (Platz 16).
 
Mittlerweile kennt nahezu jeder in seinem persönlichen Umfeld Menschen, die zu den "Leistungsträgern" dieser Gesellschaft gehören und gleichzeitig -mehr oder weniger- der AfD zugeneigt sind. (Oder der CDU mit den politischen Zielen von vor 30 Jahren)
 
Wie auch immer die Regierungsbildung in Sachsen erfolgen wird: Kann es sich eine Demokratie wirklich auf Dauer leisten, den politischen Willen jedes dritten Bürgers zu ignorieren? Möchte man in Dresden wirklich eine Koalition mit den Grünen eingehen und damit eine Partei in die Regierung hieven, für die es im oberen Erzgebirge nur für "Sonstige" reichte?
 

 

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