Neuer Geldautomat und Einwurfkasten für Überweisungen in Bienenmühle | Druckversion

HOLZHAU

Die Schließung der beiden Bankfilialen unseres Ortes ließ die Wellen hoch schlagen. Begonnen hatte es mit der Ankündigung der Freiberger Bank, die Niederlassung in der Bienenmühler Bahnhofstraße aufzugeben. In Scharen wechselten die Bankkunden zur Sparkasse Mittelsachsen, die damals noch im Ortsteil Rechenberg eine Filiale betrieb.

Doch Ende 2019 wurde bekannt, dass auch die Sparkasse mehrere Filialen schließen muss. Seit dem 1.1.2020 gibt es in unserem Ort keinen direkten Ansprechpartner, Geldautomaten oder Kontoauszugsdrucker mehr.

Während der Coronakrise wurden die Auswirkungen, besonders für die älteren und behinderten Bürger, deutlich. Die nächste "Bank in Ihrer Nähe" war etwa 15 bis 20 Kilometer entfernt, der öffentliche Verkehr wurde auf ein Minimum heruntergefahren. Für einen Teil der Bevölkerung war es nicht einmal mehr möglich, eine handgeschriebene Überweisung in Auftrag zu geben. Wer nach Frauenstein zur Sparkasse unterwegs war, wurde teilweise von der Polizei aufgehalten und nach dem Zweck seiner Autofahrt befragt.

Seit Mai 2020 steht nun -welch Wunder- ein Geldautomat auf dem Bienenmühler EKEDA-Parkplatz. Betrieben wird er von der Firma "Moneyserv" aus Saarbrücken. Das Unternehmen informiert Kunden und Banken auf der Webseite "moneyserv.de" über die angebotenen Dienstleistungen.

Die Aufstellung von Moneyserv-Geldautomaten schütze Banken nach der Filialschließung vor einem Imageverlust, trägt Moneyserv als Argument für seine Geschäftstätigkeit vor. 

Es ist wohl unbestritten, dass sowohl die Freiberger Bank als auch die Sparkasse Mittelsachsen mit ihren Filialschließungen einen massiven Imageschaden erlitten haben. Vor allem bei älteren Menschen, ihrer bisher treuesten Klientel. Einige der ganz alten Einwohner erinnern uns daran, dass es "sogar während des Zweiten Weltkrieges in Rechenberg IMMER eine Sparkasse gegeben" hat.

Warum konnte man den Bürgern nicht schon im vergangenen Herbst eine Alternative anbieten? Jede Menge negativer Presserummel und einige Onlinepetitionen hätten vermieden werden können. 

Ein weiteres Zitat von moneyserv.de: 

"Wenn Bankfilialen in kleineren Gemeinden schließen, nehmen sie in der Regel ihre Geldautomaten mit. So ergeben sich gerade für ältere Bürger große Probleme, vor allem mit der Bargeldversorgung. Der Umsatz der örtlichen Geschäfte und Betriebe leidet. Spontankäufe bleiben aus.  Eine Vielzahl von Geschäften ist auf verfügbares Bargeld angewiesen wie bspw. Bäckereien, Bistros, Kioske etc. Möglicherweise zieht es die potenziellen Käufer weg in die Städte zum Geld ausgeben. Ein Sterben der noch verbliebenen Geschäfte droht."

Leider sahen das die zuständigen Entscheider im vergangenen Herbst völlig anders.

Doch bei uns ticken die Uhren langsamer. Sehr viel langsamer. Rechenberg-Bienenmühle ist nun mal nicht der Berliner Hauptbahnhof, wo es völlig normal ist, ein belegtes Brötchen mit der EC-Karte zu bezahlen.

Holzhau.de sieht hier eine Mitschuld der sächsischen Politik: 20 Jahre, wenn nicht sogar 25 Jahre, hat man es versäumt, der Bevölkerung auf dem Land zeitgemäße Technologien bereitzustellen. Wenn der Umgang mit "neuer Technik" oder "neuen Bezahlsystemen" plötzlich zum "Generationenproblem" wird, darf man sich also nicht wundern.

Welche Gebühren bei einer Bargeldauszahlung über Moneyserv anfallen, ist am Automaten nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Erfahrungsberichte von Einwohnern liegen uns noch nicht vor, eigene Versuche gab es auch nicht. Die Webseite moneyserv.de gibt über anfallende Kosten keine eindeutige Auskunft. Im Artikel "Erste Koorporation mit einer Sparkasse" (in Bad Tölz) wird jedoch erwähnt, dass die (dortigen) Sparkassenkunden gebührenfrei Geld abheben können.

An der Aufstellung des Geldautomaten ist lediglich kritikwürdig, dass der halbe EDEKA-Parkplatz beim Geldabheben zuschauen kann. Andererseits schützt diese Offenheit auch vor Vandalismus.

Wer seine Überweisungsaufträge nach wie vor per Hand ausfüllt, weil er weder einen Computer noch einen schnellen Internetanschluss besitzt oder der ganzen Technik nicht vertraut, musste bisher -wie oben geschrieben-  nach Frauenstein oder Mulda, um die Aufträge einzuwerfen. Seit Mai 2020 kann man damit auch zum EDEKA-Markt Peinelt gehen. Der Briefkasten der Sparkasse befindet sich innen zwischen der Poststelle und dem Zugang zum Büro.

Wir vertreten die Ansicht, dass diese beiden Neuerungen -zumindest ansatzweise- ein Weg in die "neue Normalität"  sind. "Besser als in den ersten 5 Monaten des Jahres" ist es allemal. Den Zustand, in unserem Ort zwei Bankfilialen zu haben, werden wir wohl unter den aktuellen Umständen nicht so schnell wieder erreichen.

 


 

 

 

 

 

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